Jack Welch war 20 Jahre lang Chef von General Electric
Das Bild vom gierigen Millionär

Er war der Vorzeige-Manager: Jack Welch verwandelte den Mischkonzern General Electric (GE) in einen Giganten, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von 127 Milliarden Dollar erzielte. Als Welch im Januar 1981 sein Amt als Vorstandschef antrat, lag der Umsatz bei vergleichsweise bescheidenen 25 Milliarden Dollar.

In 20 Jahren als Chef von GE wurde Welch zur Ikone: An seinem Beispiel erläuterten Wirtschaftsprofessoren, was einen erfolgreichen Unternehmenslenker ausmacht. GE stand unter seiner Leitung fünfmal hintereinander an erster Stelle auf der Liste der am meisten bewunderten Unternehmen, die das US-Wirtschaftsmagazin "Fortune" herausgibt. Für seine Memoiren erhielt er schon im Voraus 7,1 Millionen Dollar - mehr als der Papst oder der Kriegsheld und derzeitige Außenminister Colin Powell.

Doch der 66-Jährige mit den kleinen, flinken Augen und der heiseren Stimme gerät zunehmend stärker in die Kritik, denn seine Pensionsvergütungen könnten allzu üppig ausgefallen sein. Der jüngste Anlass zur Empörung: die Scheidungspapiere seiner Frau. Darin stand wie viel Annehmlichkeiten GE dem ehemaligen Chef bis zu seinem Lebensende zahlen wird. Zwar waren die Gratis-Flüge mit dem Firmenjet schon zuvor bekannt. Aber von dem Luxusappartement in New York und den Top-Sitzen bei Sport- und Musikveranstaltungen im Wert von mehreren Millionen Dollar wusste die Öffentlichkeit bisher nichts. Jetzt will die US-Börsenaufsicht SEC in einer informellen Untersuchung in Erfahrung bringen, wie viel GE über die Rentenregelung hätte veröffentlichen müssen.

Doch schon vor den Scheidungspapieren ging die Ära Welch ihrem Ende entgegen. Zum einen kratzte die misslungene Übernahme von Honeywell an seinem Image - Welch hatte die Bedenken und die Macht der EU-Kommission in seiner Arroganz unterschätzt. Zum anderen wurden nach den Bilanzskandalen von Enron und Worldcom die Stimmen lauter, die das stete Gewinnwachstum von GE in den vergangenen Jahren anzweifelten.

Analysten und Investoren stellen vor allem die Qualität der Gewinne in Frage: Wie viel des Wachstums ist wirklich auf das Hauptgeschäft des Konzerns zurückzuführen? Wie viel ist dagegen durch Bilanztricks oder die mehr als hundert Zu- und Verkäufe zu Stande gekommen, die GE durchschnittlich pro Jahr tätigte? Kritiker wie Robert Friedman, Analyst der Rating-Agentur Standard & Poor?s, sind der Ansicht, dass GE heikle Bilanzierungsmethoden benutzt habe, um kurzfristige Gewinnziele zu erfüllen. Zudem gilt der Konzern wegen seiner breiten Aufstellung als zu unübersichtlich für Investoren. Daher bestimmte Jeffrey Immelt, Nachfolger von Welch: GE wird künftig 30 Prozent mehr Informationen veröffentlichen.

Wie sehr Welch an seinem Ruf und an dem von GE gelegen ist, zeigte seine schnelle Reaktion auf die jüngsten Berichte: Er verzichtet auf sämtliche Zuwendungen - nur sein Büro bei GE, das ihm als Berater weiterhin zusteht, will er behalten. Die Darstellungen seiner Frau nannte er übertrieben, wollte aber nicht näher darauf eingehen.

"Der Abgang von Jack Welch ist in gewisser Weise vergleichbar mit dem von Clinton und der Hinterlassenschaft namens Monica", kommentierte James Kelleher, Analyst von Argus Research, die jüngsten Ereignisse. Sosehr sich Welch jetzt auch bemühen mag: Das Bild vom gierigen Millionär, der nicht genug bekommen kann, wird an ihm haften bleiben.

Welch betont, dass er die Extra-Leistungen 1996 mit dem Board ausgehandelt habe, im Gegenzug für seine Zusage, dem Konzern bis zum 65. Lebensjahr zu dienen. Eine Barauszahlung wäre GE nach seinen Aussagen deutlich teurer gekommen. Der Konzern hatte seinen Top-Manager, der schon als Kind seine hervorragenden Führungstalente unter Beweis stellte, möglichst lange behalten wollen.

Als Sohn eines Zugführers in der grauen Kleinstadt Salem aufgewachsen, lernte Welch auf dem selbst gebauten Sportplatz schon früh, seine Ideen auch gegenüber Älteren durchzusetzen. Als Kapitän des Hockeyteams der High-School verkündete er sein klares Ziel: Er wolle eine Million machen.

Über dieses Ziel ist er weit hinausgeschossen. Auch ohne die Extra-Leistungen bleiben ihm etliche Millionen. Schwieriger dürfte es jetzt für ihn sein, seinen Mythos zu bewahren.



Quelle: Handelsblatt

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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