IWF senkt Wachstumsprognosen
G7 will schnell handeln

Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G7) will bei einer weiteren Eintrübung der Aussichten für die Weltwirtschaft alles in ihrer Macht stehende tun, um die Konjunktur wieder in Fahrt zu bringen. Im Notfall will sie sofort wieder zusammentreffen, hat aber bislang keinen besonderen Plan, um den Folgen eines möglichen Irak-Krieges zu begegnen.

Reuters PARIS. "Wenn sich die Konjunkturaussichten verschlechtern, sind wir auf eine angemessene Antwort vorbereitet", hieß es am Wochenende in dem Reuters vorliegenden Abschlusskommunique des Treffens der G7-Finanzminister und-Notenbankchefs in Paris. Darin wurde ein Irak-Krieg nicht ausdrücklich erwähnt, sondern lediglich auf gestiegene geopolitische Unsicherheit verwiesen. Die Gruppe gab sich zugleich optimistisch, dass die Weltwirtschaft bald wieder auf soliden Wachstumskurs zurückkehren werde. Der IWF senkte dagegen G7-Kreisen zufolge seine Wachstumsprognosen.

Kein Anzeichen für Erreichen des Potenzialwachstums

Schwerpunkt der Beratungen in dem von der Polizei weiträumig abgeriegelten Gebäude des französischen Finanzministeriums war nach Angaben von Delegierten die Möglichkeit weiterer Leitzinssenkungen, sollte sich die Wirtschaft etwa bei einem Irak-Krieg erneut abschwächen. "Wir werden nicht zögern zu handeln", sagte EZB-Chef Duisenberg bei einer Pressekonferenz in Paris. Es gebe derzeit in der Euro-Zone keine Anzeichen für ein Erreichen des Potenzialwachstums von rund 2,0 bis 2,5 Prozent noch in diesem Jahr. Der trübere Wachstumsausblick verringere den Inflationsdruck. An den Märkten dürften die Äußerungen Duisenbergs als Hinweis für die Bereitschaft der EZB verstanden werden, den Leitzins von 2,75 Prozent weiter zu reduzieren.

Italiens Notenbankchef Antonio Fazio räumte jedoch ein, angesichts der hohen Unsicherheit seien die Auswirkungen von Zinsänderungen begrenzt. Dies könne sich aber ändern, wenn die Inflation sinke und sich die Konjunktur weiter eintrübe, sagte er bei einer Pressekonferenz.

Die EZB hatte die Leitzinsen in der Euro-Zone im Dezember zwar überraschend deutlich um 50 Basispunkte gesenkt, sieht sich aber immer wieder Kritik ausgesetzt, nicht so aggressiv die Zinsen reduziert zu haben wie zum Beispiel die US-Notenbank (Fed). In den USA, Kanada und Großbritannien liegen die Leitzinsen auf dem niedrigsten Niveau seit rund 40 Jahren. Japans Zinsen liegen seit Jahren nahe 0 Prozent.

Francis Mer: G7 hat keinen Geheimplan

Die G7 kündigte an, künftig weiter eng zusammenarbeiten zu wollen. Frankreichs Finanzminister Francis Mer sagte, es gebe keinen Geheimplan für den Fall eines Irak-Kriegs. Mer und Bundesfinanzminister Hans Eichel machten aber deutlich, die Gruppe könne jederzeit nach Bedarf zusammenkommen, um über angemessene Schritte zu beraten. Sie vermieden es jedoch die Worte Krieg oder Irak zu verwenden. "Niemand von uns sah die Notwendigkeit, Details eines solchen Szenarios zu diskutieren", sagte Mer nach dem Treffen. Zur G7 gehören die USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan.

In der Erklärung der G7 klang auch Optimismus an: "Unsere Volkswirtschaften befinden sich derzeit zwar in einer Phase langsameren Wachstums, sie bleiben aber widerstandsfähig." Die G7 vertraue der grundsätzlichen Stärke der nationalen Volkswirtschaften. Nach Ansicht von US-Finanzminister John Snow ist vor allem das von US-Präsident George W. Bush vorgelegte fast 700 Mrd. Dollar schwere Steuersenkungspaket von zentraler Bedeutung für die Weltwirtschaft. "Wenn die weltgrößte Volkswirtschaft wächst, wird das auch der Weltwirtschaft einen Schub verleihen."

Duisenberg und der Chef des EU-Finanzministerrats, Nikos Christodoulakis, hatten zuvor kritisiert, das geplante Konjunkturprogramm könne zu einem höheren US-Haushaltsdefizit führen und damit eine Gefahr für die die Weltwirtschaft darstellen.

Grundsätzlich zuversichtlich zur weiteren Konjunkturentwicklung äußerte sich auch der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler. Der weltweite Aufschwung habe sich zwar verschoben, er sei aber weiter intakt, erklärte er. Im Fall eines kurzen Irak-Kriegs könnten sich positive Überraschungseffekte für die Wirtschaft ergeben.

Informationen aus G7-Kreisen, wonach der IWF seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft für 2003 auf 3,3 von 3,7 Prozent zurückgenommen hat, wollte er nicht kommentieren. Den Kreisen zufolge senkte der Fonds auch seine Erwartungen für Deutschland in diesem Jahr und zwar auf 0,7 Prozent. Zuletzt war der IWF noch von einem Wachstum von 1,75 Prozent ausgegangen.

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