Jäggi schlägt Alarm
Kaiserslauterns freier Fall

Auch der als "Retter" geholte Eric Gerets kann den freien Fall des 1. FC Kaiserslautern nicht stoppen, doch dafür macht der Generalbevollmächtige Rene C. Jäggi (noch) allein die Spieler verantwortlich. "Das ist keine Mannschaft auf dem Platz. Es fehlen Herz und Wille", kritisierte der Schweizer am Sonntagabend nach der verdienten 0:1-Niederlage der Pfälzer beim 1. FC Nürnberg.

HB/dpa NÜRNBERG. Jäggi macht sich nach dem schlechtesten Saisonstart aller Zeiten größte Sorgen um den finanziell und sportlich am Abgrund stehenden viermaligen deutschen Meister. "Jetzt wird es langsam bedrohlich. Wenn wir am nächsten Samstag gegen Cottbus nicht gewinnen, wird es sehr einsam am Tabellenende", warnte er.

Jäggi setzt weiterhin "volles Vertrauen" in Brehme-Nachfolger Gerets, auch wenn der Belgier nach seinem vierten sieglosen Spiel ratlos und demoralisiert wirkte. Die Zeit der Durchhalteparolen ist beim Tabellenletzten nach lediglich drei Punkten aus sieben Spielen angebrochen. "Wenn ich jetzt auch den Kopf in den Sand stecke, sind wir endgültig weg", meinte Gerets. "Vielleicht sollten wir uns mal hinsetzen, einen hinter die Binde kippen und dann auf den Platz gehen", schlug Torhüter Georg Koch unerlaubtes Alkohol-Doping vor, während Nationalspieler Miroslav Klose empfahl, "noch härter an uns zu arbeiten. Irgendwann werden wir dann belohnt werden."

Der Torjäger außer Dienst musste sich in Nürnberg leise Kritik seines Trainers gefallen lassen, weil er nach dem 0:1 durch Anthony Sanneh (69.) vier Minuten vor dem Abpfiff beim Foulelfmeter für die Pfälzer kniff. "Miro steckt in einem Loch. Das einzige, was ihn daraus befreien kann, ist ein Tor. Darum hatte ich gehofft, dass er die Verantwortung beim Elfmeter übernimmt. Ich hatte noch gerufen, dass Miro schießen soll", sagte Gerets. Statt Klose schoss Ratinho - und Nürnbergs Torhüter Darius Kampa lenkte den Ball an den Pfosten.

Der Name Klose wird auch eine Hauptrolle spielen, wenn der 1. FC Kaiserslautern an diesem Dienstag mit einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in die "Woche der Wahrheit" startet. Jäggi will zwei Wochen vor der Jahreshauptversammlung das Ausmaß der roten Zahlen des Vereins offen legen und dabei auch die Spekulationen um die Zukunft des bislang als unverkäuflich deklarierten Klose (Vertrag bis 2005) beenden. Angeblich will Jäggi wegen der finanziellen Schieflage des FCK die Transfer-Rechte an Klose beleihen. Jäggi will sich erst auf der PK erklären, Klose sei jedoch vorab "informiert worden".

Nicht nur im "Fall Klose" scheint Jäggi zum Handeln entschlossen. Auch in den Führungsgremien und auf der Geschäftsstelle will der Vorstandsvorsitzende in spe entschlossen durchgreifen. Ihm missfallen die vielen Indiskretionen beim FCK. "Schlimm ist, dass nichts im Hause bleibt", beklagte Jäggi, der den "Kreis der Geheimnisträger dramatisch einengen" will. Auch bei der Neuwahl des Aufsichtsrates, für den bislang 25 Bewerbungen vorliegen, hat der Schweizer eigene Kandidaten im Auge: "Wir brauchen fünf Profis im Aufsichtsrat." Denn um das herrschende Chaos auf und neben dem Platz heil zu überstehen, müsse aus dem FCK ganz rasch eine "Schicksalsgemeinschaft" werden.

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