IWKA und MG Technologies bieten gute Einstiegschancen
Maschinenbauer sind gut positioniert

Bei vielen deutschen Maschinenbauern laufen die Geschäfte noch alles andere als geschmiert.

FRANKFURT/M. "Die konjunkturellen Risiken, die Dollar-Schwäche und spezielle Problemfälle wie die Südamerikakrise machen der Branche zu schaffen", fasst Richard Schramm, Sektoranalyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt die Lage zusammen. Auch an den jüngsten Zahlen der meist mittelständischen Unternehmen der Branche lässt sich die Schwäche ablesen.

Wer jetzt in Maschinenbauaktien einsteigt, geht eine Wette auf die Konjunktur ein. Erfahrungsgemäß läuft der Sektor der makroökonomischen Entwicklung voraus, weil die Maschinenbauer von den Ausrüstungsinvestitionen der Industrie profitieren, ehe diese selbst ihre Gewinne steigern kann. Ein Einstieg in Maschinenbau-Aktien empfiehlt sich also, sobald die ersten Indikatoren auf einen nachhaltigen Aufschwung hindeuten.

Hilfe bei der Auswahl

Bei der Auswahl der Aktien hilft ein Blick in die Vergangenheit: Wer sich im schlechten Umfeld relativ gut behauptet hat, ist vielleicht auch bei einem Aufschwung vorne mit dabei. Verhältnismäßig gut liefen etwa die Geschäfte beim Karlsruher Anlagenbauer IWKA, der aber ohnehin als relativ konjunkturunabhängig gilt. Im Bereich Anlagentechnik profitieren die Badener zum Teil von Schwächephasen, weil wichtige Kunden auf innovative Maschinen von IWKA umsatteln, um effizienter zu produzieren. Dennoch sank das Netto-Ergebnis des Unternehmens im ersten Halbjahr um 65 Prozent auf 3,7 Mill. Euro - hauptsächlich auf Grund einer höheren Steuerquote und Sanierungskosten beim Armaturen-Hersteller Bopp & Reuther. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) konnte IWKA um vier Prozent steigern. Wachstumsmotor war dabei ein deutlicher Gewinnanstieg im zweiten Quartal, der vor allem auf guten Ergebnissen der Sparte Verpackungstechnik gründete. Von Analysten wird IWKA aktuell sehr positiv bewertet. Von neun Empfehlungen seit Monatsbeginn lauteten sieben auf "Kaufen" und zwei auf "Halten".

Ähnlich zuversichtlich sind Marktbeobachter für die Aktien von MG Technologies. Zwei von drei Analysten raten derzeit zum Kauf. "Die Zahlen für das dritte Quartal haben gezeigt, dass sie den Abschwung relativ gut meistern", meint HSBC-Analyst Schramm. Zwar verdiente der Frankfurter Konzern weniger als im Vorjahr, allerdings lag das Ergebnis über den Prognosen der Analysten. MG setzt neben dem Anlagenbau auf das Chemiegeschäft der Tochter Dynamit Nobel. Der Frankfurter Konzern erhofft sich durch diese Zwei-Säulen-Strategie mehr Unabhängigkeit von der konjunkturellen Entwicklung.

Heidelberger (unter) Druck

Eine dürftige Geschäftsentwicklung in Nordamerika macht zurzeit dem weltgrößten Hersteller von Druckmaschinen Heidelberger Druck zu schaffen. In den USA und Kanada, wo das Unternehmen ein Viertel seines Umsatzes erzielt, gingen die Verkäufe im ersten Quartal (per 30. Juni) um 14 Prozent zurück. Insgesamt sank der Konzernumsatz von 1,07 Mrd. auf 931 Mill. Euro, das Ergebnis nach Steuern fiel um 59 Prozent auf 12 Mill. Euro.

Höhere Auftragseingänge als in den beiden Vorquartalen lassen Heidelberg-Chef Bernhard Schreier hoffen, dass das Schlimmste jetzt überstanden ist. Sobald das US-Geschäft wieder anzieht, sollte der Druckmaschinenhersteller überproportional zulegen. Weil Heidelberg außerdem eine gute Wettbewerbsposition im Zukunftsmarkt Digitaltechnik hat, sehen die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein und der Landesbank Baden-Württemberg die Aktie langfristig als gutes Investment und bewerten sie mit "Add" bzw. "Akkumulieren".

Verhalten sind die Aussichten für die kommenden Monaten beim Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich. Auf Grund stark rückläufiger Geschäfte im deutschen Markt haben die Hamburger im ersten Halbjahr Rückgänge bei Gewinn und Umsatz erlitten. Richard Schramm von HSBC rät jedoch, die Jungheinrich-Aktie aufzustocken. "Mittlerweile sollten alle schlechten Nachrichten im Kurs drin sein, und die fundamentale Bewertung erscheint günstig. Nach der jüngsten Kurserholung ist das weitere Potenzial zunächst aber begrenzt."

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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