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Jaguar zieht sich aus der Formel 1 zurück

Die Krise in der Formel 1 hat in Jaguar ein erstes Opfer gefordert. Der US-Automobilkonzern Ford kündigte in Birmingham an, sein Engagement in der „Königsklasse“ zu beenden und den Rennstall aus finanziellen Gründen am Saisonende zurückzuziehen.

dpa BIRMINGHAM. Die Krise in der Formel 1 hat in Jaguar ein erstes Opfer gefordert. Der US-Automobilkonzern Ford kündigte in Birmingham an, sein Engagement in der "Königsklasse" zu beenden und den Rennstall aus finanziellen Gründen am Saisonende zurückzuziehen.

"Jaguars Präsenz in der Formel 1 war eine wertvolle Plattform für das Marketing und das Markenbewusstsein, besonders außerhalb unserer Hauptmärkte in den USA und Großbritannien", sagte John Greenwell, Vorsitzender und Geschäftsführer der wirtschaftlich angeschlagenen Luxusmarke Jaguar. "Dennoch sind wir gemeinsam zu der Ansicht gekommen, dass es Zeit ist, sich zu 100 % auf das Kerngeschäft zu konzentrieren."

Die Ankündigung erfolgte einen Tag, nachdem der Mutterkonzern Ford die Schließung eines der drei Jaguar-Werke in Großbritannien bekannt gegeben hatte. Den Mitarbeitern des Formel-1-Teams solle eine Weiterbeschäftigung ermöglicht werden. Bevorzugt werde ein Verkauf des Rennstalls.

In diesem Jahr sitzen der Australier Mark Webber und der Österreicher Christian Klien in den Jaguar-Cockpits. Webber wechselt 2005 zu Williams-BMW. Vor dem drittletzten Saisonrennen in Schanghai rangiert Jaguar in der Marken-WM mit zehn Punkten an siebter Stelle. Jaguar ist seit 2000 in der Formel 1. Damals hatte Ford den Rennstall von Ex-Weltmeister Jackie Stewart gekauft. Große Erfolge konnte Jaguar nicht feiern.

Auch die Ford-Motorenschmiede Cosworth steht zum Verkauf. Davon betroffen sind das Hinterbänkler-Team von Minardi und das Jordan-Team, für das der Mönchengladbacher Nick Heidfeld fährt. Die Zukunft der beiden Rennställe ist offen. Teamchef Eddie Jordan denkt angeblich bereits über einen Rückzug aus der Formel 1 nach. "Es hat keinen Sinn mehr weiterzumachen", zitierte die Münchner "Abendzeitung" den Iren. Derzeit steht Jordan noch ohne Motoren, ohne Fahrer und ohne den erhofften Investor für die neue Saison da.

Der Rückzug von Jaguar trifft die Formel 1 in einer Phase, in der intensiv um die Zukunft der "Königsklasse" gerungen wird. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen Kostensenkungen und ein neues Motorenreglement. Während Formel-1-Chef Bernie Ecclestone nach eigener Aussage nicht überrascht war über die Entscheidung von Jaguar, bedauerten BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haugs den Schritt des Konkurrenten.

"Diese Entscheidung und die Diskussionen der vergangenen Monate belegen, dass die Kostenfrage die dringlichste in der Formel 1 ist", sagte Theissen. "Das gilt sowohl für die finanzielle Basis der Teams als auch für die vom Reglement induzierten Entwicklungen." Besonders betroffen seien die Motoren. "Es muss gelingen, bei der Einführung eines Reglements Kostensprünge zu vermeiden und die Aufwendungen für den Renn- und Testeinsatz deutlich zu reduzieren."

"Wir haben klar definierte Budgets, deren Einhaltung oberstes Gebot. Dies ist verbunden mit dem Anspruch, siegfähig zu sein", beschrieb Haug das Formel-1-Engagement von Mercedes. Daimlerchrysler bleibe ein ganz entschiedener Verfechter für Kostenreduktionen, sagte er weiter und verwies darauf, dass das Unternehmen seit geraumer Einsparungen und entsprechende Reglements mit konkurrierenden Herstellern angestoßen habe.

Sollten im kommenden Jahr weniger als zehn Teams in die neue Saison starten, hätte dies weit reichende Folgen. Laut dem so genannten Concorde Agreement, dem Grundgesetz der Formel 1, müssen mindestens 20 Autos bei den Rennen am Start sein. Somit könnte der Wegfall eines oder mehrerer Rennställe dazu führen, dass die Teams ein drittes Auto stellen müssen, um bestehende Verträge mit den Veranstaltern zu erfüllen. Dies würde aber wieder erhebliche Mehrkosten für die Rennställe bedeuten.

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