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Japanische Firmen sind mehrheitlich pessimistisch

Die Stimmung in der japanischen Industrie hat sich wegen stark gesunkener Ausfuhren in andere asiatische Länder und die USA drastisch verschlechtert.

rtr TOKIO. Das Stimmungsbarometer für das Geschäftsklima fiel zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren überraschend stark auf einen Wert von minus fünf nach plus zehn im Vorquartal, teilte die japanische Notenbank (BoJ) in ihrem Konjunkturbericht (Tankan) mit. Volkswirte hatten im Schnitt eine Null prognostiziert. Analysten zufolge spiegeln die Daten den deutlichen Abschwung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wider. Trotz der schlechten Stimmung in Japans Industrie sieht die japanische Regierung jedoch keinen Bedarf für ein weiteres staatliches Ausgabenprogramm. Der Yen fiel nach dem Bericht zum Dollar mit 126,60 Yen auf den tiefsten Stand seit 30 Monaten. Auch die Aktienkurse gaben nach.

Mit dem Diffusions-Index misst die BoJ die Beurteilung der gegenwärtigen Lage und die Erwartungen der Industrieunternehmen für die nächsten drei Monate. Dabei wird der Anteil der Pessimisten unter den befragten Unternehmen mit dem der Optimisten saldiert. Ist der Wert negativ, überwiegen die Zweifler.

Grund für die Sorge der Unternehmen sind die stark gesunkenen Ausfuhren in die USA und nach Asien, denn in den beiden wichtigsten Exportmärkten Japans hat sich die Konjunktur ebenfalls stark abgekühlt. Im Januar hatte Japan erstmals seit vier Jahren ein Defizit in der Handelsbilanz. Vor allem im Technologiesektor seien in den vergangenen Monaten die Exporte stark gesunken, die Lagerbestände der Unternehmen hätten sich rapide aufgebaut, sagte Fiachra Maccana von WestLB Panmure in Tokio. "Das ist ziemlich bedenklich und hat offenbar auf die Stimmung geschlagen", sagte Maccana.

Dem Tankan-Bericht zufolge planen die Unternehmen außerdem um 4,7 Prozent geringere Investitionen in ihre Produktionsanlagen im neuen Geschäftsjahr, das am 1. April begann. Dies sei Besorgnis erregend, sagte ein Analyst von Tokyo-Mitsubishi Securities. "Die Aussichten sind sehr schlecht." Nach Einschätzung von James Malcom, Volkswirt von J.P. Morgan ist die Stimmung aber schlechter als die Lage, denn bei der Beschäftigung und den Produktionskapazitäten sei noch keine dramatische Verschlechterung zu beobachten. Den weiter positiven Umsatz- und Gewinnerwartungen der Unternehmen für das neue Fiskaljahr nach zu urteilen gebe es noch keine Anzeichen für einen Zusammenbruch der Industrie.

Nachdem die Notenbank kürzlich erst die Geldschleusen für die Wirtschaft geöffnet hat, ist nach Einschätzung von Analysten jetzt die Regierung mit konsequenten Reformen gefordert. Die Drei-Parteien-Koalition will am Mittwoch die Details ihres geplanten Notpakets für die Wirtschaft bekannt geben. Dabei sind Steuererleichterungen vorgesehen sowie ein Fonds zum Aufkauf von abgestoßenen Unternehmensbeteiligungen, um den Aktienmarkt zu stützen. Den Banken soll außerdem die Aufkündigung notleidender Kredite erleichtert werden. Finanzminister Kiichi Miyazawa sagte zu dem Konjunkturbericht, dieser habe den Erwartungen entsprochen und es gebe keinen Bedarf für weitere staatliche Ausgabepakete zur Belebung der Wirtschaft.

Auf diese Pläne warten die Finanzmarktinvestoren jetzt gespannt, wie Aktienhändler sagten. Die Börse reagierte am Montag unterdessen mit Kursverlusten auf den schlechten Tankan-Bericht und schloss mit 12.937,86 Zählern 0,48 Prozent schwächer. Vor allem Technologiewerte waren unter den Kursverlierern. Die japanische Währung fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit 30 Monaten von 126,60 Yen und erholte sich bis zuletzt nur leicht von diesem Tief.

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