Japanische Messe Robodex 2003 zeigt 90 verschiedene Robotertypen: Hausroboter begleiten den Menschen

Japanische Messe Robodex 2003 zeigt 90 verschiedene Robotertypen
Hausroboter begleiten den Menschen

Der Traum vom humanoiden Roboter R2D2 und Astroboy wird wahr - fast jedenfalls. Die Entwicklung nicht-industrieller Roboter ist in den vergangenen Jahren rasch vorangeschritten. Jetzt kommen die ersten Hightech-Helfer auf den Markt und sollen sich zum liebsten Begleiter des Menschen entwickeln.

YOKOHAMA. Im blauen Blitzlichtgewitter tanzen die humanoiden Roboter SDR-4X II zur futuristischen Computermusik. Ein bisschen hölzern sieht das Ganze noch aus, aber sie sind im Takt, und das Verdrehen der Unterarme um 360 Grad macht den 58 Zentimeter hohen Hightech-Vertretern aus dem Hause Sony so schnell kein Mensch nach. Auf der Messe Robodex 2003 in der japanischen Hafenstadt Yokohama haben 38 Firmen und Universitäten 90 verschiedene Robotertypen für den Hausgebrauch - so genannte humanoide Roboter - gezeigt.

Nicht weit von dem Sony-Roboter entfernt tanzen die daumengroßen Mikroroboter der Firma Seiko Epson Ballett, und einige Stände weiter brüllt der erste Roboterdinosaurier für den Hausgebrauch: "Banryu", entwickelt von Sanyo Electric. Als Wachhundersatz soll der Vierbeiner künftig für Schutz in der Wohnung sorgen. Dabei kann er ähnlich wie der SDR-4X II Gesichter wiedererkennen. Mit 15 Metern in der Stunde wandert er durchs Haus und spürt über seinen Geruchssensor sogar einen drohenden Küchenbrand auf. Bei Gefahr macht er Fotos und schickt sie mit einer Nachricht auf das Handy der Hausbesitzer. Fast zwei Millionen Yen (15 600 Euro) kostet ein Exemplar. Immerhin mehr als die Hälfte der 50 verfügbaren Exemplare ist bereits in vier Monaten verkauft worden.

Anders als die Sparte der Industrieroboter sind diese humanoiden Roboter, die in Spielfilmen und Comics schon seit Jahrzehnten für Faszination sorgen, noch am Anfang ihrer Kommerzialisierung. Schritt für Schritt kommen die ersten Produkte nun auf den Markt. Die japanische Robotervereinigung sieht in den nicht-industriellen Robotern, auch Partner- oder Personalroboter genannt, das Wachstumsfeld der kommenden Jahre. In Japan werden jedes Jahr Roboter für mehr als 300 Mrd. Yen (2,36 Mrd. Euro) produziert.

Die technischen Fortschritte bei den Personalrobotern seien immens, sagt Toshi T. Doi, der die Robodex ins Leben gerufen hat. Doi ist Präsident des Sony Labors für Intelligente Dynamik und Erfinder des Roboterhundes Aibo. "Vor zwei Jahren konnten auf der Messe gerade einmal zwei Roboter laufen. Heute ist Laufen bei keinem überhaupt noch ein Thema." Dennoch mangele es den Robotern noch an Intelligenz, sei es bei der Sprach- oder Bilderkennung oder bei der spontanen Motorik, meint Doi. Zudem stehen die hohen Preise einer Kommerzialisierung noch im Weg. Ein tanzender SDR-4XII würde derzeit so viel wie ein Luxuswagen kosten, schätzen die Hersteller.

Personalroboter sind für die unterschiedlichsten Zwecke konzipiert: Von der Minenräumung und gefährlichen Erkundungen über die Bewachung, Botengänge, die Reinigung und Hilfe bei der Altenpflege bis zu leichten Aufgaben an der Rezeption oder nur zur Unterhaltung. "Ich weiß nicht, welche dieser Roboterkategorien sich in zehn Jahren durchsetzen wird", sagt Doi. "Aber die Technologie ist sehr ähnlich, so dass wir alle eine Menge voneinander lernen können." Am Erfolg des noch jungen Industriezweigs zweifelt er nicht. "Irgendwann, ich weiß nicht, ob in zehn oder in 30 Jahren, wird der Umsatz mit Personalrobotern den der gesamten PC-Industrie übertreffen."

Auffällig ist die Dominanz japanischer Hersteller. Nicht nur Elektronikfirmen wie Sony, Fujitsu, NEC, Matsushita oder Toshiba sind dabei. Auch der Maschinenbauer Mitsubishi Heavy Industries versucht, früh einen Fuß in den Markt zu bekommen: Der ein Meter große, quietschgelbe Hausroboter Wakamaru soll in rund zwei Jahren für deutlich weniger als zwei Millionen Yen erhältlich sein. Zielkunden sind ältere Menschen, die sich alleine zu Hause unwohl fühlen. Wakamaru führt mit 10 000 Worten Kommunikation und ruft im Notfall um Hilfe.

Ausländische Firmen wittern angesichts der Fortschritte Absatzchancen in Japan. "Der Markt ist in einem Stadium, in dem nicht mehr jede Firma alles machen kann", sagt Jennifer McNally, Marketingchefin der US-Firma Evolution, die Robotersoftware liefert.

Irgendwann, so die Vision von Roboterentwickler Doi, wird jeder Mensch von einem Roboter begleitet. Eine neue Maschine bekommt per Computerchip des Vorgängers die Daten übertragen - und kann sich im Alter mit uns über all die vielen Erinnerungen unterhalten. Doch an die Fiktionen des Starwars-Roboters R2D2 oder des in Japan beliebten Comicroboters Astroboy wird die reale Technik nie herankommen, sagt Doi. "Ob Bewusstsein oder Emotionen - das werden Roboter auch in Zukunft nur imitieren können."

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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