J-Phone wächst schneller als die Konkurrenz
J-Phone verschiebt UMTS-Start in Japan erneut

Der britische Telekomkonzern Vodafone bekommt im Fernen Osten nicht so schnell Anschluss an den neuen Mobilfunkstandard UMTS wie erhofft: Die japanische Tochter J-Phone hat am Mittwoch zum zweiten Mal den Start ihres UMTS-Netzes verschoben.

HONGKONG. Statt im Juni will J-Phone das UMTS-Netz nun erst im Dezember frei schalten. Ursprünglich war der Start für Ende 2001 vorgesehen.

"Wir wollen ein nahtloses, weltweit kompatibles Angebot, wenn der Dienst beginnt," begründet J-Phone Präsident Darryl Green den erneuten Aufschub. Wer das UMTS-Netz der japanischen Vodafone-Tochter künftig nutzt, soll auch in anderen Mobilfunknetzen des britischen Konzerns telefonieren können (Roaming). Dies sieht J-Phone als wichtigen Wettbewerbsvorteil an. Doch die Techniker in Japan brauchen offenbar mehr Zeit, um die lokale UMTS-Software an die Technik in anderen Ländern anzupassen.

Der Aufschub lässt J-Phone bei UMTS-Diensten weiter hinter die Konkurrenz zurückfallen. NTT Docomo vermarktet seit Oktober 2001 das erste kommerzielle UMTS-Netz der Welt, in dessen Aufbau 8 Mrd. $ fließen. Verfolger KDDI hat sein schnelles Datennetz vor zwei Wochen gestartet und will dem Marktführer mit massiven Preisnachlässen Konkurrenz machen.

Anders als Docomo und J-Phone, die auf den europäischen UMTS-Standard setzen, verwendet KDDI die vom US-Konzern Qualcomm entwickelte CDMA-Technologie. Das soll Kosten sparen. Denn KDDI muss kein neue Infrastruktur aufbauen, sondern rüstet das bestehende Mobilfunknetz auf.

Japan gilt als Testfeld für neue, schnelle Datendienste. Doch bislang halten Kunden billigeren, bewährten Angeboten die Treue. Mit einem davon hat J-Phone dem Konkurrenten KDDI soeben den Rang als Japans Nummer zwei abgelaufen: Handys mit eingebauter Digitalkamera, mit der die Kunden grobkörnige Schnappschüsse verschicken können, erweisen sich als Renner. Seit deren Einführung wächst J-Phone schneller als die Konkurrenz - mit seinem alten Mobilfunknetz.

Der Docomo-Marktanteil von 58 % dürfte für die Konkurrenz dennoch schwer zu knacken sein. Denn der Großteil der Docomo-Kunden nutzt den mobilen Datendienst I-Mode. E-Plus hat den Dienst im März auf einer GPRS-Plattform auch in Deutschland eingeführt.

Bislang sind die Japaner nicht bereit, ihre populären I-Mode-Handys gegen UMTS-Geräte einzutauschen. Diese kosten 500 $, bieten aber kaum mehr Funktionen. Seit Oktober hat Docomo erst 90 000 UMTS-Kunden gewonnen - nur halb so viel wie geplant. An dem Ziel von sechs Millionen UMTS-Nutzern bis März 2003 hält Docomo dennoch fest. Ab Sommer dieses Jahres sollen neue Dienste und eine größere Handy-Auswahl die Wende bringen.

Gleichzeitig schockte Docomo-Präsident Keiji Tachikawa vor zwei Wochen die Märkte mit der Vorhersage: Insgesamt werde der Kundenzuwachs dieses Jahr ein Drittel unter dem Vorjahr liegen.

Analysten nehmen die Verzögerung beim Start des UMTS-Netzes von J-Phone gelassen, da der Ansturm auf die neue Technik in Japan bislang ausbleibt, Angesichts hoher Anlaufinvestitionen und eines unreifen Markts wertet BNP Parisbas-Analyst Katsuo Hori den Aufschub sogar als "positives Zeichen."

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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