Japanische Stiere als Sumo-Ringer
Stierkampf ohne Toreros

"Bei jedem Kampf lernen die Tiere technisch hinzu", sagt Shinichi Tsubakimoto, Vorsitzender des Stierkampfverbandes von Uwajima. Wie in Spanien hat man in dem kleinen japanischen Ort eine sehr alte Stierkampftradition. Dort kämpfen die Tiere aber nicht gegen Toreros, sondern gegen ihre Artgenossen.

HB/dpa UWAJIMA. Unmittelbar vor dem Kampf werden die Stiere mit Reisschnaps (Sake), grünem Tee oder Bier gefüttert, um sie "aufzuheizen". Die Tiere haben ähnliche Namen und Kampfränge wie die schwergewichtigen Ringer beim Sumo. Früher sprach man deshalb auch von "Ushi Zumo", zu deutsch Stier-Sumo. Und wie beim Sumo der Menschen wird auch zwischen verschiedenen Kampfechniken unterschieden. Gewonnen hat, wer sich als erster von seinem Gegner abwendet. Nicht immer aber geht es bei den Stierkämpfen unblutig zu. Im schlimmsten Fall endet ein Tier nach dem Kampf beim Schlachter.

"Das Kämpfen liegt in der Natur der Tiere", sagt Tsubakimoto. In rund einem Dutzend Orten in Japan werden alljährlich "Togyu", wie die Kämpfe auf Japanisch heißen, abgehalten. Heute wird kein Stier mehr auf dem Feld eingesetzt. Kampfstiere werden extra gezüchtet. "Man muss mit dem Training schon anfangen, wenn sie Kälber sind", erklärt Tsubakimoto, der seit 30 Jahren Stiere für die Arena vorbereitet. An Hängen rammen sie ihre Hörner in den Boden oder gegen Bäume, um vor allem Nacken und Beine zu stärken.

Wir zwingen die Tiere nicht zum Kampf

Ausgewachsene japanische Kampfstiere können mehr als eine Tonne wiegen. Da die Tiere durch verbesserte Zuchttechnik immer größer werden, musste man in Uwajima die Stierkampfarena von 16 auf 20 Meter Durchmesser ausbauen.

"Aber wir zwingen die Tiere nie zum Kampf", sagt Tsubakimoto. "Die meisten wollen kämpfen." Nur manchmal gebe es Stiere, die eine schlimme Niederlage erlitten hätten und dann partout nicht mehr kämpfen wollten. Aus Mitleid bekomme der Verlierer, oder vielmehr sein Besitzer, eine höhere Prämie als der Sieger. Ausgediente Kampfstiere würden geschlachtet. Da ihr Fleisch für Menschen aber zu hart sei, werde es Löwen in Safariparks zum Fraß vorgeworfen, heißt es.

Wetten lassen die Behörden nicht zu

"Man kann keinen Stierkampf ausrichten, wenn man den Stier nicht liebt", sagt Tsubakimoto. Schließlich koste die Haltung eines Kampfstieres nicht nur Mühe, sondern auch viel Geld. Proteste von Anwohnern gegen die Tierkämpfe gebe es nicht. Wenn sie sich beschwerten, dann nur, weil sie bessere Kämpfe sehen wollten. "Wir überlegen uns vorher, welche Tiere gegeneinander kämpfen sollen, so dass die Kämpfe möglichst interessant werden", sagt Tsubakimoto. Wetten hätten die Behörden leider nicht zugelassen.

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