Jahresüberschuss im Rumpfgeschäftsjahr von 931 Millionen Euro
Bertelsmann räumt weiter auf

Hohe Sondererträge prägen das Rumpfgeschäftsjahr 2001 des Bertelsmann-Konzerns. Eine willkommene Gelegenheit zum letzten Großreinemachen in der Bilanz des künftigen Börsenkandidaten.

pos DÜSSELDORF. Der Verkauf des Bertelsmann-Anteils an AOL-Europe erwies sich auch im Rumpfgeschäftsjahr vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2001 des Medienkonzerns Bertelsmann AG als willkommener Geldsegen. Insgesamt 1,4 Mrd. Euro brachte eine weitere Ratenzahlung von AOL Inc. ein. Der Verkauf der restlichen AOL Inc-Aktien sowie andere Verkäufe brachten weitere 0,8 Mrd. Euro in die Kassen. Genutzt wurde das Geld, um noch einmal hohe Einmalbelastungen und Abschreibungen zu verkraften. Unter anderem gelang es Bertelsmann so, die finanziellen Folgen des 11. Septembers abzufedern. Bertelsmann hat das so genannte Rumpfgeschäftsjahr eingelegt, um das Geschäftsjahr im Vorfeld eines geplanten Börsengangs auf das Kalenderjahr umzustellen. Zudem wurde die Rechnungslegung von HGB auf IAS (International Accounting Standards) umgestellt.

Rund 428 Mill. Euro einmalige Aufwendungen fielen für Wertberichtigungen bei der Internet-Musiktochter BeMusic, der Integration des Web-CD-Händlers CDnow, einer Restrukturierung bei der Buchgruppe in Nord Amerika und für eine neue IT-Ausstattung des Buchclubs an. In Nordamerika war das Versandgeschäfte mit Büchern und CDs in Folge der Milzbrand-Attacken eingebrochen.

Aber auch hohe Belastungen durch den angeschlagenen Webdienstleister Pixelpark AG wurden verdaut. Zu Buche schlug weiterhin eine drastische Bereinigung und Verkleinerung des Internet-Bereichs des Verlagshauses Gruner + Jahr sowie eine Restrukturierung des TV-Produzenten Freemantle TV in den USA, der weniger TV-Dramen und-Serien und mehr Unterhaltungs- und Gameshows herstellen soll.

Weitere 570 Mill. Euro verschwanden in Firmenwertabschreibungen, überwiegend auf Aktien der RTL Group und eine Abschreibung auf den TV-Sender Antenna 3 (0,3 Mrd. Euro).

Bertelsmann sieht sich jetzt gut gerüstet für das laufende Geschäftsjahr. Firmenchef Thomas Middelhoff erwartet für 2002 ein Ergebnis, das über dem Rekordergebnis des Geschäftsjahres 2000/2001 (zum 30.6.) liegen soll. Der Jahresüberschuss lag damals bei 986 Mill. Euro (nach IAS). Zu Hilfe kommt noch ein letztes Mal das AOL-Desinvestment. Ende Januar flossen die letzten 2,8 Mrd. $ aus dem Deal auf die Konten - in bar, wie es heißt. Allerdings wird dann auch erst der Ankauf der restlichen RTL-Anteile von der Pearson Group Ende 2001 (1,5 Mrd. Euro) bilanziell erfasst.

Insgesamt werden für das zweite Halbjahr 2001 rund 9,7 Mrd. Euro Umsatz ausgewiesen. Der Jahresüberschuss liegt bei 931 Mill. Euro (IAS). Wie stark das Ergebnis von Sondereinflüssen geprägt ist, zeigt das "Bereichsergebnis", das Bertelsmann als Ergebnis ohne Internet und positive wie negative Einflüsse bezeichnet. Es liegt bei 212 Mill. Euro.

Verglichen mit anderen Medienunternehmen steht der Gütersloher Konzern damit noch gut da. Konkurrenten wie Viacom, Disney AOL Time Warner oder Vivendi Universal mussten 2001 teilweise hohe Verluste ausweisen. Sie litten wie Bertelsmann unter der schlechten Werbekonjunktur, konnten dies aber kaum durch Sondererträge ausgleichen. Teilweise wurden auch Akquisitionen vorgenommen oder es mussten Kosten für frühere Käufe verdaut werden. Die Zahlen des Rumpfjahres sind nach Aussagen Bertelsmanns nicht mit früheren Zahlen vergleichbar. Nach HGB berechnet hätte der Jahresüberschuss jedoch "über eine Milliarde Euro betragen", sagte ein Konzernsprecher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%