Japaner kämpfen mit Ticketchaos
Schneider: Vor der Playstation ist mehr Stimmung

Ticketchaos, Bilder von leeren Rängen, Kühlschrank-Atmosphäre in den Stadien - zu Beginn der Fußball-WM fliegen den Organisatoren in Japan und Südkorea die Negativ-Meldungen nur so um die Ohren.

dpa SEOUL/YOKOHAMA. "Vor der Playstation ist mehr Stimmung", moserte Nationalspieler Bernd Schneider nach dem 8:0-Schützenfest gegen Saudi-Arabien im "Sapporo Dome". Auch DFB-Teamchef Rudi Völler stellte fest: "Es war schon etwas komisch. Wenn es aber so weiterläuft, leben wir gerne damit."

Südkorea hat für die 15 ausländischen Teams, die in den zehn Stadien des Landes auftreten werden, insgesamt 70 000 Landsleute als Stimmungsmacher rekrutiert. Bisher mit mäßigem Erfolg. Zumal der Zuschauerzuspruch beim Co-Ausrichter Wünsche offen lässt. Bei der Partie Paraguay gegen Südafrika füllten die 25 186 Besucher nicht einmal die Hälfte der Tribüne des "Asian Stadium" in Busan. Auch in der Arena in Ulsan blieben rund 8 000 Plätze frei.

Auch in Japan, wo alle 16 WM-Partien nach Angaben des lokalen Organisationskomitees JAWOC ausverkauft sein sollten, waren deutliche Lücken sichtbar. So wurden offenbar zur Begegnung Argentinien gegen Nigeria 10 000 Karten nicht genutzt. Dagegen war das Stadion in Saitama beim Spiel England gegen Schweden mit 62 725 Zuschauern proppevoll. Rund 12 000 Fans von der grünen Insel hatten am Samstag in Niigata erst für Jahrmarkt-Atmosphäre und danach im Spiel gegen Kamerun für die bislang beste WM-Stimmung in einer Arena gesorgt.

Unglaubliches TWirrwarr

Die Japaner haben dagegen weiter mit einem unglaublichen Ticket- Wirrwarr zu kämpfen. In Folge der Verzögerungen bei der Ausgabe von Eintrittskarten blieben in Niigata bei der Partie Irland - Kamerun 8 000 Sitze frei. Einige Fans hatten ihre Karten erst kurz vor dem Anpfiff erhalten. JAWOC wies dem Weltverband FIFA die Schuld an diesem Desaster zu. "Wir hatten darum gebeten, die im Ausland nicht abgesetzten Tickets nach Japan zu schicken, um sie verkaufen zu können. Wir bedauern, dass dies nicht geschehen ist", sagte ein JAWOC-Sprecher am Sonntag.

"So ein Fiasko habe ich weder bei einer WM noch bei Olympischen Spielen erlebt", schimpfte ein 47-jähriger Deutscher an einem Hotel- Kartenschalter in Sapporo. In Niigata hatten sich am Samstagmorgen rund ein Dutzend Fans vor einem Ticketcenter am Bahnhof eingefunden, nur um festzustellen, dass ihre von der FIFA-Kartenagentur Byrom ausgestellten Billetts nicht angekommen waren. Um die Schwierigkeiten etwas zu kanalisieren, bot das JAWOC am Sonntag über das Internet bis kurz vor Spielbeginn noch 2 600 Tickets für die Begegnungen England - Schweden und 1 900 für die Partie Argentinien - Nigeria an.

Richtig zufrieden war abseits des Karten-Krachs FIFA-Präsident Joseph Blatter. "Die Weltmeisterschaft hat sehr gut begonnen", sagte der 66-jährige Schweizer am Sonntag, "der Tag nach dem Eröffnungsspiel war der erste, an dem ich nach dem hässlichen Marathon richtig entspannen konnte." Blatter war vor seiner Wiederwahl Mitte vergangener Woche auf dem Kongress des Fußball- Weltverbandes (FIFA) starken Anschuldigungen ausgesetzt. "Ich hatte zeitweise das Gefühl, in einem schlechten Film zu sein", sagte er.

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