Jeder zweite Gewohnheitsraucher stirbt an Folgen der Sucht
Suchtexperten fordern völliges Werbeverbot für Alkohol und Tabak

afp BERLIN. Angesichts alarmierender Zahlen zum Suchtverhalten in Deutschland hat die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) ein vollständiges Werbeverbot für Alkohol und Tabak gefordert. Zwischen den jährlich 1,6 Milliarden Mark der Alkohol- und Tabakindustrie für Werbung und den 25 Millionen Mark, die Bund und Länder pro Jahr für die Suchtprävention einsetzten, gebe es ein "deutliches Missverhältnis", sagte der stellvertretende DHS-Vorsitzende Jost Leune bei der Vorstellung des "Jahrbuchs Sucht 2001" am Dienstag in Berlin. Mehr als 42 000 Menschen sterben demnach jährlich an den Folgen von Alkoholkonsum. Von den regelmäßigen Rauchern sterbe rund die Hälfte an den Folgen ihrer Sucht - im Durchschnitt 111 000 im Jahr. Jeder Zweite von ihnen werde keine 70 Jahre alt.

Allein die Folgen übermäßigen Alkoholkonsums kosten den Staat laut DHS jährlich 40 Milliarden Mark. Diese entstünden zum einen durch die hohen Kosten einer Behandlung. Hinzu kämen so genannte indirekte Kosten von 23,4 Milliarden Mark, die der Volkswirtschaft durch Todesfälle oder Frührente verloren gingen. 1,6 Millionen Menschen seien in Deutschland alkoholabhängig, weitere 2,7 Millionen Menschen konsumierten Alkohol missbräuchlich. Jeder zweite Mann im mittleren Alter trinke so viel, dass er Probleme mit seiner Gesundheit oder seinem sozialen Umfeld bekomme oder auf dem Weg in die Abhängigkeit sei.

Medikamentensüchtige mehrheitlich Frauen

Die 1,5 Millionen Medikamentensüchtigen sind dagegen mehrheitlich Frauen, wie Forschungen der Dortmunder Psychologin Alexa Franke ergaben. Mindestens dreimal so viele Frauen wie Männer seien von dieser Suchtform betroffen. Verantwortlich dafür sei zu einem großen Teil das Verhalten der Ärzte. Frauen bekämen auch bei körperlichen Beschwerden dreimal so häufig Psychopharmaka verschrieben wie Männer. Dabei würden Frauen schon wegen ihrer körperlichen Veranlagung schneller süchtig als Männer, der Weg in die Abhängigkeit sei wesentlich kürzer. Medikamenten- und Alkoholsucht bei Frauen betreffe vor allem Alleinstehende, sagte Franke. Alkoholabhängige Frauen seien etwa dreimal so häufig geschieden wie Frauen mit einem normalen Konsumverhalten. Dabei seien gut ausgebildete Frauen in Berufen mit überdurchschnittlichem Einkommen und in verantwortungsvollen Positionen besonders gefährdet. Medikamentensucht komme hingegen eher bei Frauen mit niedrigem Schulabschluss vor, die entweder in schlechten Positionen oder überhaupt nicht arbeiteten und sich ihren Aufgaben nicht gewachsen fühlten. Nach DHS-Angaben gibt es in Deutschland etwa sieben Millionen Tabaksüchtige. Dagegen liege die Zahl der Menschen, die von illegalen Drogen wie beispielsweise Heroin oder Ecstasy abhängig seien, bei etwa 100.000 bis 150.000. In Deutschland seien 1999 etwa 1800 Menschen an den Folgen dieser Sucht gestorben.

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