Japanische Investmentbank Nomura als Käufer im Gespräch
Bankgesellschaft: Berliner Senat meldet vierten Interessenten

Statt bisher drei Interessenten gibt es jetzt vier mögliche Käufer für die angeschlagene Bankgesellschaft Berlin AG. Dies geht aus einer Mitteilung des Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin vom Mittwoch hervor. Den Namen des neuen Bieters nannte Sarrazin nicht. Aus Kreisen der Landesregierung verlautete, beim vierten Käufer handele es sich um Japans führende Investmentbank Nomura.

fs/stw/va BERLIN/LONDON. Seit einiger Zeit kursieren bereits in Londoner Bankenkreisen Gerüchte über einen möglichen Einstieg der Japaner in Berlin. Aus der Umgebung der Landesregierung war zu erfahren, Nomura habe sich an der Neuausschreibung beteiligt, die das Land am 20. April veröffentlicht hat. Dabei sollten sich Interessenten bis zum 30. April bei dem Finanzberater des Landes, der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney melden.

Öffentlich dementieren die Japaner bisher ihr Interesse. Eine Sprecherin von Nomura sagte dem Handelsblatt, die Bank "ist definitiv nicht an der Bankgesellschaft interessiert". Das Dementi erklärt man in Regierungskreisen mit der "Informationspolitik des japanischen Unternehmens".

Offiziell will das Land Berlin den Namen des vierten Bieters darum nicht nennen. Die drei anderen Interessenten haben sich bereits öffentlich bekannt: Es sind die US-Investmentgesellschaft Texas Pacific Group sowie die Unternehmen um den Amerikaner Christopher Flowers, die sich in der vergangenen Woche zu einem Bieterkonsortium zusammengeschlossen haben. Am längsten bekannt sind die Norddeutsche Landesbank (NordLB) und die Sparkassen als Interessenten. Die NordLB ist mit 11 % der Anteile ein Minderheitsgesellschafter der Bank, die zu 81 % dem Land Berlin gehört.

In der Mitteilung des Finanzsenators heißt es weiter, die Interessenten sollten dem Land bis zum 24. Mai Informationen zur Verfügung stellen. Aus den Regierungskreisen verlautete, Sarrazin habe für die Teilnehmer an der jüngsten Ausschreibung einen Fragenkatalog erstellt. Darin sollten die Interessenten ihre finanzielle Situation sowie die Ernsthaftigkeit ihres Interesses darlegen. Auf Grundlage der Informationen will das Land Berlin nach offiziellem Bekunden entscheiden, ob die Bieter Zugang zu den Datenräumen der Bank bekommen. Diese so genannte Datenraumphase solle ab Anfang Juni beginnen. Dann könnten die Interessenten bis Ende Juli ein detailliertes Angebot vorlegen.

Die japanische Investmentbank Nomura ist ähnlich wie Flowers und die Texas Pacific Group für längerfristige Investments bekannt. In Deutschland erwarb Nomura bereits für einen Milliardenbetrag die Mehrheit an den Eisenbahnerwohnungen, zu deren Käufern auch die Nord LB gehört. In England verkauften die Japaner jüngst zwei Pub-Ketten für insgesamt 3,2 Mrd. Euro.

Die NordLB erwägt als Alternative zum Kauf der Bankgesellschaft auch eine Fusion mit dem Kreditinstitut. Entsprechende Berichte bestätigte Klaus Rathert, der Präsident des Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverband (NSGV), dem Handelsblatt. Von einer Entscheidung sei man aber noch weit entfernt. Am Ablauf werde nicht gerüttelt, sagte er. Erst komme die Prüfung aller Zahlen in der Due Diligence, dann werde ein genauer Business Plan erstellt. "Solange das nicht sehr sorgfältig geprüft ist, wird nicht entschieden", sagte Rathert. Er wies Gerüchte zurück, die niedersächsischen Sparkassen verlangten bei einer Fusion die Trennung der Landesbank von der Berliner Sparkasse. Im Gegenteil: Als einer der NordLB-Gewährträger habe der NSGV ein Interesse daran, den Retailbereich an die Landesbank zu binden, denn "er wäre der interessanteste".

Als potenzielle Käufer sollten NordLB und Sparkassen nach früheren Angaben bereits Anfang Mai zusätzliche Daten über die Bankgesellschaft erhalten. Sie liegen bisher aber nicht vor. In Kreisen der NordLB hieß es jüngst, die Kreditinstitute lehnten nicht nur eine Übernahme der Immobilienrisiken ab, sondern wollten im Vertrag auch eine Obergrenze für das Gesamtrisiko festschreiben. Jeden Euro darüber hinaus habe der Verkäufer, also das Land zu tragen. Die NordLB lehnte einen Kommentar ab.

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