Jahrelange Streitereien befürchtet
Springer wehrt sich weiter gegen WAZ

Springer-Erbe Axel Sven Springer geht öffentlich auf Distanz zur WAZ-Gruppe. Ein Einstieg komme nicht in Frage.

hps/lip HAMBURG/DÜSSELDORF. Der Springer-Erbe Axel Sven Springer lehnt einen Einstieg der Essener WAZ-Gruppe bei der Axel Springer Verlag AG ab. "Dies kommt nicht in Frage", sagt der Enkel des Verlagsgründers dem Handelsblatt. Nach seiner Meinung passen der ("Welt", "Bild", "Hörzu") und die Essener Zeitungsgruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") nicht zusammen. Damit geht der Springer-Erbe öffentlich auf Distanz zur WAZ-Gruppe. Sven und seine Schwester Ariane sind an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik (ASPG) mit jeweils 5 % beteiligt. Die Gesellschaft besitzt mit 50 % plus 10 Aktien die knappe Mehrheit an Europas größtem Zeitungsimperium.

Die Aussage von Sven lässt die Chancen auf eine mehrheitliche Übernahme des Springer-Verlags durch die WAZ deutlich schrumpfen. Denn sollten die Erben mit der Witwe des Verlegers und erbitterten WAZ-Gegnerin Friede Springer an einem Strang ziehen, würde diese die Mehrheit und damit das Sagen beim Zeitungsriesen behalten. Ein potenzieller Käufer des Kirch-Anteils hat dann nicht die Möglichkeit, mit den Stimmen der Springer-Enkel sowie frei an der Börse verfügbaren Aktien die Mehrheit am Springer-Verlag zu erlangen.

In der letzten Zeit sahen Branchenkenner diese Front bei Springer gegen eine feindliche Übernahme bedroht. Denn die Springer-Erben streiten sich seit Wochen mit der Verlegerwitwe vor Gericht um die Auskunft über geschäftliche Angelegenheiten. Zudem hatte Friede Springer im vergangenen Jahr einseitig den Gesellschaftervertrag bei der ASPG gekündigt, um die Enkel hinauszudrängen.

Mittlerweile schlägt die WAZ im Springer-Übernahmekampf vorsichtige Töne an. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus", die WAZ habe "keinen ökonomischen Gefallen an einer feindlichen Übernahme". Hombach weiter: "Es macht keinen Sinn, fünf Jahre lang zu prozessieren." Der frühere Kanzleramtsminister unter Gerhard Schröder will mit einer Übernahme der Kirch-Anteile sein Meisterstück abliefern. Hombach gehört erst seit Februar der WAZ-Geschäftsführung an.

Auf einen langen Kampf vor den Gerichten mit Springer kann sich die WAZ auf alle Fälle einstellen, wenn sie einen Übernahmeversuch startet. Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hatten in den letzten Tagen immer wieder ihren energischen Widerstand gegen eine "feindliche Übernahme" deutlich gemacht.

Auch die Springer-Chefredakteure haben sich gegen einen WAZ-Einstieg ausgesprochen. In einer einmaligen Aktion unterzeichneten sie eine von "Welt"-Chefredakteur Wolfram Weimer angeregte Erklärung: "Die Ankündigung der Essener WAZ-Gruppe, mit zielstrebigen Schritten Einfluss im Axel Springer Verlag zu gewinnen, betrachten wir mit Sorge." Dieser Erklärung schlossen sich auch die Chefredakteure der Zeitschriften an.

Kritik an einer Beteiligung der WAZ kommt auch aus dem Gewerkschaftslager. Frank Wernecke, Vorstandsmitglied der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, betrachtet eine mögliche Beteiligung als "bedenklichen Schritt zu mehr Medienkonzentration". Es drohe ein Verlust an Vielfalt und journalistischer Qualität. Wernecke bezeichnete es als "blanken Unsinn", dass durch einen Eintritt der WAZ bei Springer ein "sozialdemokratischer Trend" gesetzt werde.

Unterdessen hat die Berliner Tageszeitung "Tagesspiegel" berichtet, der australisch-amerikanische Medienunternehmer Rupert Murdoch wolle die WAZ überbieten. Murdoch wolle 1,1 Mrd. Euro zahlen, während die WAZ nur 960 Mill. Euro geboten hatte. In Branchenkreisen wird den Gerüchten um einen Einstieg von Murdoch allerdings keine Chance gegeben.

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