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Jedem dritten ist das eigene Urlaubsland egal - Billigreisen boomen

Hamburg (dpa) - Die meisten Menschen in Deutschland wollen im Urlaub nach Erhebungen eines Tourismusforschers fremde Länder und Regionen kennen lernen und nicht nur Erholungsangebote konsumieren.

Hamburg (dpa) - Die meisten Menschen in Deutschland wollen im Urlaub nach Erhebungen eines Tourismusforschers fremde Länder und Regionen kennen lernen und nicht nur Erholungsangebote konsumieren.

«Bei mehreren Studien zeigte sich, dass sich nur rund ein Drittel der Reisenden nicht wirklich für ihr Urlaubsland interessieren, zwei Drittel aber ihren Horizont erweitern und das Reiseland kennen lernen wollen», sagte Albrecht Steinecke, Professor für Wirtschafts- und Fremdenverkehrsgeographie in Paderborn, in einem dpa-Gespräch. Die Intensität schwanke dabei allerdings vom Abklappern einiger Sehenswürdigkeiten bis hin zu eingehender Beschäftigung mit dem Reiseland.

Das Preisbewusstsein ist dabei zu einem zentralen Kriterium bei der Urlaubsplanung geworden. «Die extreme Preissensibilität, die bereits seit den 90er Jahre angelegt ist, hat auf Grund der wirtschaftlichen Lage eine neue reale Basis bekommen», sagte Steinecke. Dieser Trend setze sich bereits seit dem massiven Ausweiten des Angebots an Billigreisen vor rund zehn Jahren durch. «Jetzt müssen viele aber wirklich sparen», sagte der Forscher. «Nur ein geringer Teil der Menschen in Deutschland verzichtet aus wirtschaftlichen Gründen aber bislang ganz auf Reisen.»

Daneben nehme auch der Anteil an hochpreisigen Reisen zu. «Die Märkte driften auseinander», sagte Steinecke. «Der Verlust der Mitte ist ein dauerhafter Trend.» Vor allem Gasthöfe, Pensionen und mittelpreisige Hotels hätten darunter zu leiden.

Einen breiten Trend zur «Exotik der Nähe», zu «Urlaub in der Heimat» oder authentischen Reisen dagegen, wie ihn Trendforscher wie Matthias Horx zuletzt ausriefen, lasse sich von amtlichen Daten dagegen nicht belegen. So sank die Zahl der Übernachtungen, die Deutsche in der deutschen Hotellerie buchten, nach Angaben des Statistischen Bundesamts sogar leicht von rund 297 Millionen (2002) auf 296 Millionen (2003).

Einige Regionen in Deutschland hätten zunehmend Schwierigkeiten, Urlauber anzulocken. «Viele Mittelgebirgsregionen tun sich auf Grund mangelnder Profilierung schwer, während die Küstenregionen vor allem Mecklenburg-Vorpommerns insgesamt Zuwächse verzeichnen», sagte Steinecke. Anstatt sich in der Nähe bei Kurzurlauben mit Übernachtungen zu erholen, zögen viele Tagestrips vor.

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