Japan und Deutschland droht Kapitalabfluss bei Umstellung auf den Streubesitz
MSCI steht vor Entscheidung zur Indexreform

Für den führenden Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) wird es ernst. Am 10. Dezember will MSCI seine Entscheidung zum Thema Index-Reform veröffentlichen. Stellt der Anbieter seine Börsenbarometer auf den Streubesitz um, drohen Verwerfungen an den Kapitalmärkten.

mm FRANKFURT/M. Am 10. Dezember punkt 12.15 Uhr mitteleuropäischer Zeit ist es soweit. Dann will der weltweit führende Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) entscheiden, ob er mit der Konkurrenz gleichzieht und die Berechnung seiner Börsenbarometer auf den Streubesitz umstellt. Die große Mehrheit der Analysten geht davon aus, dass MSCI ähnlich wie die Wettbewerber FTSE und Stoxx in Zukunft in seinen Indizes nur noch die frei handelbaren Aktien (Free Float) und nicht mehr die gesamte Marktkapitalisierung eines Unternehmens berücksichtigen wird. Sollten die Experten recht behalten, drohen Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten. Milliardensummen würden in Bewegung geraten. Fondsmanager und andere Großinvestoren, die ihre Portfolios an den MSCI-Indizes ausrichten, müssten weltweit Aktien mit geringem Streubesitz abstoßen und im Gegenzug Unternehmen mit hohem Free Float zukaufen.

Zu den großen Verlierern der Reform könnte neben Japan und Frankreich auch Deutschland gehören. Die Analysten von Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) erwarten, dass die Investoren nach einer Umstellung rund 5 Mrd. $ Kapital aus dem deutschen Markt abziehen müssten. Japan droht ein Abfluss von knapp 8 Mrd. $, in Frankreich stünden rund 3 Mrd. $ zur Disposition. Dagegen könnten Großbritannien und die USA, beides Länder mit traditionell hohem Free Float, mit Zuflüssen von jeweils rund 10 Mrd. $ rechnen. Insgesamt rechnet SSSB für den MSCI World Developed Index mit Umschichtungen zwischen 150 und 200 Mrd. $. Das sei allerdings nur eine grobe Schätzung, da niemand exakt sagen könne, wie viele Investoren sich an den MSCI-Indizes orientierten, betont Analyst Toby Bayliss. SSSB geht davon aus, dass rund 530 Mrd. $ Anlegergelder an die Börsenbarometer gekoppelt sind. Die Analysten der Investmentbank ING Barings kommen dagegen auf die rund vierfach so hohe Zahl von 2 Bill. $.

"Die SSSB-Schätzung bezieht sich ausschließlich auf passive Fonds, die die Indizes exakt nachbilden", erläutert Bayliss. Wenn es um das Ausmaß möglicher Umschichtungen gehe, mache es Sinn, sich auf die passiven Investoren zu konzentrieren, da aktiv gemanagte Fonds, die die Börsenbarometer lediglich als Messlatte für den Anlageerfolg verwenden, ihre Portfolios nicht sofort und nicht in dem Maße anpassen müssten, sagt der Analyst. Nach den Berechnungen von SSSB könnte die Reform einige deutsche Unternehmen ihren Platz in den MSCI-Indizes kosten. Zu den Abstiegskandidaten zählen die Baukonzerne Bilfinger + Berger und Hochtief, Buderus, Heidelberger Zement und WCM.

Vor der Entscheidung hat MSCI seine Kunden rund um die Welt zur Index-Reform befragt. Der Vorschlag sieht wie folgt aus: Für die Streubesitzgewichtung will der Indexanbieter zehn Bandbreiten einführen. So würde bei einem Unternehmen mit einem Free Float zwischen 15 und 20 %, die Gewichtung im Index beispielsweise 20 % der gesamten Marktkapitalisierung betragen. Der MSCI Konkurrent FTSE hat vor seiner Entscheidung pro Free Float ebenfalls die Kunden befragt. Damals sprachen sich 90 % der Fondsmanager und Vermögensverwalter für eine Umstellung aus.

Die SSSB-Experten gehen wie die meisten Analysten davon aus, dass MSCI seine Marktbarometer im Falle einer Entscheidung für den Strebesitz nicht sofort umstellen wird. Die Investmentbank erwartet, dass der Anbieter den Anlegern eine Übergangsfrist von mehreren Monaten einräumt, um die Verwerfungen an den Aktienmärkten so gering wie möglich zu halten.

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