Jeder Prozess auf dem Prüfstand
Deutsche Bank will bis zu 5 500 Stellen auslagern

Die Deutsche Bank setzt ihren Sparkurs fort und überprüft die mögliche Ausgliederung weiterer Arbeitsbereiche des Konzerns. Einem Zeitungsbericht zufolge will Deutschlands größtes Geldhaus in der Sparte "Global Technology and Operations" (GTO) 5500 Arbeitsplätze an externe Dienstleister abgeben oder in Niedrig-Lohn-Länder verlagern.

Reuters FRANKFURT. Ein Sprecher der Bank kommentierte den Bericht am Montag allerdings mit den Worten: "Es gibt hierzu weder eine faktische Entscheidungsgrundlage, noch liegen konkrete Zahlen vor." Er fügte hinzu: "Es gibt Überlegungen prinzipieller Art, welche Teilbereiche in Sourcing-Modelle überführt werden können."

Die Deutsche Bank hat im Zuge der schweren Branchenkrise bereits zahlreiche Stellen abgebaut oder ausgelagert. Der seit rund einem Jahr amtierende Konzernchef Josef Ackermann hatte jüngst noch angekündigt, beim Sparkurs auch weiter auf Outsourcing setzen zu wollen. Der Aktienkurs des Geldhauses stieg am Montag in einem insgesamt sehr freundlichen Markt um überdurchschnittliche 2,9 % auf 58,90 ?.

Der Bereich "Global Technology and Operations" (GTO) der Deutschen Bank beschäftigt knapp 11.000 Mitarbeiter und befasst sich unter anderem mit der Softwareentwicklungen für verschiedene Konzernaufgaben. Nach Informationen der Zeitung "Die Welt" könnten bis Ende 2005 rund die Hälfte der Arbeitsplätze vom Umbau betroffen sein. Vor allem die Stellen an kostspieligen Standorten wie Frankfurt, London oder New York könnten in Niedriglohnländer zum Beispiel Osteuropas oder nach Indien verlagert werden.

"Zu sagen, wir gliedern 5500 Stellen aus, wäre eine grundverkehrte und falsche Botschaft", kommentierte ein Sprecher der Deutschen Bank den "Welt"-Bericht. Er verwies zugleich auf die Aussage von Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti, wonach "jeder einzelne Prozess" in der Bank auf den Prüfstand gestellt werde. Der Sprecher bestätigte auch, dass ein Teil der Softwareentwicklung für den Personalbereich der Deutschen Bank an die Unternehmensberatung Accenture abgegeben werde. Die Sparte insgesamt beschäftige rund 150 Mitarbeiter, wieviel Stellen von der Ausgliederung betroffen sein werden, konnte der Sprecher noch nicht sagen.

Die Deutsche Bank setzt bei ihren Verschlankungsbemühungen zur Einsparung von Kosten auf das so genannte Sourcing. Dabei werden Aufgaben- und Teilbereiche verschiedener Abteilungen dahingehend überprüft, ob sie weiterhin vom Konzern selbst erledigt oder zur Steigerung der Effizienz an Dritte abgegeben werden. Dabei kann es zu Auslagerungen oder auch Zusammenlegungen kommen. Erst vor einigen Monaten hatte das Geldhaus seine kontinentaleuropäischen Rechenzentren an den Computerkonzern IBM ausgegliedert. Die insgesamt 900 Mitarbeiter wurden von IBM übernommen, der Vertrag hat ein Volumen von 2,5 Mrd. ? und läuft zehn Jahre.

Die Deutsche Bank legt ihren Fokus zusehends auf die Erträge aus den Kerngeschäften Zinsen und Provisionen sowie den Eigenhandel. Konzernchef Ackermann hatte jüngst noch betont, die Kosteneinsparungen auch über Ausgliederungen vorantreiben zu wollen. "Ich gehe davon aus, dass wir weiter outsourcen werden und es in der ganzen Welt noch zu einem zusätzlichen Stellenabbau kommt", hatte er gesagt. "Aber derzeit ist nichts geplant." Im Inland würden in diesem Jahr keine weiteren Jobs wegfallen, bekräftigte der Bankchef und deutete an, dass es auch 2004 keine drastischen Veränderungen konzernweit geplant seien.

Die Zahl der Vollzeitstellen bei der Deutschen Bank ist nach Angaben des Instituts von rund 90 000 Ende 2000 auf derzeit noch knapp 71 000 gesunken. Dem Bericht der "Welt" zufolge prüft die Deutsche Bank neben der Personal-Sofware auch Ausgliederungen beim Einkauf sowie der Weiterentwicklungen bankinterner SAP-Anwendungen. Insgesamt rund 500 Arbeitsplätze seien schätzungsweise von diesen drei Projekten betroffen. Der Sprecher wollte dies nicht kommentieren.

Quelle: Handelsblatt, 28.07.2003

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