Jeder bekommt sie, wenige verdauen sie
Spam - verhasste Mail und geliebtes Dosenfleisch

Computernutzern in aller Welt macht sie das Leben schwer: die lästige Reklame im Internet. Im Fachjargon UCE und UBE genannt, verlieh der Volksmund diesen E-Mails verächtlich den Namen spam. Doch kaum jemand weiß, was sich dahinter verbirgt. Denn "Spam" ist eigentlich eine Dosenfleisch-Marke aus den USA, die Geschichte gemacht hat.

HB/dpa DÜSSELDORF/FORT WORTH. Der im Städtchen Austin im US-Bundesstaat Minnesota ansässige Hersteller Hormel erfand Spam im Jahre 1937. Der Name ist ein Kürzel für Spiced Ham, gewürzter Schinken. Das Produkt ist nichts anderes als klein geschnittenes, gewürztes und in Blechdosen gepresstes Schweinefleisch. Im Zweiten Weltkrieg wurde Spam zu einem Begriff weit über die USA hinaus. Mehr als 100 Millionen Dosen wurden an die US-Armee geliefert, und auch die Verbündeten lernten den handlichen Fleischblock schätzen.

In England halfen die Schweinefleisch-Spenden aus den USA der Bevölkerung, den Krieg und den Hunger zu überleben. "Spam war eine Kriegszeit-Delikatesse", sagte Margaret Thatcher einmal. In Großbritannien wird heute noch gern Spam gegessen. Millionen Dosen gingen auch an den Verbündeten Sowjetunion. "Ohne Spam hätten wir unsere Armee nicht ernähren können", schrieb Nikita Chruschtschow in seinen Memoiren.

Spam wurde beim Militär mit Rührei aus Pulver zum Frühstück serviert, in Eintöpfen, als Gulasch, in Aufläufen und Salaten oder auf Brot. "Ich habe meinen Anteil an Spam gegessen wie Millionen andere Soldaten auch", schrieb der General und spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower nach dem Krieg an die Herstellerfirma Hormel. "Und ich kann Ihnen offiziell Ihre einzige Sünde vergeben, nämlich dass Sie uns damals so viel davon geschickt haben."

Computernutzer sollen ihre Idee von einem TV-Sketch der britischen Comic-Truppe Monty Python erhalten haben. Darin sieht man ein Restaurant, in dem nur Spam-Gerichte angeboten werden: Suppe, Eier, Sandwiches, alles mit Spam. Eine Frau schreit "Ich mag kein Spam", und eine Bande Wikinger grölt daraufhin "Spam, Spam, Spam...". So kam die lästige Net-Reklame zu ihrem ausgefallenen Namen.

Trotz aller Diät-Trends ist das relativ fette und sehr nahrhafte Spam-Fleisch weiterhin beliebt. 1959 hatte Hormel bereits insgesamt eine Milliarde Dosen produziert. Im Jahr 2002 wurde die Grenze von sechs Milliarden durchbrochen. Heute wird Spam in 47 Länder verkauft.

Es gibt sogar Spam-Fanclubs, die Rezepte austauschen und Kochwettbewerbe veranstalten. Und bei der Fabrik in Austin, Minnesota, steht heute ein großes Museum, in dem man sich über die Geschichte von Spam informieren kann.

Ob Spam nun schmeckt oder nicht, es gehört fest zur amerikanischen Kultur. Echte Spam-Anhänger loben den Spam-Burger, Spam-Chili, Spam- Stroganoff, Spam-Broccoli-Auflauf, Spam-Makkaroni und vieles mehr. Bei einem Kochwettbewerb, der kürzlich in Georgia veranstaltet wurde, hatte die Gewinnerin ein Sandwich aus Spam-Fleisch mit Senf, Himbeermarmelade und Käse kreiert. Das Ganze wird leicht im Ofen angeröstet und mit Puderzucker bestreut. Übrigens soll auch Elvis Presley ein Fan von Spam gewesen sein.

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