Japans Staatschef geht vor dem G8-Gipfel in die Offensive
Koizumi: "Der Yen ist zu hoch"

Japans Premierminister Koizumi möchte nicht, dass die Welt auf sein Land mit dem Finger zeigt. Japans Wirtschaft muss besser im Ausland dargestellt werden, der Kurs des Yen muss runter, so seine Forderungen.

bas TOKIO. Kurz vor Beginn des G8-Gipfels in Evian fordert Japans Premierminister Junichiro Koizumi einen schwächeren Yen. "Wenn so viele ausländische Länder mit dem Finger auf Japan zeigen und sagen, dass die japanische Wirtschaft sich so schlecht entwickelt, dann sollte der Yen auch nicht so stark sein", sagte der Staatschef im Interview mit fünf Journalisten in Tokio, bei dem das Handelsblatt als einziges deutsches Medium vertreten war.

Als die USA und Großbritannien mitten in ihren Wirtschaftsreformen gesteckt hätten, seien Dollar und Pfund gefallen. Die japanische Währung hingegen stehe heute immer noch dreimal höher zum Dollar als vor 30 Jahren und fünfmal höher zum Pfund. "Europäische und US-Ratingagenturen stellen unsere Staatsanleihen auf das gleiche Niveau wie die von Botswana. Aber warum geht der Yen dann nicht runter?", geht Koizumi in die Offensive. Augenscheinlich ist Japans Premier nicht bereit, sich allein den Schuh der weltweiten Konjunkturbremse anzuziehen.

"Wirtschaftskraft Japans wird unterschätzt"

Ein Teil dieses Widerspruches sieht Koizumi, der vor dem G8-Treffen in St. Petersburg Chinas Premierminster Hu Jintao und Russlands Präsidenten Vladimir Putin trifft, darin, dass die Wirtschaftskraft Japans unterschätzt wird. "Wir sind kein Kreditnehmerland, sondern Japan ist der größte Kreditgeber der Welt." Nachdem Fiskalund Geldpolitik zehn Jahre lang keine Wirkung gezeigt hätten in Japan, seien Strukturreformen der einzige Weg, um langfristig wieder nachfristig zu wachsen. Die Reformen im Steuer- und Finanzsystem, in der Fiskalpolitik und der Regulierung kosteten jedoch Zeit.

Angesichts eines starken Yen zum Dollar und der weltweiten Wirtschaftsflaute geben die Exporte Japan derzeit nicht den erhofften Schub wie im vergangenen Jahr. So wird es umso wichtiger, die Binnennachfrage zu beleben. "Um die Inlandsnachfrage anzuschieben, werden wir die öffentlichen Ausgaben nicht anheben", teilte Koizumi Forderungen aus den konservativen Reihen seiner Partei eine Absage. "Es ist wichtiger, dass wir die Aktivitäten des Privatsektors stimulieren." Dazu wolle die Regierung unter anderem ausländische Investoren in Japan besser unterstützen und deren Direktinvestitionen im Land in den kommenden fünf Jahren verdoppeln.

Deflation soll schnell bekämpft werden

Er werde zusammen mit der japanischen Zentralbank dafür kämpfen, die Deflation im Land so schnell wie möglich zu beseitigen. Eine Deflationsspirale, jedoch, bei der auch der reale Konsum sinkt, habe man bislang verhindert, betonte der Premier. Ängste um Japans Finanzsystem nach dem Beinahe-Zusammenbruch der fünftgrößten Bankengruppe Resona seien unbegründet. "Ich glaube nicht, dass sich bei den anderen Großbanken eine ähnliche Situation ereignen kann." Vielmehr hoffe er, dass das Management der anderen Banken durch das abschreckende Beispiel Resona nun aktiver an der Bilanzbereinigung arbeite.

Eines der Themen auf dem G8-Gipfel wird der Nuklearkonflikt mit Nordkorea sein. Koizumi zeigte sich optimistisch, dass der Konflikt auf dem Verhandlungsweg gelöst werden könne. Zwar erschrecke Nordkorea mit provokativen Äußerungen und Taten. "Aber es wichtig zu unterscheiden, was an der Oberfläche geschieht und was die wahren Absichten sind." Dennoch ließen sich die USA, Südkorea und Japan nicht erpressen. "Es ist wichtig, auf Nordkorea einzuwirken, damit sie verstehen, dass ein solches Verhalten keinen Sinn hat."

Wirtschaftshilfen werde es von japanischer Seite erst geben, wenn die Streitpunkte Atomprogramm, Raketenentwicklung und die Entführung japanischer Staatsangehöriger geklärt seien. Die Rolle, die China als Vermittler während des Pekinger Gipfels vor wenigen Wochen gespielt habe, schätze er hoch ein. Er wisse, welchen Einfluss China auf Nordkorea habe. Dennoch werde er bei seinem ersten Treffen mit Chinas Premier Hu Jintao nicht über mögliche Sanktionen gegen Nordkorea sprechen. Ein Thema werde die zunehmende gegenseitige Verflechtung der beiden asiatischen Staaten sein.

Derzeit bemühen sich China und Japan um ein besseres Verhältnis. China ist die langfristige Aufrüstung Japans ein Dorn im Auge, darunter das mit der Bedrohung aus Nordkorea wahrscheinlicher werdende gemeinsame Raketenabwehrsystem von Japan und den USA in Asien.

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