IWF stellt Kampf gegen Armut voran
Köhler verteidigt Aussagen zur Euro-Intervention

Mit einem forschen Auftritt in Prag hat der neue Chef des Internationalen Währungsfonds den Ton für die diesjährige Jahrestagung gesetzt: Für den IWF stehe künftig der Kampf gegen die Armut im Vordergrund. Aber auch bei Themen wie der Euroschwäche lässt sich Horst Köhler nicht den Mund verbieten.

fs PRAG. Horst Köhler will die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) offenbar nicht zu stark von aktuellen Themen wie der Euro-Schwäche dominieren lassen. So bekräftigt der neue Geschäftsführende Direktor auf Fragen von Journalisten zwar die Aussagen seines Chefökonomen vom Vortag: Ja, er glaube an den Euro und ja, auch Interventionen seien unter Umständen sinnvoll.

Zu seinem eigentlichen Anliegen kommt Köhler aber schnell zurück: Er legt einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung der Armut in der Welt. So betont der IWF-Chef mehrmals, dass alle Länder, auch die Armutsregionen der Welt, von der Globalisierung profitieren müssen. Das phänomenale Wachstum der vergangenen Jahrzehnte habe jedoch weite Teile der Welt nicht einbezogen. "Das kann ein großes Problem für die Zukunft werden."

Gleich nach seiner Amtseinführung hat Köhler 16 Länder Lateinamerikas, Asiens und Afrikas besucht, um sich mit deren Problemen vor Ort vertraut zu machen. Bei dieser "Listening Tour" habe er wichtige Einblicke bekommen. Dringend notwendig ist seiner Ansicht nach ein konstantes und inflationsfreies Wachstum in den Entwicklungsländern. Eine nachhaltige Reduktion der Armut könne es aber nur geben, wenn die armen Länder Zugang zu Investitionskapital bekämen. Köhler zeigte sich überzeugt davon, dass selbst in den ärmsten Regionen die Führer große Anstrengungen in Richtung Marktwirtschaft und Demokratie unternehmen.

Um die Entwicklungsländer aufzuwerten, müsse deren Repräsentanz im IWF wesentlich verbessert werden. So verträten derzeit die afrikanischen Exekutiv-Direktoren jeweils 21 und 23 Länder. Diese bräuchten mehr Personal. Auf die Kritik der sieben großen Industrienationen (G7), er vernachlässige mit seiner Reformkonzeption den monetären Charakter des Fonds, konterte er: Der IWF müsse zwar die monetären Aufgaben stärken, aber auch in den ärmsten Ländern die Grundlagen für Marktwirtschaft stärken. Köhler legt großen Wert darauf, dass er keine Einzelinteressen vertrete: "Ich fühle mich den 182 Mitgliedern des IWF verpflichtet", sagte Köhler. So habe er auch Gespräche mit den Europäern und dem amerikanischen Kongress geführt. "Wir müssen die richtige Balance finden", betonte Köhler.

Deutliche Mahnung an Russland

Der Geschäftsführer deutete an, dass seine Organisation von reformbedürftigen Staaten in Zukunft mehr erwarte als Ankündigungen. Bezogen auf die Situation in Russland sagte er, der IWF unterstütze Präsident Wladimir Putins Wirtschaftsprogramm. Der russische Präsident müsse die richtigen Konzepte aber auch umsetzen: "Wir achten mehr auf Taten als auf Versprechungen."

Köhler betonte den kooperativen Charakter des Fonds. Damit ging er auch auf die fällige Reform der in der Vergangenheit oft kritisierten Institution ein. "Der revolvierende Charakter des IWF muss gestärkt werden", so Köhler. Es müsse auch das Ziel sein, Kreditlinien schnell wieder zurückzuzahlen. In diesem Zusammenhang begrüßte er, dass die G7 aller Voraussicht nach in Prag die Überprüfung der bisherigen Anreizsysteme verabschieden werden.

Erst auf Nachfrage äußerte sich der IWF-Chef zum europäischen Sorgenkind, dem Euro. Auch ihm bereite die Entwicklung der europäischen Gemeinschaftswährung Unbehagen, räumte er ein: "Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Euro unterbewertet ist, stark unterbewertet". Deshalb könnten Interventionen kein Tabu sein.

Damit stützte Köhler die Aussage seines Chefökonoms Michael Mussa vom Vortag. Dieser hatte sich mehr oder minder für Eingriffe in den Devisenmarkt zu Gunsten der schwächelnden europäischen Währung ausgesprochen. Er hatte gesagt, man müsse sich fragen, wann Eingriffe auf dem Devisenmarkt gerechtfertigt seien, wenn nicht jetzt. Wie Mussa betonte auch Köhler, dass Interventionen aber auch wirksam müssen. Dass es Schwierigkeiten gebe, sei keine Aussage gegen die europäische Währung: Das Projekt Euro sei gut.

Seitenhieb auf die Hüter des Euros

Einen Seitenhieb versetzte er jedoch der europäischen Politik und deren Schwierigkeiten bei der Umsetzung nötiger Strukturreformen. "Die Europäer selbst sollten sehen, für was die Schwäche des Euro steht." Köhler macht klar, dass er gegenüber den G7 und auch der EZB selbstbewusst auftreten werde. Auf die Frage nach dem Verhältnis von IWF und G7 sagte Köhler: "Ich stehe im Dienst des IWF und keiner anderen Organisation. Den G7 zu zuhören, ist natürlich auch hilfreich."

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