Japans Elektronikkonzerne sind die großen Verlierer der Chipkrise
Erste Hoffnungszeichen für den Halbleitermarkt

Große japanische Hersteller von Halbleitern reduzieren ihre Kapazitäten drastisch. Hitachi und Toshiba wollen insgesamt 40 000 Stellen streichen. Intel erwartet dagegen noch in diesem Jahr eine Belebung.

HB DÜSSELDORF. Nach dem schärfsten Einbruch in der Geschichte des Halbleitermarktes ist die Meinung über die weitere Entwicklung der Branche geteilt. Während große japanische Chiphersteller ihre Kapazitäten drastisch reduzieren und das US-Technologieunternehmen Motorola über einen totalen Rückzug aus der Halbleitersparte nachdenkt, äußert sich der weltgrößte Halbleiterhersteller Intel zuversichtlich. Intels Erwartung einer leichten Trendwende am PC-Markt könnte die Börsen beflügeln. Cisco-Chef John Chambers hatte bereits mit seiner Äußerung, er sehe erste Anzeichen einer Stabilisierung, am vergangenen Freitag für steigende Aktienkurse gesorgt.

Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin sagte Jürgen Thiel, Deutschland-Geschäftsführer und Europa-Direktor von Intel: "Die Anschaffungszyklen beginnen bei vielen Unternehmen langsam wieder." Zuletzt hätten die Kunden vor dem Jahr 2000 in neue Geräte investiert, noch in diesem Jahr erwartet Thiel den nächsten Investitions-Zyklus.

Im Konsumenten-Markt zeichne sich ebenfalls langsam eine Besserung ab. Auch Philips-Chef Gerard Kleisterlee ist zuversichtlich: "Bei Halbleitern ist der Tiefpunkt beim Auftragseingang erreicht", sagte er in Berlin. Es sei aber für eine sichere Aussage noch zu früh, da das wichtige Weihnachtsgeschäft noch ausstehe. "Wir sehen erst Anfang September klar."

Intel wird die Nachfrage wohl auch durch kräftige Preisnachlässe stimulieren. Erwartet wird, dass der weltgrößte Halbleiterhersteller die Preise seiner Pentium-4-Prozessoren bereits in den nächsten Tagen um über 50 Prozent senkt.

Viele Aktien von US- und europäischen Halbleiter-Herstellern haben in der vergangenen Woche bereits wieder einigen Boden gut machen können. Sie profitierten von einer recht positiven Statistik des Ausrüsterverbandes Semiconductor Equipment and Materials International (Semi). Semi hatte gemeldet, dass die Auftragseingänge der nordamerikanischen Ausrüsterfirmen für die Halbleiterindustrie im Juli besser als erwartet ausgefallen seien. Hilfreich war auch eine Studie der Investmentbank Merrill Lynch, die die Bewertung der Aktien von zwölf führenden Halbleiterunternehmen angehoben hatte. Größter Gewinner im Dax war in der vergangenen Woche Infineon mit einem Plus von 16,9 %.

Verlierer der Krise am Halbleitermarkt sind vor allem japanische Anbieter. Der größte japanische Elektronikkonzern Hitachi will 20 000 seiner 340 000 Arbeitsplätze abbauen. Besonders der Bereich Halbleiter sei davon betroffen. Toshiba will Medienberichten zufolge ebenfalls 20 000 seiner weltweit rund 190 000 Stellen streichen. Im Mikrochipgeschäft erwartet Toshiba einen Verlust von rund 100 Mrd. Yen, nach zuvor noch geschätzten 50 Mrd. Yen Gewinn.

Angesichts des rapiden Preisverfalls wolle der Konzern nun sein Geschäft mit Speicherchips ausgliedern, berichten japanische Zeitungen. Toshiba führt Gespräche mit der Siemens-Chiptochter Infineon und dem südkoreanischen Anbieter Samsung über eine Zusammenarbeit bei DRAM-Speicherchips. Toshiba wäre damit der erste japanische Hersteller, der sein Speicherchip-Geschäft mit einem Auslandskonzern verschmelzen würde.

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