Japanische und südkoreanische Anbieter haben bei neuen Mobilfunkdiensten die Nase vorne
Videos per Handy sind in Asien der Renner

Geburtswehen begleiten die Einführung mobiler Datenübertragungstechnologien wie GPRS und UMTS in Europa. In Fernost haben Mobilfunker bei der Vermarktung schneller Datendienste und der Entwicklung von Anwendungen dafür leichteres Spiel.

HONGKONG. Südkorea hat Japan die langjährige Vorreiterrolle beim mobilen Internet abgerungen. Schon 40 % aller Handybesitzer nutzen dort bereits GPRS-ähnliche Angebote, die Datenübertragung mit rund der Hälfte der Geschwindigkeit von UMTS ermöglichen. Die Zahl der Kunden schnellte von 5 Millionen zum Jahresanfang auf fast 13 Millionen im August nach oben. Datendienste sind in Südkorea nicht länger synonym mit einfachen Textnachrichten wie SMS: "Das Herunterladen von Musik-Videos, Spielen und Comicfiguren macht 60 % der Datenumsätze aus", errechnet ING-Analyst Joel Kim.

Im ansonsten gesättigten südkoreanischen Markt erweisen sich solche Angebote als wichtiger Wachstumsmotor für Mobilfunkanbieter. Bill Sohn von UBS Warburg hält es für gut möglich, dass Marktführer ]SK Telecom (SKT) dieses Jahr sein Ziel übertreffen könnte und bereits 10 % des Umsatzes mit eigenen Kunden aus dem Datenverkehr bestreiten wird.

Anbieter rüsten ihre Netze auf

Um attraktivere Inhalte anbieten zu können, rüsten SKT und die Verfolger KT Freetel (KTF) und LG Telecom ihre Netze kontinuierlich auf höhere Geschwindigkeiten auf. Noch in diesem Jahr wollen sie Übertragungsraten von bis zu 2,4 Megabits pro Sekunde anbieten. Damit werden bereits Dienste wie Video-Übertragungen auf herkömmlichen Frequenzen möglich. Der Erfolg dieser Vorläufer-Dienste mindert den Druck zur Einführung von UMTS, die auch in Südkorea ansteht. KTF und SKT haben vor zwei Jahren je 1 Mrd. $ in Lizenzen für den europäischen Standard der neuesten Mobilfunkgeneration gesteckt. SKT macht keine Anstalten, seine Lizenz in absehbarer Zeit zu nutzen. KTF hingegen will ab kommenden Juni mit einem landesweiten UMTS-Netz an den Start gehen. In das soll die Tochter Icom 1,7 Mrd. $ investieren.

Hauptmotivation für den Wechsel sind zum einen höhere Übertragungsgeschwindigkeiten; zum anderen bekommen die Südkoreaner erst mit UMTS die Möglichkeit zum effektiven Roaming, also zum Telefonieren in anderen Mobilfunknetzen.Denn derzeit verwenden alle drei Anbieter den US-Standard CDMA2000; UMTS hingegen ist eine Fortentwicklung des europäischen GSM-Standards, der auch im Großteil Asiens dominiert.

Europäische Unternehmen haben nicht genug zu bieten

Icom-Chef Cho Young-chu ist überzeugt, dass sein Unternehmen dem Westen vormachen wird, wie mit UMTS Geld zu verdienen ist. "Europäische Mobilfunker können nicht genügend Unterhaltungs- und Informationsinhalte anbieten", kritisiert Cho. Die Grundlage von Icoms UMTS-Diensten sollen hingegen KTFs bewährte Datenangebote bilden. SKT will aus seinem Vorsprung sogar international Kapital schlagen und seine Daten-Anwendungen in Europa und Amerika vermarkten.

Auch in Japan ist die Schlacht der Datenanbieter voll entbrannt

Mit Kameras ausgerüstete Handys erweisen sich als letzter Schrei. Eines von fünf japanischen Handys kann mittlerweile Standbilder versenden und empfangen. Jetzt sind videofähige Geräte im Kommen. Der Anbieter KDDI startet diesen Monat einen Dienst, der Kunden das Versenden von 15 Sekunden langen Videos ermöglicht. Die von Toshiba entwickelten Handys dafür sollen zwischen 85 $ und 170 $ kosten. "Wir erwarten, dass 70 % unserer Kunden auf teure Geräte mit vielen Anwendungen wechseln", verkündete KDDI-Chef Tadashi Onodera bei der Vorstellung der Video-Handys.

Für seinen schnellen Datendienst, der ebenfalls auf CDMA-2000 basiert, hat Japans zweitgrößter Mobilfunkanbieter in kürzester Zeit 2 Mill. Kunden gewonnen. Alleine im August kamen fast 500 000 hinzu.Bis März will das Unternehmen sieben Millionen Daten-Kunden haben.

Standbilder und Videosequenzen via Handy

Obwohl sie langsamer sind als die von KDDI, verhelfen Datenangebote auch dem drittgrößten Anbieter zum Erfolg, der Vodafone-Tochter J-Phone. Mit dessen populärem Dienst "Sha-Mail" können Handys Standbilder und fünf Sekunden lange Video-Sequenzen versenden. Der Bilder-Dienst hat bereits 6 Millionen Nutzer, der Video-Dienst 560 000. Vodafone will "Sha-Mail" künftig auch in Europa einführen. Ab Dezember will J-Phone auch UMTS-Dienste anbieten.

In Japan sollen bewährte Datenangebote wie dieses auch die Grundlage bilden für J-Phones UMTS-Dienste. Zweimal hat das Unternehmen deren Start bereits aufgeschoben. Im Dezember soll es nun wirklich losgehen.

Ob UMTS in Südkorea und Japan punkten kann, wird weltweit aufmerksam verfolgt. NTT Docomo hat sein Netz in Japan bereits vor einem Jahr freigeschaltet. Bislang konnte der Mobilfunk-Marktführer aber nur 127 000 UMTS-Nutzer gewinnen. Das Ziel, bis März 1,38 Millionen Kunden zu werben, rückt in weite Ferne. Presseberichten zufolge geht Docomo nur noch von 400 000 Kunden aus. Anders als der Konkurrenz machen dem Dienst teure Endgeräte, eine begrenzte Netzabdeckung und kurze Batterielebenszeiten zu schaffen. Für das Weihnachtsgeschäft erhofft sich Docomo jedoch Besserung von neuen Modellen.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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