Japans Börse der März-Krise entronnen – Risiken bleiben
Keine Entwarnung für Nippons Finanzplatz

Die in den vergangenen Monaten oft prophezeite März-Krise an Japans Finanzplatz ist ausgeblieben. Auch über den März-Ultimo hinaus konnte der Nikkei- 225-Index sein höheres Niveau halten.

HB/fu TOKIO. Doch für Anleger gibt es noch keinen Grund sich zurückzulehnen. Der künstliche Börsenboom vor dem Ende des Fiskaljahres (31.3.) wird vor allem der Regierung zugerechnet. Ihr ist auch zu verdanken, dass Japans Banken in ihren Geschäftsbüchern bessere Zahlen als befürchtet ausweisen können. Nach der neuen Gesetzgebung müssen Aktienbestände erstmals zu Markt- und nicht zu - meist illusorisch hohen - Buchwerten in die Bilanz aufgenommen werden. Das betrifft insbesondere die zahlreichen Überkreuzbeteiligungen der Banken. Die Mehrheit der Institute wird die Durchschnittskurse des Monats März, einige wenige die Schlusskurse des vergangenen Freitags als Basis verwenden.

Ende September 2001, als der Nikkei noch unter 10 000 Punkten notierte, summierten sich die unrealisierten Verluste der Großbanken auf 3,09 Bill. Yen (25,6 Mrd. Euro). Zusehends kritischer wurde die Lage, als der Index Anfang Februar mit 9 421 Punkten auf das tiefste Niveau seit Dezember 1983 abrutschte. Die Regierung setzte verschärfte Regulierungen für so genannte Leerverkäufe durch. Leerverkäufer stoßen geliehene Aktien ab, um sie später billiger zurückzukaufen. Viele Anleger wurden faktisch gezwungen, ihre Positionen kurzfristig glattzustellen, sich also mit Aktien einzudecken. Dies ließ den Nikkei bis Ende März über 11 000 Punkte schnellen. Er erreichte damit ein Niveau, das von Analysten als eine "sichere Zone" bezeichnet wird.

Die März-Krise ist zwar nicht ausgebrochen. Die Lage für Japans Banken bleibt aber kritisch. Auch wenn dank des Endspurtes - vor allem in den letzten Februarwochen - die unrealisierten Kapitalverluste der Banken für die Zeit von September bis März von 3 Bill. auf rund 1 Bill. Yen geschmolzen sind. Da mit dem Verkauf von Aktien kaum Profite zu erzielen sind und die Banken wegen einer wenig risikogerechten Kreditpolitik mit hauchdünnen Margen arbeiten, verzögert sich der Abbau fauler Kredite. Das Wirtschaftsblatt "Nihon Keizai" rechnet damit, dass die Problemkredite der 13 größten Banken Japans in den vergangenen sechs Monaten um knapp 20 % auf 24 Bill. Yen gestiegen sind.

Angesichts einer durchschnittlichen Eigenkapitalrendite von lediglich 1,8 % fehlt es den Instituten zudem an erwirtschafteten Mitteln, um die Gesundung der Bilanzen zu beschleunigen. Sollten zu alldem in den Ende Mai veröffentlichten Abschlüssen der Finanzhäuser noch "unliebsame Überraschungen" zum Vorschein kommen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Krisen- Rhetorik schnell wieder an die Börse Tokio zurückkehren wird.

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