Jeder bekannte Fall soll gemeldet werden
Vatikan geht strenger gegen Kindesmissbrauch vor

Der Vatikan will schärfer als bisher gegen den sexuellen Kindesmissbrauch durch Priester vorgehen. Dazu hat Papst Johannes Paul II. (81) alle Bischöfe in der Welt angewiesen, künftig alle Verdachtsfälle direkt dem Vatikan zu melden.

dpa ROM. Die innerkirchlichen Ermittlungen soll die päpstliche Glaubens-Behörde unter ihrem Vorsitzenden Kardinal Joseph Ratzinger zentral führen. Ratzinger hat außerdem die Aufgabe, genaue Richtlinien zu erarbeiten, wie die Diözesen mit Pädophilen unter Priestern und Ordensleuten umgehen sollen.

Damit reagiere der Papst auf sich häufende Skandale, berichteten italienische Zeitungen am Mittwoch. Er habe sich entschlossen, endlich offensiv gegen das Tabuthema vorzugehen. Mit diesen Maßnahmen wolle man "nicht nur dazu beitragen, Verbrechen zu verhindern, sondern auch durch notwendige Sanktionen die Heiligkeit des Priesteramtes zu schützen", meinte Ratzinger den Angaben zufolge.

Vor allem in den USA deckten Medien kürzlich mehrere Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche auf. Schlagzeilen machte zudem der Fall des französischen Bischofs Pierre Pican, den ein Zivilgericht zu drei Monaten Haft verurteilte, weil er einen pädophilen Priester deckte. Auch in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren mehrmals Kirchenleute verurteilt. In der österreichischen Kirche löste in den 90er Jahren der Fall des ehemaligen Wiener Erzbischofs, Kardinal Hans-Hermann Groer, eine Krise aus: Er hatte sich als Religionslehrer an Kindern vergangen.

Die Maßnahmen des Vatikans, die der Papst vor Jahresende in lateinischen Schreiben anordnete, berühren nicht das Vorgehen von Zivilgerichten gegen Verdächtige. Sie sehen außerdem vor, dass künftig auch sexuelle Vergehen gegen Jugendliche bis zu 18 Jahren von der Kirche verfolgt werden; bisher lag die Altersgrenze bei 16 Jahren. Allerdings würden keine genauen Strafen festgelegt, hieß es in Rom.

Kritiker hatten immer wieder moniert, dass Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester von der römisch-katholischen Kirche vertuscht würden. Häufig seien Priester in der Vergangenheit lediglich ermahnt oder versetzt worden.

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