Japaner geben Chipfertigung ganz auf
Kooperation von Toshiba und Infineon ist geplatzt

Der deutsche Halbleiter-Hersteller Infineon hat seine Pläne für eine Speicherchip-Allianz mit dem japanischen Konkurrenten Toshiba begraben müssen. Wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab, beendeten beide Konzerne ihre Verhandlungen über die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens ohne Erfolg.

afp FRANKFURT/TOKIO. Toshiba kündigte an, sich ganz aus der Chip-Fertigung zurückzuziehen, Infineon bleibt offen für andere Partner. Die Partnerschaft war Ende August angekündigt worden. Damit wollten beide Unternehmen Boden auf dem hart umkämpften Markt gut machen, der durch ein Überangebot und sinkende Speicherpreise gekennzeichnet ist.

Die Infineon-Aktien gaben nach der Nachricht von der geplatzten Allianz zunächst nach. Anschließend legten sie aber klar zu. Am Nachmittag standen sie bei 25,30 Euro (49,48 Mark) noch 3,6 Prozent im Plus. Analysten erklärten dies damit, dass Infineon zwar mit einer Zusammenarbeit bei den so genannten DRAM-Bausteinen (die Abkürzung steht für Dynamic Random Access Memory) viel Geld gespart hätte. Durch den Rückzug von Toshiba komme aber eine weitere Konsolidierung in Gang, damit werde der Kampf um Marktanteile erleichtert.

Durch die harte Konkurrenz auf dem Chip-Markt sind vor allem Arbeitsspeicher-Erweiterungen für PCs seit Monaten so billig wie noch nie. Im deutschen Einzelhandel sind für gut 50 Euro (99 Mark) bereits 128 Megabyte Arbeitsspeicher in S-DRAM-Technik zu haben. In der Folge mussten die Hersteller ihre Erwartungen an Umsatz und Gewinn drastisch nach unten reduzieren. Lediglich mit schnelleren Bausteinen etwa in der DDR-RAM-Technnologie ist nach Angaben der Branche derzeit Geld zu verdienen.

Infineon bleibt offen für Kooperationen

Keine der diskutierten Optionen für eine Zusammenarbeit mit Toshiba wäre "für beide Seiten zugleich zukunftsfähig", betonte der Münchner Infineon-Konzern. "Deshalb wurden die Verhandlungen beendet." Infineon bleibe aber für Kooperationen mit anderen Speicherchip-Herstellern offen. Firmenchef Ulrich Schumacher erklärte, sein Unternehmen habe sich "in dem sich konsolidierenden Speichermarkt (...) sehr gut aufgestellt". Er verwies unter anderem auf die neue, Kosten sparende Fertigungstechnologie für so genannte 300-Millimeter-Wafer in Dresden.

Der eigentlich als Partner vorgesehene Toshiba-Konzern kündigte an, seine Tochterfirma Dominion mit Sitz in Manassaus im US-Bundesstaat Virginia an den US-Konkurrenten Micron Technology zu verkaufen. Der Deal soll bereits im Januar abgeschlossen werden. In der Folge werde sich Toshiba ganz aus der Fabrikation von DRAM-Bausteinen zurückziehen. Nach und nach werde auch die verbleibende DRAM-Produktion von Toshiba im westjapanischen Yokkaichi aufgegeben.

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