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Japan droht mit Austritt aus WalfangkommissionDPA-Datum: 2004-07-20 17:42:08

Sorrent (dpa) - Die weltgrößte Walfangnation Japan hat auf der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) mit einem Austritt gedroht, falls das Moratorium für den kommerziellen Walfang nicht aufgehoben wird.

Sorrent (dpa) - Die weltgrößte Walfangnation Japan hat auf der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) mit einem Austritt gedroht, falls das Moratorium für den kommerziellen Walfang nicht aufgehoben wird.

Die japanische Delegation forderte im süditalienischen Sorrent erneut, die Jagd auf die Meeressäuger offiziell wieder zu erlauben. Falls das so genannte «Walebewirtschaftungssystem» nicht auf der kommenden IWC-Tagung im Jahr 2005 angenommen wird, wolle Japan nach eigenen Angaben «folgenschwere Schritte» ergreifen, hieß es aus Kreisen der deutschen Delegation am Dienstag in Sorrent. Unterdessen nahm die Kommission eine Resolution zum Schutz der letzten hundert nordwestpazifischen Grauwale an.

Mit dem Walebewirtschaftungssystem (RMS) könnte die IWC in Zukunft Walfangquoten festsetzen, damit aber auch Tür und Tor für den kommerziellen Walfang öffnen. Das RMS soll die Jagd auf Wale erlauben, deren Bestände sich nach Ansicht einiger Walfangnationen wieder erholt haben. Zudem wird diskutiert unter welchen Bedingungen der kommerzielle Walfang erlaubt werden könnte. Dazu zählt für die Deutsche Delegation ein Gen-Register, so dass die Herkunft von Walfleisch auf jedem beliebigen Markt bis zum gefangenen Wal verfolgt werden kann. Das RMS soll in Sorrent weiter ausgearbeitet werden. Bei der nächsten IWC-Tagung 2005 in Korea wollen die Länder dann über die neue Fassung abgestimmen.

Eine knappe Mehrheit der mehr als 50 IWC-Mitgliedstaaten ist bisher für eine Beibehaltung des Walfang-Moratoriums, die andere Hälfte dagegen. Es kann nur mit einer Dreiviertelmehrheit abgeschafft werden. Experten halten einen Austritt Japans jedoch für unwahrscheinlich: «Die IWC regelt auch die weltweiten Schutzgebiete für Wale. Wenn Japan austritt, kann das Land zukünftig nur noch in seinen eigenen Gewässern Wale jagen», sagte ein Vertreter von Greenpeace.

Japan umgeht seit Jahren das Moratorium, indem es Walfang zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken betreibt und hat schon zuvor mit einem Austritt aus der IWC gedroht. Das Land ist der weltweit größte Konsument von Walfleisch.

Mit der von Deutschland, Großbritannien, Belgien und Südafrika eingebrachten Grauwal-Resolution werden von den Anrainerstaaten dringend Maßnahmen zum Schutz der nordwestpazifischen Population der grauen Riesen gefordert. Die Wale sind nach Ansicht von Umweltschützern vor allem durch die Ausbeutung von Gas- und Ölvorkommen vor der russischen Halbinsel Sachalin bedroht.

Trotz dieses Achtungserfolgs für den Walschutz sahen deutsche Umweltschützer die Tagung in der Sackgasse. «Der Graben zwischen Walfanggegnern und Walfangbefürwortern scheint mittlerweile unüberbrückbar. Es wird auch in diesem Jahr nur um das Thema Walfang gehen, während gerade die Gefährdung der Wale durch Gewässerverschmutzung oder Beifang in der Fischerei wichtige Themen gewesen wären», sagte Greenpeace-Walexperte Thilo Maack. Allein durch Beifang sterben Schätzungen zufolge alljährlich mindestens 300 000 kleine und große Wale.

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