Jeder zehnte Analyst bewertet die Cisco-Aktie negativ
Cisco gibt den Kurs vor

Auch nach dem massiven Kurssturz bleibt Cisco der Leithammel der Internet-Firmen. Der Netzwerk-Ausrüster legt am Dienstag nach Börsenschluss seine Quartalsergebnisse vor. Für die Branche hängt viel davon ab, ob Cisco-Chef John Chambers die Erwartungen der Analysten erfüllen kann.

siri/tmo SAN FRANCISCO/DÜSSELDORF. Das waren noch Zeiten. Vor anderthalb Jahren lieferte Cisco Systems Inc. sich ein Kopf-an-Kopf- Rennen mit General Electric um den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt. Und John Chambers, der Chef des Ausrüsters von Kommunikationsnetzen, war einer der Stars der New Economy.

Aus, vorbei. Rund drei Viertel des damaligen Börsenwertes haben sich mittlerweile in Luft aufgelöst. Vom Symbol eines neuen Wirtschaftszeitalters wurde das Unternehmen aus dem kalifornischen San Jose zum Inbegriff für den Niedergang vieler High-Tech-Werte.

Cisco legt Quartalszahlen vor

Nur eines hat sich nicht geändert: Cisco gilt weiter als Gradmesser für die gesamte Internet-Branche. Entsprechend gespannt warten Investoren auf die Quartalszahlen, die das Unternehmen planmäßig am Dienstag nach Börsenschluss veröffentlichen will. Von der Finanzagentur First Call/Thomson Financial befragte Analysten erwarten im Schnitt für ein Ergebnis je Aktie (EPS) von 0,02 $. Im Vorjahr lag dieser Wert mit 0,53 $ noch weit höher. Für die unmittelbare Börsenreaktion kommt es vor allem darauf an, ob Cisco-Chef Chambers die Erwartungen der Analysten erfüllen kann. Viel wird auch von seinem Ausblick für das laufende Geschäftsjahr abhängen. Der Aktienkurs des US-Unternehmens hatte in jüngster Zeit zumindest die Marke von 20 $ wieder erreicht.

Jahrelang steuerte Chambers die Prognosen der Aktienexperten so genau, dass er sie stets um ein kleines Stück übertraf. Doch mit dem Platzen der Internet-Blase endete selbst für das Ausnahme-Unternehmen die Zeit der scheinbar garantierten Gewinne. So beklagte Chambers zuletzt die schwierige Prognostizierbarkeit der Geschäftsentwicklung.

Entlassungswelle zu Ende

Positiv wertet Analyst Sam Wilson von Merrill Lynch jedoch, dass Cisco nach längerer Pause wieder eine Akquisition getätigt hat: Im vergangenen Monat übernahm der Konzern den Hersteller von Computer-Sicherheitstechnik, Auroranetics, und den kleineren Netzwerkausrüster Allegro Systems für insgesamt 331 Mill. $. Experten zufolge signalisierten die Unternehmenskäufe, dass die Entlassungswelle bei Cisco zu Ende ist. Das Management hatte zuvor zugesichert, dass es keine Unternehmen akquirieren werde, während intern Stellen gestrichen würden. Cisco hat in diesem Jahr 8 500 Mitarbeiter entlassen. Merrill-Analyst Wilson schätzt, dass "das Unternehmen dem Boden nahe ist oder ihn schon erreicht hat".

Ariane Mahler, Analystin für Telekom-Ausrüster erwartet dagegen keine baldige Erholung. Sie hat die Cisco-Aktie vor wenigen Tagen herabgestuft auf "reduzieren". Das heißt, Mahler erwartet für die Titel nur eine unterdurchschnittliche Kursentwicklung. "Wir glauben, der derzeitige Aktienkurs reflektiert die Hoffnung auf eine Ertragswende, die noch nicht in Sicht ist", argumentiert die Dresdner-Analystin. Der Bewertungsaufschlag, den Anleger der Cisco-Aktie im Vergleich zu Branchenkonkurrenten wie Juniper Networks zugestehen, habe sich in jüngster Zeit ausweitet. Gleichzeitig verschlechterten sich laut Mahler die Fundamentaldaten - eine brisante Mischung.

Jeder zehnte vom Informationsdienst Bloomberg registrierte Analyst bewertet die Cisco-Aktie negativ. Nur ein Bruchteil der Anlageurteile lautet "verkaufen" oder ähnlich.

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