Japanischer Elektronikkonzern ordnet seine Europa-Aktivitäten neu
Frankfurt steuert Matsushitas Europageschäft

Die Matsushita Electric Industrial Co. (Panasonic), Japans führender Hersteller von Konsumgüterelektronik und elektrischen Hausgeräten, plant die grundlegende Reorganisation des Europa-Geschäfts: Das Marketing wird künftig europaweit von Frankfurt/Main gesteuert.

OSAKA. Die Analyse des Matsushita-internen Strategiepapiers "Destruktion und Kreation" kommt zu einem keineswegs schmeichelhaften Ergebnis: Vor allem im Europa- Geschäft sei die Ertragslage für den japanischen Elektronikkonzern unbefriedigend, das Papier bezeichnet die Verwaltung als "übermäßig aufgebläht", das Zusammenwirken der einzelnen Unternehmenssparten als unzureichend, die Softwaresysteme seien zersplittert und die Lohnkosten in der EU zu hoch. Die Missstände sollen nun durch eine groß angelegte Reorganisation beseitigen werden.

Insgesamt will der Matsushita - Konzern den Umsatz in den kommenden drei Jahren um 18 % auf 9 Bill. Yen (rund 80 Mrd. Euro) steigern. 4,6 Bill. Yen, rund die Hälfte des bisherigen Umsatzes, zielte Matsushita davon zuletzt im Ausland - ein Plus von 27 % gegenüber dem Vorjahr.

Das gegenwärtig "unbefriedigende" operative Ergebnis, so Yukio Shotoku, Mitglied des Konzernvorstands mit Zuständigkeit für das gesamte Auslandsgeschäft, soll auf das allerdings immer noch bescheidene Ziel von 5 % des Umsatzes mehr als verfünffacht werden. Verantwortlich für die Durchsetzung der Restrukturierung in Europa ist Tomikazu Ise (54), seit 1. April Chairman & Chief Executive Officer der Matsushita Electric Europe (Headquarters) Ltd., Uxbridge. Er war bislang für den Elektronikkonzern in Singapur, den USA, Großbritannien und Deutschland tätig.

Mitarbeiterzahl soll reduziert werden

Ise erklärt gegenüber dem Handelsblatt, bis 2003 sollten 16 der gegenwärtig 22 Verkaufsgesellschaften und 7 der 16 Produktionsgesellschaften von europäischen Managern geführt werden: "Das japanische Management war zu produktorientiert, dies war bislang eine Schwachstelle." Europäisches Management, ist sich Ise sicher, ermögliche eine stärkere Marktorientierung.

Im Zuge der Lokalisierung des Managements soll die Zahl der japanischen Mitarbeiter in zentralen Geschäftseinheiten und den europäischen Verkaufsgesellschaften um 100 auf 160 reduziert werden. Die Hälfte der erzielten Kostensenkung soll für die Finanzierung der angestrebten geschäftlichen Expansion ausgegeben werden.

Hierzu ist in Frankfurt/Main Anfang April eine für das gesamte Europa-Geschäft zuständige Marketing- Geschäftseinheit geschaffen worden, in die künftig ein Teil der bislang in Hamburg tätigen Mitarbeiter integriert werden soll. Von Frankfurt soll die Preispolitik zentral gesteuert werden. Ausnahmen bilden lediglich die Kontakte zu den Mobilfunk-Gesellschaften und das Geschäft mit Ausrüstungen für Fernsehsender.

Kein Rückzug aus Großbritannien

In der Konsumgüterelektronik strebt Ise eine Expansion bei Digital-Fernsehgeräten, Plasma-Bildschirmen, DVD-Rekordern und dem gesamten Spektrum von Audio- und Videotechnik unter Einsatz der SD-Speicherkarte an. Besonders ehrgeizig ist das Geschäftsziel für Telekomtechnik. Auch global will der Matsushita-Konzern seinen Marktanteil bei Mobiltelefonen auf zehn Prozent verdoppeln. Daneben soll das so genannte "solution business" entwickelt werden: In Europa bedeutet dies insbesondere in Zusammenarbeit mit lokalen Software-Partnern die Vermarktung von Plasma-Großbildschirmen für den Einsatz in Bahnhöfen oder Flugplätzen und künftig auch in kleineren Formaten als Werbeträger in Zügen.

Schließlich soll nun auch das bislang aus betriebsinternen Gründen verpasste Geschäft mit Verkehrsinformationssystemen in Europa forciert entwickelt werden.

"Ein Rückzug aus Großbritannien steht nicht zur Debatte, wir handeln aber nach Wirtschaftlichkeits-Gesichtspunkten." Konkret bedeutet dies eine weitere Verlagerung der Produktionstätigkeit nach Mittel- und Osteuropa, insbesondere die Tschechische Republik und die Slowakei. Neben Farbfernsehgeräten und Videorekordern sollen hier vom kommenden Jahr an Handys und Stereoanlagen produziert werden.

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