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Japan: Geldpolitik allein bekämpft nicht Deflation

Nach Ansicht des Chefs der japanischen Notenbank (BOJ), Masaru Hayami, kann die Geldpolitik die aktuelle Deflation nur in Verbindung mit strukturellen Wirtschaftsreformen und bei Zunahme der Nachfrage bekämpfen.

Reuters TOKIO. "Die BOJ wird zwar auch weiterhin bemüht sein, den Verfall der Preise zu verhindern," sagte Hayami am Mittwoch in Tokio, notwendig seien aber auch strukturelle Reformen und Anstrengungen, den Konsum zu stimulieren. Unterdessen führten getrübte Aussichten auf einen raschen Abbau so genannter fauler Kredite japanischer Großbanken den Aktienindex Nikkei am Mittwoch auf den tiefsten Schlusskurs seit 17 Jahren.

Die Wirtschaft könne sich weder auf geldpolitische Schritte noch auf Finanzspritzen der Regierung verlassen, betonte Hayami. Er hoffe, eine Kombination aus Reform- und Geldpolitik werde die Wirtschaftsleistung seines Landes ankurbeln. Analysten warnen indes vor düsteren Zeiten am Aktienmarkt, nachdem Finanzaufsichtschef Hakuo Yanagisawa einen Abbau der faulen Kredite nicht vor dem Fiskaljahr 2005 prognostiziert hatte. Das Volumen der Problemkredite werde voraussichtlich bis 2003 auf dem jetzigen Niveau verharren, hatte Yanagisawa am Dienstag mitgeteilt. "Wir stehen am Anfang einer äußerst schwierigen Periode, in der wir mit weiteren Gewinnwarnungen rechnen müssen", sagte Yoshihisa Okamoto, Manager bei Fujji Investment Management. Yanagisawas Prognose beinhaltet nach Expertenansicht, dass die Banken in den kommenden Jahren mit weiteren faulen Krediten belastet werden. Zwar habe Yanagisawa ein realistisches Szenario mit einer weichen Landung für die Banken gezeichnet, sagte ein Händler, für die Marktteilnehmer komme der Prozess jedoch zu langsam voran.

Nach Angaben der Finanzaufsicht werden die Großbanken ihre faulen Kredite zwischen den Fiskaljahren 2004 und 2007 auf sieben bis zehn Billionen Yen (124,8 - 178,3 Mrd. DM) abbauen von 17,4 Billionen Yen im Fiskaljahr 2000. Das Verhältnis der Problemkredite zum Kreditgesamtvolumen werde im selben Zeitraum auf zwei bis drei Prozent von zuvor 5,72 % zurückgehen. Zuletzt hatte Ministerpräsident Junichiro Koizumi einen Abbau der faulen Kredite in den nächsten zwei bis drei Jahren in Aussicht gestellt. Insbesondere Finanzwerte litten unter der Prognose der Behörde. Aktien der am Vermögen gemessen weltweit größten Bank Mizuho verbilligten sich am Mittwoch um 6,9 %. Der Nikkei schloss die Sitzung mit 10 979,76 Zählern erstmals seit Oktober 1984 unter der Marke von 11 000 Zählern.

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