Japanischer Markt unerwartet schwach
Die Gewinner-Aktien der Videospielebranche

Videospiele haben sich als fester Bestandteil der Unterhaltung etabliert. Nach der Einführung neuer Hardware im letzten Jahr konzentriert sich der Marktfokus jetzt auf die Software und auf das kommende Weihnachtsgeschäft. Und da profitieren vor allem große Anbieter mit einem breiten Angebot.

DÜSSELDORF/LOS ANGELES. Die Gewinner der Videospielebranche heißen dieses Jahr Sony und Electronic Arts. Während sich der Marktführer auf der Hardwareseite, die Sony Corp., souverän gegen die Herausforderer Microsoft und Nintendo durchsetzen konnte, profitiert Electronic Arts Inc. (EA) von einem breiten Produktsortiment. "Es ist uns eigentlich egal, von welcher Konsole mehr oder weniger verkauft wird", erklärte der COO von EA, John Riccitiello, am Rande der Branchenmesse E3 im kalifornischen Los Angeles. "Hauptsache, es wird überhaupt mehr verkauft".

Und da stehen die Chancen nicht schlecht. Nach massiven Preissenkungen um über 30 % sind die neuen High-Tech-Konsolen in Preisregionen angekommen, die auf ein hervorragendes Weihnachtsgeschäft hoffen lassen. Hier wird traditionell der Löwenanteil des Jahresumsatzes generiert. Und mit jeder Konsole werden Spiele geordert. Robert Kotick, Chef des Software-Entwicklers Activision Inc., meldete für die Zeit seit Mitte Mai Umsatzsteigerungen von 20 bis 40 % und prophezeit einen "steilen Anstieg der Verkäufe bis Weihnachten"

Electronic Arts - Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,7 Mrd. $ - ist Marktführer bei Sony-PS2-Spielen, traditionell stark im PC-Spiele-Bereich und auch bei X-Box (Microsoft) und Nintendo-Geräten vertreten. Für zehn von 19 Analysten auf Nasdaq.com ist EA ein "starker Kauf". Auf der E3 präsentierte EA 31 neue Spiele, alleine 20 für Sonys Playstation 2 (PS2). Auch "Die Sims", meistverkauftes PC-Spiel aller Zeiten, soll nun für die PS2 umgsetzt werden. Sonys PS2 hat sich mit über 30 Millionen Exemplaren bislang weltweit mehr als dreimal so gut verkauft wie die Konkurrenz X-Box und Gamecube zusammen.

Große Pläne hat auch Konami. Der Spieleriese aus Kyoto profitiert aktuell von der Fußball-Begeisterung der Japaner. Innerhalb von zwei Monaten wurden über 300 000 Exemplare des Videospiels "Worldsoccer Winning eleven" verkauft. Und der PS2-Titel "Metal Gear Solid 2" hat laut Konami-Manager Martin Schneider sein Potenzial von 130 Mill. Euro schon eingespielt. Ein in den USA und Japan bereits erfolgreiches Kartensammel- und Videospiel ähnlich Nintendos Megaseller "Pokemon" soll in Europa eingeführt werden. Das Potenzial hier, so Schneider, liege "mindestens" bei dem von Metal Gear Solid 2.

Mächtig aufdrehen will dieses Jahr auch noch Nintendo. Zahlreiche Verkaufsschlager der alten Konsolen sollen blad für den neuen Gamecube bereit stehen. Außerdem will Nintendo groß in den Markt für Erwachsenen-Spiele einsteigen, also zum Beispiel härtere Actionspiele wie "Resident Evil" anbieten.

Doch trotz der punktuellen Verkaufserfolge bleibt gerade der wichtige Markt in Japan insgesamt angespannt. Der Branchendienst MCV Online meldet etwa, dass der Absatz von Videospielen in Japan derzeit um rund 70 % unter dem Vorjahresschnitt liegt. Die schwache Konsumkonjunktur macht sich hier bemerkbar. Das lässt die Luft für kleine Anbieter mit wenigen Spielen dünn werden. Die Hoffnungen konzentrieren sich also auf das Weihnachtsgeschäft und einen starken US-Markt. Hier hat die Videospielebranche 2001 mit 9,4 Mrd. $ erstmals die Einnahmen Hollywoods an den Kinokassen überholt. Ob sich die optimistischen Wachstumsprognosen von im Schnitt von bis zu 25 % über die nächsten Jahre wirklich realisieren, wird vor allem in den USA entschieden werden.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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