Japans Elektronikkonzern verkauft Produktion an Micron Technology
Toshiba gibt Massenspeicher auf

Der japanische Elektronikkonzern Toshiba will sich aus dem DRAM-Geschäft zurückziehen. Die amerikanischen Fabriken sollen bis Ende Januar vollständig an den US-Konzern Micron Technology verkauft werden.

ga/sgr TOKIO / DÜSSELDORF. Der nach NEC zweitgrößte japanischer Hersteller von Massenspeicherchips (DRAM, Dynamic Random Access Memory), Toshiba Corp., Tokio, hat den Ausstieg aus diesem gegenwärtig extrem verlustreichen Geschäft bekannt gegeben. Hierzu wird das Werk Dominion Semiconductor LLC im US-Bundesstaat Virginia im Januar 2002 an den nach Samsung Electronic weltweit zweitgrößten Hersteller von Massenspeicherchips, Micron Technology, verkauft und die Produktion im eigenen Lande aufgegeben. Die Verhandlungen mit Micron wurden im November aufgenommen.

Ein Toshiba-Sprecher erklärte gegenüber dem Handelsblatt, damit seien die bislang mit Infineon geführten Verhandlungen faktisch beendet. Auch mit dem Münchener Halbleiterhersteller war im Rahmen der angestrebten Restrukturierung des Massenspeicher- Geschäfts über einen Rückzug von Toshiba aus der Produktion und dem Verkauf von MDRAM verhandelt worden. Die Preise für DRAM-Elemente kollabierten in diesem Jahr um rund 90 Prozent. Die meisten Hersteller schreiben tiefrote Zahlen und versuchen, mit Allianzen eine signifikante Senkung der Kosten zu erreichen. Nach dem Rückzug von Fujitsu und Toshiba ist ein Gemeinschaftsunternehmen von NEC und Hitachi der letzte japanische DRAM-Hersteller.

Toshibas DRAM-Produktion im japanischen Werk Yokkaichi soll sukzessive auslaufen. Dafür sollen an diesem Standort die Produktionsanlagen für NAND flash Memories (nicht-flüchtige Speicher) des mit der SanDisk Corp. gegründeten Joint Ventures Flash Vision LLC angesiedelt werden, der dann Toshibas einzige Herstellungsstätte für diese Produkte sein soll. Der Standort verfügt über rund die doppelte Kapazität der an Micron verkauften Toshiba-Anlage in Virginia.

Keine Angaben zum Volumen des Micron-Deals

Die mit 40 Mrd. Yen (rund 360 Mill. Euro) veranschlagten Restrukturierungskosten sollen per 31.3.2002 als außerordentlicher Aufwand verbucht werden. Angaben zu dem Volumen der Transaktion mit Micron wurden nicht gemacht. Im Zuge der Aufgabe der MDRAM-Produktion in Japan sei mit weiteren außerordentlichen Verlusten zu rechnen.

Der zweitgrößte japanische Universal-Elektrokonzern betont allerdings, dass die Forschungsaktivitäten bei zentralen MDRAM-Techniken wegen ihrer grundlegenden Bedeutung für andere elektronische Bauelemente aufrechterhalten werden sollen. In der Produktion will sich Toshiba nun auf anwendungsspezifische und hochwertige Speicherelemente und speziell für Kunden entwickelte Bauelemente konzentrieren.

Micron Technology befindet sich gegenwärtig ebenfalls mit dem weltweit drittgrößten MDRAM-Hersteller, der südkoreanischen Hynix Semiconductor Inc., in Verhandlungen über eine geschäftliche Allianz im Massenspeicher-Geschäft. Erklärungen des Leiters des Restrukturierungsausschusses des hochverschuldeten südkoreanischen Unternehmens, Shin Kook- Hwan, deuten allerdings darauf hin, dass es möglicherweise aufgrund von zu weitgehenden Forderungen des us-amerikanischen Unternehmens zu einem Abbruch der Verhandlungen kommen könnte. Micron-Chef Steve Appleton sagte, die Übernahme der Toshiba-Fabrik zeige, dass Micron sein Speichergeschäft weiter stärken werde.

Analyst Michael Bahlmann vom Bankhaus M.M.Warburg erklärte, für Infineon habe sich zwar "die Chance für einen großen Sprung nach vorn zerschlagen", jedoch können sich die Deutschen auch allein behaupten. Positiv sei aber auf jeden Fall, dass mit dem Rückzug von Toshiba Kapazität aus dem Speichermarkt genommen werde.

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