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IWF setzt auf eine sanfte US-Landung - Euro ist zum Dollar „stark unterbewertet“

zz/egl PRAG. Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzt in seinem Weltwirtschaftsausblick auf eine sanfte Landung der US-Wirtschaft. IWF-Chefvolkswirt Michael Mussa stellte bei der Präsentation des Berichts in Prag klar, dass eine "sehr sanfte Landung" neben dem Ölpreis die entscheidende Voraussetzung für ein anhaltend gutes Weltwirtschaftswachstum sei.

Nach der IWF-Prognose wird das US-Wachstum mit 5,2 % in diesem Jahr stärker ausfallen als das der gesamten Weltwirtschaft. Die gesamte Weltwirtschaft wird dagegen 2000 um 4,7 % und die anderen Industriestaaten sogar nur um 3,9 % wachsen. Im kommenden Jahr soll die US-Ökonomie nach den Prognosen aber nur noch 3,2 % zulegen. Die globale Wachstumsrate werde dagegen bei 4,2 % liegen. Ist das schon ein Omen für die erhoffte "sanfte Landung" der amerikanischen Wirtschaft nach einem fast zehnjährigen Aufschwung?

Die IWF-Ökonomen untermauern ihre Prognose einer abnehmenden Wirtschaftsdynamik in den USA mit statistischen Entwicklungen. Die bislang unbändige Verbrauchernachfrage wird danach etwas gezähmt. Aber der langanhaltende Aufschwung war nicht nur den Verbrauchern zu danken, die sich dafür kräftig verschuldeten, jedenfalls der Wirtschaft keine Ersparnisse zur Verfügung stellen konnten. Der IWF sieht die Ursachen der bemerkenswerten Stärke der US-Wirtschaft auch in der gesunden makroökonomischen Politik der USA, in der Flexibilität der Waren- und Arbeitsmärkte sowie speziell seit 1995 in der Zunahme der industriellen Produktivität, die ihrerseits von den Hightech-Investitionen angeregt wurde.

Obwohl es schwierig sei, alle Komponenten für die Bewertung einer Währung aufzudecken, betrachten die IWF-Ökonomen den Euro gegenüber dem Dollar doch als "stark unterbewertet". Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass der Euro wieder Aufwertungspotenzial hat. Um wie viel Europas Währung wieder steigen könnte, lässt der IWF seriöserweise aber offen.

Fehlbeträge steigen seit 1991dramatisch

Wie lange, fragt der IWF auch, kann die Produktivität in den USA noch zunehmen, wie lange können die wachsenden Leistungsbilanzdefizite, die ja eine Konsequenz des starken Dollarkurses sind, noch durchgehalten werden? Anfang der 90er-Jahre erwirtschafteten die USA einen kleinen Überschuss in der Leistungsbilanz, doch seit 1991 steigen die Fehlbeträge dramatisch: In diesem Jahr werden sie nach IWF - Schätzungen bei 4,5 % des Bruttoinlandsprodukts liegen.

In den vergangenen drei Jahren haben Angebot und Nachfrage in den USA stärker zugenommen als "vernünftigerweise vertretbar ist", meint der IWF. Deshalb habe die US-Notenbank seit Mitte 1999 die Kurzfrist-Leitzinsen um insgesamt 1,75 Prozentpunkte erhöht. Weil Zinserhöhungen sich erst mit erheblicher Verzögerung auswirken, werde die schärfere Politik der Fed in der Wirtschaft aber "noch nicht wahrgenommen". Gemeinsam mit den höheren Ölpreisen aber könnte der seit 18 Monaten anhaltende Anstieg des Dollarkurses indessen die Dynamik bremsen. Wenn parallel dazu die Ungleichgewichte zwischen den großen Währungsräumen abgebaut würden, sei eine "ernsthafte Störung des Weltwachstums" nicht zu erwarten.

Gleichwohl seien weitere Zinserhöhungen in den USA nötig, falls die Dynamik anhalte und der Arbeitsmarkt angespannt bleibe, um den inflationären Auftrieb zu bremsen. Zudem müsse die US-Fiskalpolitik weiter dazu beitragen, die Nachfrage zu bremsen, meint der IWF. Dabei sollte die Politik den Forderungen nach Steuersenkungen "widerstehen".

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