Jeder dritte Mitarbeiter muss gehen
Kofler verordnet Premiere Radikalkur

Das hochdefizitäre Bezahlfernsehen Premiere verspricht einmal mehr, mit günstigen Angeboten und niedrigeren Kosten in die schwarzen Zahlen zu kommen.

jojo MÜNCHEN. "Wir werden unseren Plan radikal und schnell umsetzen", kündigte der neue Chef Georg Kofler am Mittwoch am Unternehmenssitz in Unterföhring an. Ziel des Medienmanagers ist es, in drei Jahren aus dem Milliardengrab ein börsenfähiges Unternehmen zu machen.

Der erste Schritt zur Gesundung: Jeder dritte der 2 400 Mitarbeiter muss in den kommenden Wochen seinen Schreibtisch räumen. Außerdem will Kofler die extrem hohen Ausgaben vor allem durch geringere Einkaufspreise für Filme und Sportrechte drücken. "Wir sind in konstruktiven Gesprächen mit Hollywood-Studios", betonte Kofler. Er sei zuversichtlich, bald zu einer Einigung zu kommen.

Kofler steht unter enormem Druck: Nur wenn er Banken und Anteilseignern schnell eine Perspektive bietet, werden sie nach dem Debakel der vergangenen Jahre weitere Millionen in Premiere stecken.

Die jüngsten Zahlen sind katastrophal. Unter dem Strich hat der Sender im vergangenen Jahr einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von knapp 1 Mrd. Euro eingefahren. Bei einem Umsatz von 813 Mill. Euro produzierte Premiere mehr als doppelt so hohe Kosten. Zum Vergleich: Die Pro SiebenSat 1 Media AG, die ebenfalls mehrheitlich zur Kirch-Gruppe gehört, erwirtschaftete 2001 einen Umsatz von rund 2 Mrd. Euro und ein Ebit von 154 Mill. Euro.

Angesichts der horrenden Verluste spekulierten Analysten in den vergangenen Wochen bereits, dass dem Sender im September das Geld ausgeht. Kofler selbst bezifferte den Finanzbedarf für das laufende Jahr "auf mehrere Hundert Millionen Euro". Von wem die dringend benötigten Mittel kommen sollen, ist völlig offen. Premiere gehört zu knapp 70 % der Kirch-Gruppe, die selbst fast pleite ist. Mit 22,3 % ist der erfolgreiche britische Pay-TV-Kanal BSkyB beteiligt. Die Briten haben allerdings bereits angekündigt, ihre Anteile im Herbst für 1,7 Mrd. Euro an Kirch zurückgeben zu wollen.

Die Forderung von BSkyB sowie zahlreiche andere Verpflichtungen haben den mit 6,5 Mrd. Euro verschuldeten Kirch-Konzern in den vergangenen Wochen an den Rand des Ruins getrieben. Bankenvertreter hatten daraufhin gefordert, Kirch solle auf sein Kerngeschäft zurechtgestutzt werden. Dazu zählen die Institute den Rechtehandel und die frei empfangbaren Fernsehsender, nicht aber das Pay-TV. Zahlreiche Banker bevorzugen deshalb offenbar den Verkauf oder die Schließung von Premiere.

So oder so: Vom Ausgang der Gespräche zwischen Kirch und seinen Gläubiger-Banken hängt es ab, ob Premiere weiter finanziert wird. Eine neue Verhandlungsrunde zwischen dem Medienkonzern und Banken bis zum frühen Mittwoch Abend noch nicht beendet.

Parallel zu seinen Sparplänen legte Kofler am Mittwoch auch neue Abo-Angebote vor. Mit leichter durchschaubaren Tarifen soll die Kundenzahl von momentan 2,4 Millionen auf 3,2 Millionen Ende 2003 steigen. Kofler will die Zuschauer jetzt mit einem Einstiegstarif von 5 Euro locken.

Im vergangenen Herbst hatte einer von Koflers Vorgängern, Manfred Puffer, schon einmal einen Versuch mit niedrigeren Preisen gestartet. Damals mussten die Abonnenten allerdings noch 30 DM für die Holzklasse des Bezahlfernsehens berappen.

Gegenwärtig würden sich jeden Tag zwischen 1 200 und 1 500 Leute für ein Zweijahres-Abo entscheiden, freut sich Kofler. Der Südtiroler macht sich selbst Mut: Die Marktdurchdringung des Bezahlfernsehens in Deutschland liege noch weit unter der in anderen Industrieländern. "Dramatische Zuwächse" seien dennoch nicht zu erwarten.

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