IWF stoppt Kreditauszahlung
Argentinien droht die Zahlungsunfähigkeit

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Hoffnungen Argentiniens auf die Zahlung einer dringend benötigten Kredittranche über 1,3 Milliarden Dollar noch in diesem Monat zunichte gemacht.

bac/mos WASHINGTON. Die für die Freigabe der Summe erforderlichen Überprüfungen könnten derzeit nicht abgeschlossen werden, teilte der IWF mit. Damit wird Analysten zufolge eine Zahlungsunfähigkeit des mit rund 132 Milliarden Dollar verschuldeten Landes immer wahrscheinlicher. Die Anleihen des Landes reagierten gam Donnerstag mit deutlichen Kursverlusten.

Der IWF begründete gestern die Entscheidung, den Kredit "zu diesem Zeitpunkt" nicht zu zahlen, vor allem mit der Fiskalpolitik der Regierung in Buenos Aires. "Dabei geht es in erster Linie um das Budget 2002, aber in einigen Punkten auch um den Haushalt 2001", sagte IWF-Sprecher Thomas Dawson in Washington. Es sei unzutreffend, aus dem IWF-Beschluss "grundsätzliche Schlüsse" zu ziehen. Der Währungsfonds wolle die argentinische Regierung auch weiterhin mit einem "nachhaltigen Stabilitätsprogramm" unterstützen.

Die argentinische Regierung will mit einem groß angelegten Umschuldungsprogramm die Schuldenlast des rezessionsgeplagten Landes verringern. Davon könnten im nächsten Jahr auch Besitzer von Euro-Bonds betroffen sein. Die Inhaber dieser Anleihen, die für den europäischen Markt begeben wurden, müssten dann schlechtere Bedingungen für ihre Wertpapiere akzeptieren. Ähnlich erging es Anlegern zu Beginn des vergangenen Jahres bei der Schuldenkrise der Ukraine.

Da sich die Situation in Argentinien seit Wochen zugespitzt hatte, erließ die Regierung in Buenos Aires am Wochenende ein Maßnahmenpaket zur Sicherung des Finanzsystems, das unter anderem Barabhebungen der Bürger auf 1000 Dollar pro Monat und auch die Höhe der Überweisungen ins Ausland begrenzt. Auf diese Weise soll die Kapitalflucht eingedämmt werden. IWF-Sprecher Dawson bezeichnete diese Entscheidung gestern als "bedauerlich". Experten kritisierten, Argentinien verliere dadurch weiter an Attraktivität für ausländische Investoren.

Die Ratingagenturen Moody?s und Standard & Poor?s teilten mit, diese Regeln gefährdeten die Dollar-Bindung des argentinischen Pesos, da dafür ein freier Kapitalfluss notwendig sei.

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