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Japanische Zentralbank senkt Leitzinsen

Die japanische Notenbank (BoJ) hat am Mittwoch die Leitzinsen gesenkt und dies mit der konjunkturellen Schwäche des Landes begründet. Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld werde auf 0,15 von 0,25 % gesenkt, teilte die Notenbank im Anschluss an ihre Sitzung in Tokio mit. Zugleich werde der Diskontsatz auf 0,25 % von 0,35 % zurückgenommen.

Reuters TOKIO. BoJ-Chef Masaru Hayami begründete den Schritt mit der jüngsten Aktienmarktschwäche und der Exportverlangsamung des Landes. Zudem seien dämpfende Effekte von der Abkühlung der Weltwirtschaft ausgegangen. Führende japanische Regierungspolitiker begrüßten die Zinssenkung als angemessen. Analysten sehen den Entscheid als Schritt auf dem Weg zurück zur Nullzinspolitik. Sie sprachen jedoch von einem bescheidenen Schritt, der nur begrenzte Effekte haben werde. Der Yen reagierte mit Kursverlusten.

Die konjunkturelle Erholung des Landes habe sich wegen der schwächeren weltwirtschaftlichen Entwicklung weiter verzögert, begründete die BoJ ihre Entscheidung. Zudem wolle die Notenbank mit ihrer Entscheidung verhindern, dass Japan angesichts der gegenwärtig sinkenden Preise in eine Deflationsspirale gerate. Zur Nullzinspolitik wollte die Notenbank bislang dennoch nicht zurückkehren. "Ein deutlicherer Schritt hätte die Funktion der Märkte untergraben", sagte Hayami in einer Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung. Die BoJ hatte bereits bei ihrer vergangenen Sitzung Anfang Februar den eher symbolischen Diskontsatz von 0,5 auf 0,35 % gesenkt, den Schlüsselzins jedoch unverändert gelassen.

Der Zinssenkungsdruck auf die BoJ war Analysten zufolge von der am frühen Mittwoch (MEZ) veröffentlichten unerwartet schwachen japanischen Industrieproduktion im Januar verstärkt worden. Die Produktion fiel nach Angaben des Wirtschaftsministeriums zum Vormonat um 3,9 % nach einem Plus von 1,8 % im Dezember. Volkswirte hatten für Januar mit einem Anstieg um 0,2 % gerechnet. "Der deutliche Rückgang der Industrieproduktion lieferte der BoJ die Fundamentaldaten, die eine Lockerung der Geldpolitik rechtfertigten", sagte Koji Shimamoto, Chefstratege von BNP Paribas. Auch die japanischen Exporte waren im Januar im Jahresvergleich zum ersten Mal seit Mai 1999 geschrumpft.

Mit der Zinsentscheidung reagierte die Notenbank Analysten zufolge auch auf den gestiegenen Pessimismus der Märkte, den sie damit zu bremsen versuche. Sie habe die gestiegenen Erwartungen auf eine baldige Zinssenkung nicht enttäuschen wollen, sagten die Experten. "Der Beschluss ist das Resultat des massiven Drucks, der von allen Seiten auf die BoJ eingeströmt war", sagte Masaaki Mizuno, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Damit sich der trübe Konjunkturausblick schon bald wieder aufhellt, hatten auch führende Regierungspolitiker die BoJ zuletzt immer wieder zu einer deutlichen Lockerung ihrer Geldpolitik aufgefordert.

Yen verlor nach Zinsentscheidung deutlich an Boden

Die japanische Regierung begrüßte die Zinssenkung der Notenbank. Finanzminister Kiichi Miyazawa bezeichnete die Zinssenkung als "gute Entscheidung". Die Differenzen in der Beurteilung der wirtschaftlichen Situation des Landes zwischen der Regierung und der BoJ gleichen sich nach seiner Ansicht immer mehr an.

Die Zinssenkung ist nach Ansicht von Analysten ein Schritt der BoJ zurück zur Nullzinspolitik, die die Zentralbank im August 2000 gegen den Willen der Regierung beendet hatte. Als nächstes erwarten die Experten eine deutliche quantitative Lockerung der Geldpolitik etwa durch den massiven Rückkauf von Staatsanleihen. Von der Senkung um zehn Basispunkte sehen sie jedoch nur begrenzte Wirkungen auf die Märkte ausgehen. Nach Hayamis Worten ist es derzeit jedoch noch nicht abzusehen, ob die BoJ wieder zur Nullzinspolitik zurückkehren wird.

Der Yen verlor nach der Zinsentscheidung deutlich an Boden. Der Euro stieg nach dem Beschluss auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 107,90 Yen. Auch der $ kletterte zum Yen auf ein vorläufiges Tageshoch bei 117,09 Yen nach 116,09/17 Yen am Vorabend in New York. Die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen japanischen Staatsanleihe fiel im Anschluss der Entscheidung auf ein 21-Monats-Tief bei 1,3 %. Die japanischen Aktienmärkte hatten zum Zeitpunkt des Zinsentscheids bereits geschlossen. Der Nikkei-Index war zuvor zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Dezember 1985 gefallen.

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