Japaner kommen auch
US-Autozulieferer drängen nach Europa

Nicht nur die deutschen Automobilzulieferer setzen auf Globalisierung. Im Gegenzug drängen die größten amerikanischen und japanischen Konkurrenten auf den europäischen Markt. Dies gilt für die US-Topspieler Delphi, Visteon, Johnson Controls, Lear oder TRW, aber auch für den japanischen Anbieter Denso.

STUTTGART. "Europa ist in der Automobilbranche technisch führend", sagt J.T. Battenberg III, Chef von Delphi Automotive Systems, weltweit die Nummer eins unter den Zulieferern, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Wer als globaler Lieferant bestehen wolle, müsse in Europa erfolgreich sein, ist der Delphi-Chef überzeugt. Das bestätigen auch unabhängige Berater. "Wer mit Daimler-Chrysler, Audi oder BMW arbeitet, hat ein Abonnement auf die vorderen Plätze weltweit", sagt Ralf Landmann, Automobilexperte des Beratungsunternehmens Arthur D. Little.

Delphi ist bereits ein starker Wettbewerber der Europäer. Das Unternehmen entstand aus der Abspaltung der Zulieferersparte von General Motors (GM) und wurde 1999 an die Börse gebracht. In Europa hat Delphi frühzeitig Firmen zugekauft, die nicht nur an die Töchter von GM liefern. Der europäische Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 4,2 Mrd. $. Battenberg betont, dass Delphi heute 70 % seines europäischen Geschäfts mit Kunden außerhalb des GM-Konzerns bestreite. In Nordamerika sei dies erst ein Drittel.

Battenberg will mit Produktinnovationen wachsen

Battenberg will mit Produktinnovationen wachsen und nicht mit Zukäufen. Eine Ausnahme war im vergangenen Jahr der Kauf des Dieselgeschäfts vom britisch-amerikanischen Hersteller Lucas Varity. Der Delphi-Chef will sich nicht die Chance entgehen lassen, in Europa am Pkw-Dieselboom mit zu verdienen. Seit Anfang des Jahres macht Delphi dem Stuttgarter Bosch-Konzern, bisher unangefochtener Marktführer bei der Dieseleinspritz-Technologie, Konkurrenz. In diesem Jahr will Delphi 500 000 Einspritz-Systeme verkaufen, 2003 schon zwei Millionen - die Hälfte von dem, was Bosch verkauft. Battenberg sieht einen weiteren Grund, auf die innovative Dieseltechnologie zu setzen. Er hat die Vision, dass Diesel-Pkw in den USA ein Erfolg werden können.

Bei der US-Nummer zwei, Visteon, ist Europa ein wichtiges Thema. Das Unternehmen hat auch eine Tradition als herstellereigener Lieferant, der Zulieferer gehörte bis zum Börsengang 2000 zu Ford. "Europa ist wichtig, um Kunden außerhalb der Ford-Gruppe aufzubauen und unabhängiger zu werden", erläutert Visteon-Vize Michael Johnston. Im vergangenen Jahr machte Visteon erst 16 % seines Geschäfts mit Kunden außerhalb der Ford-Organisation und erzielte in Europa einen Umsatz von 2,6 Mrd. $.

Johnston sieht gute Chancen, künftig in großem Umfang komplexe Entwicklungsaufgaben für die Automobilhersteller zu übernehmen (etwa im Bereich Kraftstoffverbrauch). Visteon habe eine große Expertise für das Gesamtfahrzeug aus der Tradition als Ford-Tochter. Johnston schreckt nicht, dass in Europa Elektronikexperten wie Bosch und Siemens-VDO diese Aufgabenfelder als ihre Domäne ansehen.

Doch nicht nur die beiden größten amerikanischen Zulieferer wollen mit den europäischen Herstellern ins Geschäft kommen. Der US-Konzern Johnson Controls, weltweit führend bei Pkw-Innenausstattungen, hat sich in Europa durch Zukäufe eine Spitzenposition gesichert. Dana ist beim deutschen Getriebehersteller Getrag eingestiegen, TRW hat das Bremsengeschäft von Lucas Varity übernommen.

Denso, weltweit die Nummer vier, will mit den Europäern genauso enge Bande knüpfen. Derzeit macht Denso 80 % seines Umsatzes mit japanischen Abnehmern. Durch den Zukauf des Klimaanlagen- und Startergeschäfts der Fiat-Tochter Magneti Marelli erwartet Denso-Präsident Hiromu Okabe einen Umsatzsprung. Voraussichtlich wird der Europa-Umsatz bei 2 Mrd. $ liegen.

Vorbei sind die Zeiten, als Denso und Bosch ein "Gentleman Agreement" hatten, sich auf den Heimatmärkten keine Konkurrenz zu machen. Denso ist Anfang der 50er-Jahre mit Hilfe von Bosch-Lizenzen aufgebaut worden. Bosch hält 5 % an dem japanischen Konkurrenten und ist nach Toyota (24 %) größter industrieller Eigentümer. "Bosch und Denso werden stärker konkurrieren", erwartet Okabe.

Bosch hat sich auf Konkurrenz eingestellt. Durch den Erwerb der Mehrheit am Zulieferer Zexel sind die Stuttgarter unter die drei größten japanischen Lieferanten aufgerückt. Bosch-Geschäftsführer Wolfgang Chur sieht dem Wettbewerb unaufgeregt entgegen: "Konkurrenz hält fit."

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