Jan Ullrich und der ewige Kampf gegen das fatale Übergewicht
Abnehmen rund um Stellenbosch und Paarl

Südafrika, Mallorca, Dubai: Jan Ullrichs Vorbereitung auf die nächste Saison findet fern der Heimat statt. Mit vielen Trainingskilometern und steter Gewichtskontrolle.

Weihnachten hat für Jan Ullrich eine außergewöhnliche Bedeutung. Nicht allein wegen der Besinnlichkeit des Festes, sondern vor allem wegen des Essens. Im Gegensatz zum Normalbürger heißt es für den Radstar: Verzicht statt Völlerei. Ullrich muss zwischen dem Genuss des Gänsebratens und der Gefahr für sein Gewicht streng abwägen. Die Kilos sind nun einmal die Messlatte seiner Form.

Letztes Jahr hatte der Tour-Sieger von 1997 seinen Trainingsaufenthalt in Südafrika eigens über die Feiertage hinaus verlängert. Eine Art Selbstschutz des Genießers vor den kulinarischen Verführungen: "Über Weihnachten gibt es zu Hause in Merdingen immer besonders gutes Essen. Das war die Zeit, in der ich in den vergangenen Jahren zugelegt habe." Also war er am Kap geblieben.

Diesmal kehrt Jan Ullrich pünktlich am Heiligen Abend aus der Sonne Südafrikas zurück. Aber nicht, um am heimischen Herd zu schlemmen. Weihnachten wird zum großen Familientreff im neuen Haus in Merdingen. Jan Ullrich hat seine Mutter Marianne und seine beiden Brüder Stefan und Thomas eingeladen, zusammen mit seiner Freundin Gaby und deren Eltern unterm Christbaum zu feiern.

Peter Becker, Trainer und Vaterfigur, wird nicht als Aufpasser an der gedeckten Tafel sitzen. Der kauzige Berliner, für die kommende Saison eigens angeheuert, den "ewigen Zweiten" der letzten Jahre in beste Form für den Toursieg zu bringen, vertraut ebenso wie Sportdirektor Rudy Pevenage auf das Versprechen des Radprofis: "Ich habe den festen Vorsatz und die eiserne Disziplin, mich ganz bewusst zu ernähren, um über die Feiertage nicht zuzunehmen. Ich will mein für diese Zeit schon gutes Gewicht halten."

Überflüssige Pfunde sollen früh genug weg

Zwei Wochen lang verrichtete Jan Ullrich in Kapstadt und Umgebung zusammen mit neun Telekom-Kollegen unter der Aufsicht Beckers erste Trainingsarbeit für die neue Saison. Nach dem Drei-Tage-Rhythmus: 120, 160, 180 Kilometer. Dann Ruhetag mit Ausrollen über 60 Kilometer. Im Urlaubsort Gordon?s Bay, unweit der Kap-Metropole gelegen, hatte der Tross seine Zelte aufgeschlagen. Von hier aus ging es bei bestem Wetter häufig in die hügelige Weinregion rund um Stellenbosch, Paarl und Franschhoek. Dort, wo beste Rot- und Weißweine produziert werden, spulten Ullrich & Co. ihr Programm ab. Immer mit einem hehren Ziel fürs nächste Jahr im Auge: Lance Armstrong schlagen und zum zweiten Mal nach 1997 die Tour de France gewinnen. "Schon früh Jans Gewicht drücken", heißt daher Beckers oberste Order. Und nicht erst auf dem letzten Drücker wie in den Vorjahren, als der Star allzu rund um die Hüften war. Freilich fiel der Rand, Südafrikas kriselnde Währung, während des Trainingslagers weit stärker als Ullrichs Gewicht.

Bereits am 2. Januar endet für Jan Ullrich der kurze "Heimaturlaub". Dann fliegt der 28-jährige Kapitän des Team Telekom zur Fortsetzung der täglichen Trainingsfahrten traditionell nach Mallorca, wo jedoch erst am 6. Januar das offizielle Trainingslager der gesamten Mannschaft beginnt.

Je nach Wetterlage wird Jan Ullrich auch in den nächsten Tagen zu Hause trainieren. Entweder auf dem Rennrad, auf dem Mountainbike oder im eigenen Fitness-Keller. "Jan ist schon top drauf", bestätigte Manager Wolfgang Strohband nach seiner Rückkehr aus Südafrika und lobt Ullrichs gute körperliche Verfassung. "Das Gewicht ist wirklich so, wie es um diese Zeit sein muss." Über Gewichtszahlen aber spricht man nicht. "Es ist auf keinen Fall zu viel", beteuert Strohband.

Erste Rennen so früh wie noch nie

73 Kilo gibt Jan Ullrich auf seiner Homepage bei einer Größe von 1,83 Meter als sein normales Gewicht an. Doch nicht die gute Figur zur Weihnachtszeit ist allein maßgebend für die Form in gut sechs Monaten. Die Südafrika-Konturen auch über den Winter zu bringen, erfordert besonderes Maßhalten. "In den letzten Jahren war es doch auch so", erinnert sich Strohband, "dass er im Februar richtig zugenommen hat." Also zwischen den Trainingslagern und dem Rennbeginn. "Da will er diesmal aufpassen, dass nichts passiert. Das wird er auch stramm durchziehen", glaubt der Manager.

So früh wie noch nie steigt der Zeitfahrweltmeister zu den ersten Rennen aufs Rad: Bereits am 21.Januar bei einer fünftägigen Etappenfahrt in Katar am Persischen Golf. Jan Ullrich, so seine Beteuerung, hat sich fest vorgenommen, "diese Saison noch exakter, noch perfekter zu gestalten, um meine Reserven auszuschöpfen. Ich habe noch Steigerungsmöglichkeiten. Ich will die Tour noch einmal gewinnen und in dieser Saison schon früher in Form sein. Wenn ich im Frühjahr ein, zwei Kilo weniger habe, dafür zwei-, dreitausend Kilometer mehr auf dem Buckel, dann läuft das von hinten raus vielleicht besser." Vielleicht.

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