Jacques Chirac
Provisorische Luxus-Bleibe auf 180 Quadratmetern

Nach zwölf Jahren verlässt Jacques Chirac den Pariser Elysée-Palast, den Amtssitz des französischen Staatspräsidenten, der zugleich sein Wohnsitz ist. Bis eine endgültige Bleibe für die Chiracs gefunden ist, kommt das Paar provisorisch auf 180 Quadratmetern unter.

PARIS. Erst Anfang dieses Jahres hatte Jacques Chirac es erkannt: "Es gibt ein Leben nach der Politik." Jetzt fängt dieses Leben an. Nach zwölf Jahren Amtszeit steht der letzte Arbeitstag des scheidenden Staatspräsidenten unmittelbar bevor: Am kommenden Mittwoch wird er seinem Nachfolger Nicolas Sarkozy in einer feierliche Zeremonie den Schlüssel für den Elysée-Palast übergeben.

Der Abschied aus den heiligen Hallen der Macht fällt dem Ehepaar Chirac nicht leicht. First Lady Bernadette war den Tränen nah, als sie im Januar einem Fernsehreporter gestand: "Dieses Haus wird mir sehr fehlen". Aber man müsse sich eben, so Madame Chirac tapfer, mit seinem Schicksal abfinden.

Allzu schwere Prüfungen hält das Leben nach der Politik für die Chiracs ohnehin nicht bereit. So haben sie kaum noch Grund zur Befürchtung, dass der Altpräsident am Ende doch noch für die vielen finanziellen Unregelmäßigkeiten in seiner Zeit als Pariser Bürgermeister bezahlen muss. Sarkozy hatte Chirac noch vor seinem Wahlsieg versprochen, er werde ihn auf jeden Fall vor Strafverfolgung schützen, notfalls mit Hilfe eines geänderten Strafrechts. So kolportierte es das stets gut informierte Satireblatt "Canard Enchainé".

Von der Sozialistin Ségolène Royal hätten die Chiracs so viel Wohlwollen nicht erwarten können, was offenbar vor allem Bernadette nervös gemacht hatte. "Wenn die Linke gewinnt, wandern wir ins Gefängnis", soll die Präsidenten-Gattin noch wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl im Kreise von Vertrauten geäußert haben.

Nun ziehen die Chiracs nicht hinter schwedische Gardinen, sondern in eine Luxuswohnung in einem der teuersten Pariser Viertel am linken Seine-Ufer, gleich gegenüber vom Louvre. Das 180 Quadratmeter große Appartement am Quai Voltaire gehört der Familie des 2005 ermordeten libanesischen Präsidenten Rafic Hariri, mit dem Chirac eng befreundet war. Ob die Chiracs den Hariris Miete zahlen, ist nicht bekannt.

In der "sehr provisorischen Bleibe" werde das Ehepaar Chirac nur vorübergehend residieren, bis ein "endgültiger Wohnsitz" gefunden sei, ließ der Elysée-Palast verlauten. In Fußweite von der Wohnung ist schon das neue Büro für Chirac eingerichtet - auf Staatskosten, wie bei Ex-Staatsoberhäuptern üblich. Dort will Chirac sein wahrscheinlich letztes politisches Werk vorbereiten: Eine "Stiftung für nachhaltige Entwicklung und für den Dialog der Kulturen".

Dafür fand der 74-jährige einen prominenten, gleichaltrigen Mitstreiter: Michel Camdessus, ehemaliger Direktor des Internationalen Währungsfonds. "Aus tiefer Überzeugung" heraus wolle Chirac mit seiner Stiftung "für die Sache Afrikas, für die Umwelt, für die Begegnung der Kulturen" kämpfen, vertraute Camdessus der Tageszeitung "Le Monde" an.

Der Ex-Präsident plant, dabei mit anderen wohltätigen Polit-Rentnern zusammenarbeiten. Etwa mit dem scheidenden britischen Premier Tony Blair und Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan und deren Gemeinschaftswerk "African Progress Panel" oder mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und der von ihm gegründeten Stiftung, die gegen Aids und Armut kämpft.

Finanzieren will Chirac seinen Kampf für eine sauberere und gerechtere Welt mit privaten Spenden. Dabei kann er freilich nicht mit jene Milliarden-Beträgen rechnen, welche die Clinton-Stiftung alljährlich in ihre Projekte steckt. Camdessus warnt schon vor übertriebenen Erwartungen: "Natürlich werden wir nicht dieselben Dimensionen wie in den Vereinigten Staaten erreichen."

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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