IWF sieht Reformerfolge
Dervis will Ankara auf Kurs halten

Trotz der sich zuspitzenden politischen Krise in der Türkei ist es dem Finanzministerium gestern gelungen, zwei neue Anleihen mit Zinssätzen von 76,53 % und 79,67 % auf dem Markt zu platzieren, um fällige Schulden zu begleichen. Die hohen Risikoaufschläge unterstreichen allerdings die Instabilität in der Türkei.

cr DÜSSELDORF. Die Märkte setzen aber offenbar Vertrauen in die Fähigkeit von Wirtschaftsminister Kemal Dervis, den mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarten Konsolidierungskurs auch durchzuhalten.

Der IWF hat erst vor wenigen Tagen eine weitere Tranche über 1,15 Mrd. $ aus dem 16 Mrd. $ schweren Beistandsprogramm frei gegeben. Ab morgen will eine IWF-Delegation in Ankara mit der türkischen Regierung über die nächste Prüfung des Stand-by-Kredits beraten. Nach IWF-Analyse hat sich die Türkei von den Schockwellen der letzten Krisen zwar erholt, Dervis warnt dennoch vor den Folgen einer anhaltenden Unsicherheit. Nur wenn sich das flaue Wirtschaftswachstum (+ 2 %; 2001: - 9,4 %) weiter festigt, kann das Reformprogramm seine Wirkung voll entfalten.

Auf der Haben-Seite der türkischen Reformer stehen Erfolge in der Fiskal- und Geldpolitik. Die Lira stabilisierte sich zeitweilig so weit gegenüber dem Dollar, so dass eine Flucht in den Greenback nicht mehr zu befürchten war. Die Aktienmärkte stiegen um rund 50 %, die kurzfristigen Zinsen sanken auf 60 %. Auch die Teuerung konnte dank einer von IWF-Chef Horst Köhler als "vorsichtig" begrüßten Geldpolitik stabilisiert werden. Ob die anvisierte Jahresinflation von 35 % allerdings realistisch ist, bezweifelt auch der IWF. Er geht von 40 bis 45 % aus.

Auf der Soll-Seite Ankaras stehen strukturelle Anpassungen. "Vor allem bei der Privatisierung muss mehr getan werden", monierte Köhler kürzlich. Nur bei durchgreifenden Reformen wird die Türkei attraktiver für Auslandskapital. Der Fonds mahnt außerdem eine strikte Umsetzung der Bankenreform an.

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