"Jahresend-Opus mit Konsumterror, hoch gespannten Erwartungen und unzähligen Pflichtbesuchen"
Keep cool zur Weihnachtszeit

Feiertagshektik muss nicht sein. Stressforscher empfehlen eine gute Zeitplanung als Therapie.

Alexander Unger wirft sich erst am zweiten Weihnachtstag in den Feiertagsrummel mit Familie, Festschmaus und "Fröhliche Weihnacht"- Singen. Die Tage zuvor entspannt der 34-jährige Unternehmer mit der Lebensgefährtin bei Fleischfondue und mit Freunden in Kneipen.

Michael Klein will sich dagegen am Heiligen Abend mit Freundin auf dem Sofa erholen - und zwar ohne Baum, wie er betont. "Meine Freizeit ist kostbar geworden", sagt der 38-jährige Präsident der "Virtual Republic", einer Düsseldorfer Agentur für Animationsdesign. "Die verbringe ich nicht mit Weihnachtswahnsinn."

Wie diese beiden Beispiele zeigen, können die Feiertage mehr als Stress und Ärger sein, die man wie einen lästigen Geschäftstermin abhakt. Wenn es gelingt, das Jahresend-Opus von Konsumterror, hoch gespannten Erwartungen und unzähligen Pflichtbesuchen zu entspecken, kann zur Weihnachtszeit wirkliches Feiertagswohlgefühl hochkommen. Erkenntnisse der Stressforschung lotsen um die Weihnachtsklippen herum.

Eine der obersten Regeln, um vom Weihnachtsverächter zum-genießer zu werden: sich nicht unter Druck setzen lassen von eigenen oder fremden Weihnachtsidealen. Sind teure Geschenke notwendig? Muss es wirklich das aufwendige Menü sein? Und sind Besuche bei Verwandten unumgänglich?

Nein, haben Michael Klein und Alexander Unger für sich entschieden. "Wir haben in der Familie vereinbart, uns nichts zu schenken", sagt Klein, der mit seinem Unternehmen Computeranimation und visuelle Effekte für Werbe-, TV- und Industriekunden produziert. Nur die Nichten und Neffen werden beschenkt. Das ist bei Unger, Mitbegründer der Berliner "A&A Stromallianz", ebenso.

Der Stromhändler hat außerdem schon vor langer Zeit geklärt, wie er Weihnachten verbringen möchte: in Ruhe und mit Freunden. Unbewusst hat Unger damit eine der ersten Antistress-Regeln beherzigt. Denn die lautet: Herausfinden, was einem wirklich wichtig ist.

Sich über seine Lebensziele klar sein, sie nach Prioritäten ordnen und auf ihre Realisierbarkeit prüfen - das ist für den Stockholmer Wissenschaftler Lennart Levi, einen der renommiertesten europäischen Stressforscher, die oberste Regel der Stressbewältigung. "Viele rennen und rennen und wissen gar nicht, wohin", sagte er. Sie jagten gesellschaftlichen Zielen hinterher und seien bereit, dafür jeden Preis zu zahlen, selbst die eigene Gesundheit. Ähnlich ist es bei Weihnachten: Manch einer hetzt gesellschaftlichen Vorstellungen perfekter Weihnachten hinterher und hat doch insgeheim ganz andere Ideale.

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