Jagd auf Prozente
Mit Discount-Zertifikaten Geld verdienen

Mit Discount-Zertifikaten können Anleger Aktien und Indizes mit einem Rabatt erwerben. Die Angebote sind aber mitunter nur schwer zu vergleichen.

Klingt billig: Discount-Zertifikate ermöglichen es, Aktien oder Indizes zu einem Preis zu erwerben, der deutlich unter der aktuellen Notierung liegt. Der Haken an der Sache: Die Gewinnchancen sind auf einen bestimmten Betrag begrenzt. Ab einer definierten Schwelle (Cap) profitiert der Besitzer nicht mehr von Wertsteigerungen des Basisinstruments. Außerdem fließen dem Investor keine Dividendenzahlungen der Aktie zu, denn er erhält durch den Kauf des Zertifikats die Aktie nicht wirklich, sondern wird nur an der Kursentwicklung beteiligt.

Ein Beispiel für ein solches Produkt ist ein Discount-Zertifikat der Commerzbank auf Daimler-Chrysler. Statt des aktuellen Aktienkurses von 52,17 Euro zahlen Anleger nur 44,60 Euro für das Papier, der Rabatt liegt also bei rund 15 Prozent. Der Anleger ist dafür aber nur bis zur Marke von 54 an weiteren Kurssteigerungen des Papiers beteiligt. Gleich ob der Autobauer am Laufzeitende im September 2003 bei 54 Euro oder etwa bei 70 Euro notiert, ihm wird in beiden Fällen der Maximalbetrag von 9,40 Euro ausbezahlt, was aber immerhin einer Rendite von rund 21 Prozent entspräche. Bis zu einem Kurs von 63 Euro je Aktie ist das Zertifikat der Direktanlage überlegen. Liegt Daimler-Chrysler am Laufzeitende unter der Marke von 54 Euro, wird dem Anleger die Aktie in sein Depot gebucht.

Rabattscheine sind nicht immer erste Wahl

Vor dem Einsatz der Papiere sollten sich Investoren eine Meinung über die künftige Kursentwicklung bilden. Die Rabattscheine sind bei stagnierenden oder moderat steigenden Börsen angebracht. Gibt es eine ausgewachsene Rally, ist ein direktes Investment in die Aktie oder den Index sinnvoller. "Da zurzeit aber kaum jemand erwartet, dass die Bäume in den Himmel wachsen, sind Discount-Zertifikate augenblicklich eine gute Wahl", sagt Wolfgang Gerhardt, Derivate-Experte beim Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim.

Auch unabhängige Fachleute halten den Einsatz von Discount-Zertifikaten für sinnvoll. "Die Papiere ermöglichen Anlegern Handelsstrategien, die bei Profis schon lange üblich sind", sagt Jan Decken, beim Informationsanbieter Onvista für Derivate zuständig. Investoren können mit den Scheinen an der Schwankungsbreite am Aktienmarkt (Volatilität) verdienen - Fachleute sagen, sie können "Vola verkaufen".

Hintergrund: Die Discounts verbinden zwei Geschäfte. Der Investor kauft eine Aktie und verkauft eine Kaufoption (Call) mit genau dem Basispreis, der dem Cap entspricht. Durch diesen Call-Verkauf erzielt der Anleger eine Prämie, die den Einstandskurs der Aktie drückt. Nach der Optionstheorie ist diese Prämie bei sonst gleich bleibenden Faktoren umso größer, je höher der Volatilität im zu Grunde liegenden Basiswert ist. Zurzeit hat die Volatilität zum Beispiel im Dax wieder deutlich angezogen. Zusätzlich gilt : Je länger die Laufzeit und je näher der Cap am aktuellen Indexstand ist, umso größer ist der Abschlag.

Allerdings ist es schwierig zu ermitteln, ob die Höhe der von den Banken an den Zertifikatekäufer weitergegebenen Prämie fair ist. In der Regel stellen sie bei eigenen Verkäufen von Call-Optionen eine höhere Volatilität in Rechnung, als sie beim Ankauf der Optionskomponente im Discountzertifikat selber zahlen. Die Höhe dieser durchaus lukrativen Spanne ist bei den einzelnen Anbietern sehr unterschiedlich. Allerdings führt der zunehmende Wettbewerb dazu, dass sich die Angebote der Emittenten gut vergleichen lassen, was mitunter interessante Unterschiede offen legt.

So kostete vergangene Woche ein Dax-Discount-Papier von Sal. Oppenheim (Cap 5500, Laufzeit 30.6.2003) bei einem Stand des Index von 4879 Punkten, 46,40 Euro (Bezugsverhältnis 1:100). HSBC Trinkaus & Burkhardt bot das gleiche Papier mit einer etwas kürzeren Laufzeit (18.6.2003) für nur 45,99 Euro an. Dabei ist die Erfahrung zu machen, dass die Anbieter mit dem günstigsten Angebot häufig wechseln. Es gilt also wieder alte Grundsatz: Preisvergleich lohnt sich. Behilflich sind dabei Internetangebote wie Onvista, mit deren Hilfe sich die Scheine übersichtlich auflisten lassen.

Vergleiche sind oft schwierig

Mitunter kann dies allerdings recht schwierig werden. Denn ein Vergleich macht nur Sinn, wenn die Ausstattung der Produkte (Cap, Laufzeit) nahezu identisch ist. Bei gängigen Dax-Discounts mit einem Cap von 5 000 und einer Laufzeit von vier Monaten bis zu einem Jahr ist das Angebot recht groß. Schwierig wird es allerdings schon bei relativ langen Laufzeiten. So ist beispielsweise J.P. Morgan der einzige Anbieter mit einem Papier, das bis 2006 gültig ist. Ob der von diesem gewährte Abschlag von 37,74 Prozent ausreichend ist, kann der terminmarktunkundige Normalanleger schwer beurteilen. Auch ein Preisvergleich fällt mangels Alternative aus. Bei Zertifikaten auf Einzelwerte ist die Angebotsvielfalt zumeist noch geringer. "Einige Emittenten bringen natürlich mit Absicht Produkte auf den Markt, die schwer vergleichbar sind, weil sie dann in der Preisgestaltung flexibel sind", erläutert ein Kenner der Branche.

Bei der Wahl der Laufzeit sollten Anleger bedenken, dass sich die Rückzahlungsmodalitäten der Zertifikate auf das Ende der Laufzeit beziehen. Wer also einen Discount kauft, genießt die Vorteil des günstigeren Einstiegs erst bei Fälligkeit. Lange Laufzeiten sorgen zwar für einen größeren Abschlag, erfordern jedoch auch mehr Geduld. Eine vorzeitige Veräußerung ist zwar möglich, doch dann geht der Rabatt verloren.

Bei der Wahl der Laufzeit sollten auch steuerliche Überlegungen eine Rolle spielen: Wer über keinen Verlustvortrag aus dem letzten Jahr verfügt, sollte darauf achten, dass die Papiere mindestens über eine Restlaufzeit von einem Jahr verfügen. Erst nach einer Haltedauer von zwölf Monaten sind Gewinne steuerfrei. Rechtlich ist dies aber noch nicht abschließend geklärt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%