Japans-Finanzkrise ist schlimmer als viele glauben
Experten halten US-Aktien für sehr hoch bewertet

Andrew Crockett, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), hat den Notenbankgouverneuren, die zum Wochenende ihre monatlichen Beratungen in Basel aufgenommen haben, eine Warnung ins Gästebuch geschrieben.

egl BASEL. Bei den sich aufhellenden Wachstumsperspektiven dürften die Geldbehörden nicht wieder den Fehler machen, sich zu sehr auf die Bekämpfung der Verbraucherpreisinflation zu fokussieren und darüber die Risiken einer sich in den Vermögenspreisen festsetzenden Inflationierung zu übersehen.

Das Beispiel Japan werde zeigen, welche verheerenden Auswirkungen eine nicht rechtzeitig bereinigte Vermögenspreisinflation gesamtwirtschaft haben könne. Die Finanzkrise Japans sei schlimmer, als viele glaubten. Crockett meldete sich in einem Interview mit dem "Financial Regulator" am gleichen Tag zu Wort, an dem die BIZ in ihrem neuen Quartalsbericht die aktuelle Bilanz der internationalen Finanzmärkte präsentierte.

In dem Bericht weist die BIZ auf die sehr hohen Bewertungen am US-Aktienmarkt hin. Die von der konjunkturellen Erholung ausgehende Euphorie an den Aktienmärkten habe mit der Enron-Pleite zwar einen Dämpfer erfahren. Anfang Januar hätten die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) für den Standart & Poor?s 500-Index (S&P) aber immer noch die Bewertungshochs der Aktienhausse vom April 2000 übertroffen. Die historisch hohen Bewertungen im Schlussquartal 2001 seien freilich das Ergebnis krasser Gewinneinbußen, nicht nur gefallener Kurse, erläutert die BIZ. In der Rezession 1990/91 seien die Gewinne um etwa ein Drittel, im Jahr 2001 um 47 % eingebrochen.

Dass die Marktbewertung trotzdem hoch gehalten wurde, deuten die BIZ-Experten wie folgt: Hohe Restrukturierungsabschreibungen werden von den Märkten als Verbesserung künftiger Gewinnchancen interpretiert. Zudem sehen die Märkte die Risiken künftiger Fehlinvestitionen als geringer an. Hinter den hohen Bewertungen stecke auch die Erwartung, dass die geschäftliche Erholung diesmal schneller komme als nach früheren Abschwüngen.

Ausführlich geht die BIZ auf die jüngsten Marktbelastungen ein: Die Bedenken des Marktes hinsichtlich der Durchschaubarkeit der Jahresabschlüsse vieler Unternehmen in den USA und Europa hätten zu erheblichen Kursrückgängen geführt. Aktien und Anleihen von Unternehmen mit hohem Fremdfinanzierungsanteil oder dem Anschein nach undurchsichtigen Firmenbilanzen seien abgestraft worden. Auf der anderen Seite hätten sich die negativen Auswirkungen der Finanzkrise in Argentinien in Grenzen gehalten - auch nachdem das Land seine Auslandsschulden in Höhe von rund 132 Mrd. Dollar nicht mehr habe bedienen können.

Für das Schlußquartal 2001 stellt die BIZ für die Anleihen der aufstrebenden Volkswirtschaften (Emerging Markets) trotz des Argentinien-Debakels sogar eine weitere Verengung der Risikoaufschläge fest.

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