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Japans Fußball im Aufwind

Japans Auswahl und die deutsche Nationalmannschaft haben eines gemeinsam: Ihr prominentestes Mitglied sitzt auf der Trainerbank. Der brasilianische Weltstar Zico hat im Land der aufgehenden Sonne eine ähnliche Aufbruchstimmung entfacht wie Jürgen Klinsmann in Deutschland.

dpa YOKOHAMA. Japans Auswahl und die deutsche Nationalmannschaft haben eines gemeinsam: Ihr prominentestes Mitglied sitzt auf der Trainerbank. Der brasilianische Weltstar Zico hat im Land der aufgehenden Sonne eine ähnliche Aufbruchstimmung entfacht wie Jürgen Klinsmann in Deutschland.

Nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten, die Zico fast den Trainerstuhl gekostet hätten, sind die Japaner wieder die Nummer eins in Asien. In China, wo die Mannschaft wegen Japans Kriegsvergangenheit ausgepfiffen und angepöbelt wurde, verteidigte die Zico-Elf mit Glück und bewundernswerter Abgeklärtheit den Titel als Asienmeister. Und auch die erste Qualifikationsrunde für die WM 2006 überstand sie ohne Niederlage.

Hinzu kamen Siege gegen Tschechien und Island sowie ein Unentschieden gegen England bei einer Europareise vor der EM 2004. Gerade diese Erfolge haben das Selbstbewusstsein der Talente gestärkt, die nicht in Europa, sondern in der japanischen Profi-Liga spielen. "Japan ist noch keine Top-Mannschaft. Aber das Niveau der japanischen Spieler hat sich weiter erheblich verbessert", kommentiert Ex-Weltmeister Guido Buchwald die Entwicklung. Buchwald gehört zu den Kennern der Szene: Drei Jahre hat er in der J-League gespielt. Nun ist er als Trainer von Vizemeister Urawa Red Diamonds erfolgreich.

Mit einem Sieg über den Vize-Weltmeister Deutschland wollen die Japaner in Yokohama ihr erfolgreiches Fußball-Jahr beenden. Allerdings muss Zico wichtige Leistungsträger ersetzen. Nach den Europa-Legionären Hidetoshi Nakata (AC Florenz), Shunsuke Nakamura (Reggina) und Shinji Ono (Feyenoord Rotterdam) fehlt verletzungsbedingt auch Abwehr-Ass Tsuneyasu Miyamoto (Gamba Osaka). Der Einsatz des zweiten Top-Verteidigers Yuji Nakazawa, Japans Fußballer des Jahres, ist wegen einer Knöchelverletzung fraglich.

"Technisch stark waren die Japaner schon immer. Jetzt haben sie auch im taktischen und mentalen Bereich große Fortschritte gemacht", sagt Buchwald. Die Erfolge der Nationalmannschaft, die es bei der WM im eigenen Land immerhin bis ins Achtelfinale schaffte, helfen natürlich, Fußball im Baseball-Land Nippon weiter zu etablieren. Allen Unkenrufen zum Trotz, die von leeren Stadien und einem Niedergang der J-League warnten, geht es weiter aufwärts.

Die gerade beendeten Endspiele um die Meisterschaft waren ausverkauft, fast 65 000 Fans in Yokohama bedeuteten J-League-Rekord. Mit einem Schnitt von fast 19 000 Zuschauern pro Spiel in dieser Saison hat sich die erst 1993 gegründete Profiliga eine beachtliche Fanbasis erarbeitet. Sie liegt damit weit vor Portugal, Schottland oder Holland, traditionellen europäischen Fußballhochburgen, und fast gleichauf mit Frankreich.

Das große Vorbild der J-League bleibt die Bundesliga. Doch ein wenig stolz können die japanischen Fußballfans jetzt schon sein: Im Duell mit dem Goliath Baseball hat David Fußball sich bisher überraschend gut behauptet. Ein Erfolg über Vize-Weltmeister Deutschland würde für konkurrenzlose Riesenschlagzeilen sorgen - die Baseballer machen schon lange Winterpause.

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