Japans Mobilfunk-Marktführer ändert seine Expansionsstrategie in Europa
Docomo bietet Partnern I-Mode statt Kapital

NTT Docomo sucht nach effektiveren Wegen, seinem mobilen Datendienst I-Mode international zum Durchbruch zu verhelfen. Vergangene Woche ging Japans Mobilfunk-Marktführer zum ersten Mal eine Allianz mit einem Übersee-Partner ein, ohne eine Minderheitsbeteiligung zu erwerben.

HONGKONG. Die Kooperation von NTT Docomo mit dem französischen Mobilfunkkonzern Bouygues Telecom, das vermuten Analysten, ist der Beginn einer neuen Auslandsstrategie der Japaner. Sie könnte Docomos ins Stocken geratene Expansion vereinfachen. Schon verhandeln die Japaner mit Mobilfunkanbietern in Spanien und Italien und suchen in China und anderen asiatischen Nachbarländern nach Partnern für I-Mode. Weitere Deals könnten deshalb bald folgen.

NTT Docomo erstmalig mit tiefroten Zahlen

Docomo hat aus Fehlern gelernt und einen billigeren Expansionsweg gefunden. Bisher zementierte der Mobilfunker seine I-Mode-Allianzen durch den Kauf von Minderheitsanteilen. Dadurch wollte er sicher stellen, dass Partner die Technik wirklich nutzen und sich beim Übergang zu UMTS für den europäischen Standard W-CDMA entscheiden. Diese Absicherung kam Docomo teuer: Die Hälfte der 14,3 Mrd. $, die der Konzern in die amerikanische AT&T Wireless, die niederländische KPN und Hongkongs Hutchison Telecom investiert hat, muss er abschreiben. Die Wertberichtigungen werden dem höchst profitablen Konzern für das abgelaufene Bilanzjahr zum ersten Mal tiefrote Zahlen bescheren.

Docomo gewinnt Flexibilität

Mit Bouygues hat Docomo ein zehnjähriges Lizenzabkommen für die Überlassung der I-Mode-Technologie abgeschlossen. Der Verzicht auf eine Beteiligung findet Beifall bei Analysten wie Mark Berman von Crédit Suisse First Boston. "Wir halten den Bouygues-Deal für genau den richtigen Weg, I-Mode weltweit zu verbreiten", sagt er. Für Kirk Boodry von Dresdner Kleinwort Wasserstein hat Docomo damit an Flexibilität gewonnen. Er hält es für möglich, dass der Mobilfunker nach einem Jahr Pause bei der Partnersuche nun wieder aufs Tempo drückt.

UMTS kommt in Japan nicht in Gang

Für weiteres Wachstum ist Docomo auf Übersee angewiesen. Mit 41 Mill. Kunden kontrolliert das Unternehmen zwar fast zwei Drittel des japanischen Mobilfunkmarkts, doch der ist zunehmend gesättigt. Außerdem kommt UMTS selbst in Japan nicht in Gang. Ein halbes Jahr nach dem Start des Netzes hat Docomo nicht mehr als 90 000 Kunden geworben. Derweil stiehlt der viel kleinere Rivale KDDI dem Riesen die Schau - und zwar mit der vom US-Konzern Qualcomm entwickelten Konkurrenz-Technik CDMA2000 1x. Sie bietet mit Bildübertragung und schnellem Internetzugang ähnliche Dienste wie UMTS. Innerhalb eines Monats hat KDDI damit 280 000 Nutzer geworben.

Japans I-Mode-Potenzial hat Docomo so gut wie ausgeschöpft. Deshalb soll der Dienst im Ausland neue Wachstumsquellen sprudeln lassen. In Deutschland hat E-Plus den Internet-Dienst diesen Monat freigeschaltet, die Mutter KPN hat ihn in den Niederlanden starten lassen. Belgien soll im Juni folgen, und in den USA will AT&T Wireless I-Mode auf den Markt bringen.

Allerdings weicht Docomo-Präsident Keiji Tachikawa Fragen aus, ob das Unternehmen auch bei den nächsten Deals auf eine Kapitalbeteiligung verzichten will. "Wir glauben weiter, dass man Allianzen am besten durch Minderheitsbeteiligungen festigt", erklärte er nach Bekanntgabe der Bouygues-Kooperation. Im gleichen Atemzug kündigte der Manager für den Fall von Konflikten mit bestehenden Partnern eine härtere Gangart an: Bei grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten werde Docomo entweder beim Partner aussteigen oder ihn übernehmen. Als Beispiele für mögliche Reibungsflächen nannte Tachikawa die Strategie zur Einführung der vierten Mobilfunkgeneration (4G) oder Veränderungen im Aktionärskreis der Parter.

Handy-Hersteller hängen am Wohl von I-Mode

Am Wohl oder Wehe von I-Mode hängt auch das Schicksal von Japans Handy-Herstellern. Denn ihnen ist der Schritt auf die Weltmärkte bislang nicht gelungen. Im Windschatten von I-Mode wollen sie nun aus dem engen Heimatmarkt ausbrechen. Die Endgeräte für den neuen Datendienst von E-Plus liefert zum Beispiel NEC. Zusammen mit Matsushita (Panasonic) ist NEC Marktführer auf Japans Handy-Markt.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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