Jede nicht getauschte D-Mark ein Gewinn für die Bundesbank
Eichel profitiert vom Abschied der D-Mark

Die Euro-Umstellung ist praktisch abgeschlossen. Relativ nüchtern verabschieden Euro-Staaten ihre alten Währungen. Streit steht hingegen an, wenn es um die Verteilung der dabei entstehenden Zentralbank-Gewinne geht.

DÜSSELDORF. Kurz und schmerzlos: Ab Freitag hat die D-Mark als Zahlungsmittel endgültig ausgedient. Mit dem Donnerstag erlischt die freiwillige Selbstverpflichtung des deutschen Handels und Dienstleistungsgewerbes, DM-Bargeld zu akzeptieren. Doch noch längst sind nicht alle DM-Noten und-Münzen zur Bundesbank zurück geflossen. Nach Angaben der Bundesbank standen verglichen mit dem Stand von Ende 2000 am 20. Februar noch zehn Prozent der DM-Scheine aus. Wert: 26,9 Mrd. .

Die Bundesbank erwartet, dass sie bis auf 100 Millionen Stück im Wert von 2 Mrd. noch eingetauscht werden. Eile ist nicht geboten. Denn das alte deutsche Geld kann bei den Landeszentralbanken zeitlich unbegrenzt kostenfrei in Euro gewechselt werden. Da die Ressourcen der Kreditinstitute und Werttransportunternehmen vorrangig für die Bearbeitung von Banknoten eingesetzt werden, verläuft der Rückfluss der DM-Münzen weniger zügig. Am 21. Februar waren noch 54 Prozent des Wertes von Ende 2000 im Umlauf. Das entspricht 8,7 Mrd. .

"Knapp 20 Milliarden Münzen im Wert von 2,4 Mrd. werden gar nicht mehr zurückfließen", schätzt die Bundesbank. "Sie wurden seit 1948 als Glücksbringer in Brunnen geworfen, halten in Haushalten schiefe Möbelstücke im Gleichgewicht, wurden als Souveniers mit ins Ausland genommen, oder sind einfach verloren gegangen", sagt ein Sprecher der Bundesbank.

Wo das Geld auch immer geblieben ist - fest steht, dass sich der deutsche Finanzminister theoretisch über jede verschwundene Mark freuen kann. Denn hier winken ordentliche Gewinne für die Bundesbank, da der Wert des Euro-Bargeldes dem der rücklaufenden DM-Münzen bei weitem übertreffen wird. Da sind sich die Experten einig. Bisher hat Berlin darauf noch keinen Anspruch angemeldet.

Anders in Frankreich. Schon vor Monaten hat der französische Finanzminister Laurent Fabius in den Haushalt 2002 einen Betrag von 773 Mill. eingestellt - Einnahmen aus nicht zurück fließenden Franc-Scheinen und-Münzen. Als das vor zwei Monaten bekannt wurde, forderte die konservative Opposition, mit dem Geld Händler und Handwerker für ihre Kosten der Euro-Umstellung zu entschädigen. Andernfalls solle der zusätzliche Gewinn - wie in Irland - die Rentenkasse aufbessern. Fabius ist bisher stur geblieben. Die Euro-Einführung bedeute keinen Gewinn für den Staat, belehrte der Minister. "Wir haben im Gegenteil erhebliche Belastungen gehabt." Obwohl der französische Franc schon seit dem 17. Februar nicht mehr als Zahlungsmittel gilt, ist noch ein Drittel der Franc-Scheine und Münzen im Umlauf. Wert: 10,9 Mrd. . Franc-Münzen können bis Februar 2005, Scheine bis 2012 bei der französischen Notenbank eingetauscht werden.

In Italien hingegen kommt eine solche Diskussion gar nicht erst auf. Der Grund: Noch ist völlig unklar, inwieweit durch die Euroumstellung Haushaltseffekte entstehen. Das Finanzministerium kann derzeit nicht übersehen, wie viel Bargeld nicht zurück fließen werden. Bis heute ist die Lira als Zahlungsmittel im Umlauf. Die Umtauschfrist in den Geschäftsbanken hat die Regierung jedoch bis Ende Juni verlängert. Ausschließlich praktische Gründe seien dafür verantwortlich, sagt das Finanzministerium. Bei der Banca d?Italia können dann noch zehn Jahre lang Lire in Euro getauscht werden. Nach Schätzungen der Regierung sind bislang 6 Bill. Lire eingelöst worden. Das entspricht 3 Mrd. .

Die spanische Zentralbank hat nach eigenen Angaben bis Anfang letzter Woche Scheine und Münzen in Höhe von knapp 40 Mrd. Euro eingesammelt. "Das entspricht 80 % des Bargeldes, das sich Ende 2001 noch im Umlauf befand", sagt ein Sprecher der Notenbank. Der Prozess sei wesentlich schneller und reibungsloser als erwartet abgelaufen. Die Koexistenz von spanischen Peseten und Euros als offizielles Zahlungsmittel endet wie in Deutschland am 1. März. Bis dahin will die Zentralbank auf 85 % kommen. Spanische Geschäftsbanken nehmen noch bis 30. Juni Peseten an, danach sollen Banknoten wie auch Münzen unbefristet bei der nationalen Zentralbank eingetauscht werden können. Über Gewinne für die Zentralbank wird in Madrid nicht spekuliert.

Die niederländische Regierung erwartet einen Gewinn von 135 Mill. aus der Euro-Einführung. Bis zum 1. April können die Holländer kostenlos Noten und Münzen bei allen Banken wechseln. Danach wird der über 600 Jahre alte Gulden wie eine ausländische Währung behandelt: Der Umtausch ist gebührenpflichtig. Die Zentralbank wechselt weiter kostenlos: Noten 30 und Münzen sieben Jahre lang. Belgien benutzt jeden schlafenden Franc für den Ausbau des Pensionsfonds "Silver Funds". Zur Zeit sind noch Franc-Münzen und-Scheine im Wert von 2,1 Mrd. im Verkehr, bis Jahresende soll sich der Umlauf auf 200 Mill. reduzieren. Die Zentralbank tauscht Franc-Noten unbefristet, Münzen bis 2004. Die belgischen Banken akzeptieren Franc-Einzahlungen von Kunden kostenfrei. Wer aber den Betrag in Euro bar auf die Hand haben möchte, muss Gebühren zahlen.

In Finnland hatte die Zentralbank vor allem bei Münzen mit einer höheren Rücklaufquote gerechnet. "Wir gingen davon aus, 50 % der Münzen zurückzubekommen. Bisher ist nur ein Viertel umgetauscht worden", erklärte Anti Jussela von der Zentralbank in Helsinki dem Handelsblatt. Die nicht eingetauschten Münzen sind 200 Mill. wert. Bei den Scheinen stehen 20 % im Wert von 340 Mill. aus. "Wir glauben, dass wir noch deutlich mehr altes Geld zurück bekommen werden", zeigte sich Jussela zuversichtlich. Wenn nicht, wäre der Finanzminister auch nicht traurig.

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