Jan Ullrichs Zukunft ist aber weiter offen
Deutsche Telekom bleibt dem Radsport treu

Der Ruhetag bei der Tour de France brachte die gute Nachricht: Die Deutsche Telekom engagiert sich trotz weiterer Unklarheiten über Jan Ullrich und der Umbesetzung der Führungsspitze des Konzerns weiter im Radsport.

HB GRIGNAN. Bis zum Saisonende 2005 sei der Fortbestand des Teams Telekom gesichert, sagte Manager Walter Godefroot gestern im Mannschafts-Hotel in Grignan. "Das Budget für 2003 ist geklärt, das für die beiden kommenden Jahre noch nicht", so Godefroot, der bekräftigte, dass die Entscheidung über die Vertrags-Fortsetzung unabhängig vom weiteren Verlauf des Falles Ullrich getroffen worden sei.

Für 2004 und 2005 ist laut Godefroot, der in den vergangenen Tagen in Grignan im Herzen der Provence mit Jürgen Kindervater, dem Kommunikationsdirektor der Telekom, und Ullrich-Manager Wolfgang Strohband verhandelt hatte, auch eine finanzielle Reduzierung denkbar. Der Bonner Konzern fördert das Team seit 1991 und zahlt nach Schätzungen neun Millionen Euro pro Jahr. Weiteres Geld kommt von kleineren Sponsoren.

Was die sportliche Zukunft angeht, plant Godefroot zweigleisig. Der Manager brachte gestern auch die Topfahrer Oscar Sevilla (Spanien), Santiago Botero (Kolumbien) und Cadel Evans (Australien) als mögliche Kandidaten für Neuverpflichtungen ins Gespräch. Mit dem Belgier Mario Aerts und dem Frankfurter Christian Werner sollen demnächst Verträge bis 2004 abgeschlossen werden. Die Telekom-Topangestellten Ullrich (Merdingen) und Erik Zabel (Unna) haben noch Verträge bis einschließlich 2003.

Der vom Team beurlaubte Ullrich befindet sich nach seinem öffentlichen Eingeständnis der Einnahme von Tabletten, die ihm eine positive Doping-Kontrolle einbrachten, in den USA "im Urlaub", wie Godefroot gestern weiter erklärte. Ob der Toursieger von 1997 unbezahlten Urlaub genießt, wollte Godefroot nicht sagen: "Das ist meine Sache, ob ich ihn zur Zeit bezahle oder nicht."

Ob der unter anderem an Knieproblemen leidende 28-jährige Olympiasieger sein angekündigtes Comeback verwirklichen kann, steht noch nicht fest. Wegen der Doping-Affäre steht Ullrich ein Urteil des Sportgerichts bevor. Ihm droht eine Sperre von maximal einem Jahr. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen möglichen Drogenbesitzes.

"Ich telefoniere regelmäßig mit ihm. Er hat dabei seine Comeback-Absichten mehrmals wiederholt. Aber Jan hat in der Vergangenheit schon viele Sachen versprochen, die er nicht gehalten hat. Da muss schon mehr kommen. Aber lassen wir ihm doch noch fünf, sechs Wochen Zeit", mahnte Teamchef Rudy Pevenage Geduld mit dem gebürtigen Rostocker an. Godefroot wisse nicht, "ob Jan noch Radfahrer ist, oder nicht. Er muss über seine Zukunft selbst entscheiden. Erst muss Jan als Mensch wieder klar kommen, dann können wir uns Gedanken um seine sportliche Zukunft machen." Der Manager wolle sich noch während der Tour mit seinen sportlichen Leitern Pevenage und Mario Kummer zusammensetzen, um die Planung für 2003 zu überdenken. Vorerst tappt das Entscheidungs-Terzett weiter etwas im Dunkeln, denn Ullrichs Entwicklung ist nicht abzusehen. Das macht den Einkauf auf dem Fahrermarkt für die Telekom-Verantwortlichen besonders schwer.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%