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Japans Banken kämpfen um ihren Ruf

Viele Japaner sind auf ihre Bank gar nicht gut zu sprechen. Seit Jahren schleppen die Institute faule Kredite mit sich herum. Zudem wissen viele Sparer wegen der zahlreichen Fusionen kaum noch, wer genau hinter welchem Institut steht.

TOKIO. Technische Probleme etwa bei Japans Nummer 4, der UFJ Group, und beim Branchenriesen Mizuho führen dazu, dass die Sparer an den Fähigkeiten der Managements zweifeln. Hinzu kommt, dass seit Anfang April die bisher unbegrenzte Garantie von Termineinlagen auf 10 Mill. Yen (rund 86 000 Euro) begrenzt worden ist. Prompt zogen die Sparer ihr Geld von den kleineren Banken ab, aus Angst, sie könnten als nächste Schiffbruch erleiden. Ausländische Banken und die japanischen Großbanken profitieren.

Die vier größten Privatbanken - Mizuho, Sumitomo Mitsui, Mitsubishi Tokyo und UFJ - legen heute nach Börsenschluss ihre Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr (31. März) vor. "Ich erwarte keine großen Überraschungen", sagt Bankenanalyst Akira Mizobuchi von Nomura Research. Nach den Sonderprüfungen durch Japans Finanzaufsichtsbehörde FSA mussten die zwölf Großbanken allein für das vergangene Geschäftsjahr die Abschreibungen auf faule Kredite auf 7,8 Bill. Yen anheben. Mizuho, gemessen an den Einlagen die weltgrößte Privatbank, senkte ihre Prognose für das abgelaufene Geschäftsjahr auf einen Nettoverlust von rund 1 Bill. Yen. Sumitomo Mitsui rechnet mit 480 Mrd. Yen Nettoverlust, Mitsubishi Tokyo mit 145 Mrd. Yen und UFJ mit 1,2 Bill. Yen.

Firmenzusammenbrüche vor allem in der Bau- und Immobilienwirtschaft, im Handel und bei den Versicherungen sorgen für immer neue Kreditausfälle. Kaum hat eine Bank einen Kredit abgeschrieben, geht die nächste Firma pleite.

Das Volumen fauler Kredite wird unterschiedlich hoch geschätzt. Die Spanne reicht von gut 35 Bill. Yen bis zu mehr als 100 Bill. Yen. Darin sind Kredite von insolventen Schuldnern genauso enthalten wie solche von Unternehmen, die ihren Kredit länger nicht bedient haben. Der Chef des japanischen Bankenverbands, Masashi Teranishi von der UFJ Bank, sagte erst kürzlich: "Angesichts der angespannten Wirtschaftslage ist bei den neu auftauchenden Problemkrediten kein Ende abzusehen." Mizobuchi von Nomura meint, in drei Jahren werde sich die Situation spürbar gebessert haben. Bedeutsam ist aber, wie sich die Konjunktur und damit die Zahl der Insolvenzen entwickelt.

Seit 1993 haben Japans Großbanken jedes Jahr rund 4,5 Bill. Yen (knapp 39 Mrd. Euro) an Krediten abgeschrieben, im vergangenen Jahr wegen der FSA-Sonderprüfungen noch mehr. In diesem Jahr, schätzt David Atkinson von Goldman Sachs, werden die Kreditabschreibungen auf 2,9 Bill. Yen zurückgehen: "Wir glauben, die Peaks sind vorbei. Wir befinden uns nun an den Hügeln am Fuße des Berges, allerdings noch sehr hohen Hügeln". Seiner Ansicht nach gibt es noch rund 8 Bill. Yen an nicht realisierten Kreditverlusten in den Bilanzen. Mit deren Abschreibung würden sich die Banken aber Zeit lassen.

Der Grund: Über mehrere Jahre verteilt können die Banken ihre Steuerlast über Abschreibungsverluste stärker drücken. "Weder die Banken noch die Regierung wollen eine schnelle Abwicklung. Wir denken, dass den Banken ein Abschreibungsdauer von sechs bis elf Jahren am liebsten wäre", meint Atkinson. Je länger die Kreditzinsen in Japan sehr niedrig seien, desto mehr Raum hätten die Banken für ihre "Steuerplanung". Bei niedrigen Zinsen schaffen es auch Krisenunternehmen, ihren Kredit zu bedienen.

Elementar für die weitere Entwicklung ist also auch die Zinsentwicklung. Goldmann Sachs geht davon aus, dass 42 % aller unter Beobachtung stehenden Kredite sofort ein Insolvenzrisiko bekämen, wenn die Zinsen merklich anzögen.

Politiker und Notenbank streiten bereits darüber, ob die Kapitalbasis der Banken ausreicht oder eine Kapitalerhöhung nötig ist.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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