Japans Star düpiert heimische Presse
Unjapanischer Wirbel um Nakata

Japans Superstar Hiedtoshi Nakata, von japanischen Teenagern "verehrt wie ein Gott", von traditionsbewussten Landsleuten aber kritisch beäugt, macht seinem Ruf als Exzentriker einmal mehr alle Ehre. Erbost über die Spekulationen der heimischen Zeitungen über ein Karriereende nach dem WM-Turnier brach er eine Pressekonferenz vorzeitig ab.

dpa FUKUROI. Ein Wutausbruch von Superstar Hidetoshi Nakata hat im Land des WM-Mitgastgebers Japan für mächtig Wirbel gesorgt. Erbost über die Spekulationen der heimischen Zeitungen, wonach er seine internationale Karriere nach dem WM-Turnier beenden will, verkürzte der exzentrische Mittelfeldspieler vom AC Parma eigenmächtig die Pressekonferenz. "Das ist nicht fair. Solche Geschichten stören die Stimmung bei den Fans und der Mannschaft", schimpfte der 25-Jährige und verweigerte kurzerhand weitere Fragen.

Damit machte Nakata seinem Ruf als Exzentriker einmal mehr alle Ehre. Der vom österreichischen "Sport-Magazin" vor Jahren als "James Dean Japans" bezeichnete Profi wird in seinem Heimatland von den Jugendlichen laut Japan-Kenner Pierre Littbarski zwar "verehrt wie ein Gott", von seinen traditionsbewussteren älteren Landsleuten jedoch kritisch beäugt. Einer, der seine Individualität mit schräger Mode und gefärbten Haaren zur Schau stellt, taugt in deren Augen nur bedingt als Botschafter des Landes.

Wie populär der größte kickende Exportschlager dennoch ist, beweist der stete Rummel um seine Person. Obwohl ihm Mannschaftskollege Junichi Inamoto (Arsenal London) beim gefeierten 2:2 gegen Belgien die Schau stahl, gilt das Hauptaugenmerk noch immer Nakata. Schließlich sehen viele in dem 25 Millionen Euro teuren Mittelfeldspieler aus Parma eine Symbolfigur des aufstrebenden heimischen Fußballs. In seinem Sog wechselten mit Yoshikatsu Kawaguchi (FC Portsmouth), Shinji Ono (Feyenoord Rotterdam) und Inamoto drei weitere Profis aus der J-League nach Europa.

Nicht erst seit seinem Durchbruch in der Serie A weigert sich Nakata, es seinen jungen Kollegen gleich zu tun und die älteren Mitspieler respektvoll mit "san" (Herr) anzusprechen. Der bewusste Bruch mit Traditionen brachte ihm bei den Teens reichlich Sympathien ein, rief beim nicht minder exzentrischen Nationalcoach Philippe Troussier jedoch Misstrauen hervor. Aus Verärgerung über die häufige Abwesenheit seines Spielmachers, der ihm in der vierjährigen Vorbereitungszeit "nur an 20 Tagen" zur Verfügung stand, verkündete der Franzose öffentlich, er kenne Nakata nicht.

Troussier lässt keine Gelegenheit ungenutzt, seinen eigenwilligen Star zu einem mannschaftsdienlichen Spieler zu machen. Unverblümt machte er noch kurz vor der WM auf dessen Defizite aufmerksam: "Er denkt erst mal ans Geschäft und dann erst an seinen Sport. Wenn Nakata Fußball spielt, tut er dies wie ein Premierminister."

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