Jede fünfte Stelle betroffen
Bahn bereitet weiteren Stellenabbau vor

Die Deutsche Bahn will über Vermittlungs- und Transfergesellschaften voraussichtlich tausende von Arbeitsplätzen auslagern und unter Umständen abbauen.

dpa BERLIN. Da bis Ende 2004 betriebsbedingte Kündigungen im Konzern ausgeschlossen sind, Bahnchef Hartmut Mehdorn die Personalkosten aber bis dahin um ein Fünftel senken will, sollen Beschäftigte an Auffanggesellschaften abgegeben werden. Von dort aus sollen sie möglichst an Stellen außerhalb des Konzerns vermittelt werden. Der Konzernbetriebsrat stimmte den Plänen vergangene Woche zu, bestätigte das Unternehmen am Dienstag einen Bericht der "Stuttgarter Nachrichten". Vorstand und Gewerkschaften hatten sich bereits im März geeinigt.

Im Extremfall könnten nach Angaben der Gewerkschaft Transnet vom Dienstag bis zu 47 000 Stellen ausgelagert - und unter Umständen abgebaut - werden. Das wäre dann rund jede fünfte Stelle im Bahnkonzern. Er gehe jedoch davon aus, dass diese Größenordnungen nicht eintreten werden, sagte ein Transnet-Sprecher. Das erste Quartal des Konzerns zeige, dass sich die Geschäfte besser als geplant entwickelten. Derzeit liegt die Wertschöpfung pro Beschäftigten bei der Bahn mit 71 100 DM immer noch um 1 000 DM unter den Personalkosten. Die Bahn lebt daher trotz Fortschritten immer noch von der Substanz.

Personalkosten sollen um 3,3 Mrd. DM gesenkt werden

Die Deutsche Bahn AG wollte die Anzahl der Stellen, die ausgelagert werden, nicht beziffern. Ein Sprecher verwies jedoch darauf, dass das Ziel, die Personalkosten bis 2005 um 3,3 Mrd. DM zu senken, weiter stehe. Dabei würden jedoch auch andere Mittel wie natürliche Fluktuation genutzt.

Am 1. Juli wird für die Auslagerung die Berliner DB Vermittlung GmbH als 100-prozentige Bahntochter ihre Arbeit aufnehmen. Wie an ihre Vorgängerin DB Arbeit GmbH sollen an sie nicht kündbare Beschäftigte abgegeben werden, im Extremfall gut 30 000. Die Bahn - Tochter soll sie dann ähnlich einer Zeitarbeitsfirma vermitteln. Angestellte erhalten, wenn sie auf eine Stelle vorübergehend oder dauerhaft vermittelt werden, den gleichen Lohn wie zuvor. Ansonsten sollen sie nach Angaben der Gewerkschaft für 32 Wochenstunden bezahlt werden. Bei DB Arbeit waren Ende vergangenen Jahres 5 500 Mitarbeiter beschäftigt.

Zustimmung des Betriebsrates

Arbeitnehmer, die über Berufsjahre oder Verbeamtung keinen individuellen Kündigungsschutz genießen, sollen in konzernfremden Transfergesellschaften unterkommen. Auch dem stimmte der Betriebsrat prinzipiell zu. In dem Fall soll die Bundesanstalt für Arbeit auf Antrag bis zu 67 % des letzten Nettolohnes übernehmen. Die Bahn will auf 85 % aufstocken. Gewerkschaften und Bahn betonten, dass es hierfür noch keine konkrete Planung gebe.

Seit der Bahnreform 1994 sind im Konzern bereits mehr als 120 000 Stellen abgebaut worden. Ende 2000 waren noch gut 222 000 Menschen beschäftigt. Um konkurrenzfähig mit den aufkommenden privaten Wettbewerbern zu werden, hatten sich Gewerkschaften und Bahn im März auch auf flexiblere Branchentarifverträge geeinigt.

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