Jedes sechste Bett im Olympia-Athen nicht gebucht
Lieber im Fernsehen

Für die Hoteliers in Athen schien das Jahrhundertereignis eine Lizenz zum Gelddrucken: Nur rund 29 000 Hotelzimmer hat die griechische Hauptstadt. Allein die Zahl der zu den Olympischen Spielen gemeldeten Sportler, Betreuer, Funktionäre und Medienvertreter summiert sich auf 37 000. Zusätzlich werden etwa zwei Millionen Besucher aus aller Welt erwartet. Doch mittlerweile ist bei den Hotelbetreibern Ernüchterung eingekehrt. Das erwartete Riesengeschäft blieb aus, die Hotels haben ihre Zimmerpreise um bis zu 50 Prozent zurückgenommen.

hjk/wiwo/HB ATHEN/DÜSSELDORF. Denn jedes sechste Hotelbett wird während der Olympischen Spiele 2004 von Athen womöglich unbenutzt bleiben. "Wenn es so weiter geht, werden rund 6 000 von insgesamt rund 35 000 Betten von Athen leer bleiben", sagt der Präsident der Hotelkammer Griechenlands, Gerásimos Fokásder. Weitere Preissenkungen in letzter Minute sind schon geplant. Als erste Maßnahme wurde eine Senkung der Getränke-Preise in den Hotelbars um 35 % angekündigt. Die Buchungs-"Flaute" führen die griechischen Hoteliers auch auf die international unsichere Lage in Zusammenhang mit dem weltweiten Terrorismus zurück.

Aber auch die anfänglichen Mondpreise taten ihr Übriges dazu bei. "Das Intercontinental Hotel wollte von uns 1 200 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer haben", sagt Jens-Joachim Brösel vom Reiseveranstalter Dertour, "da haben wir dankend abgelehnt." Schon vor mehr als einem Jahr hatten die internationalen Veranstalter deshalb lieber Hotels außerhalb Athens unter Vertrag genommen, ein Teil der Besucher wird in Privatunterkünften untergebracht. Entlastung bringen auch elf während der Spiele im Hafen von Piräus vor Anker gehende Kreuzfahrtschiffe mit insgesamt 6 500 Kabinen wie die nagelneue Queen Mary 2 und der Seetours-Partydampfer Aida Aura.

Ob Spätbucher das Blatt noch wenden können, ist unsicher. Freie Kapazität ist zwar vorhanden, aber der Verkauf läuft schleppend. Zufrieden ist nur der deutsche Großveranstalter Dertour. "Die Nachfrage nach Eintrittskarten ist immer noch enorm", sagt Geschäftsführer Michael Frese, "wir rechnen damit, dass Athen eine der erfolgreichsten Olympischen Spiele wird." Von den rund 50 000 Tickets, die für den deutschen Markt zur Verfügung standen, sind bisher mehr als 45 000 verkauft. Insgesamt rechnet Dertour für Athen mit einem Umsatz von rund 18 Millionen Euro, 5 Millionen mehr als in Sydney.

Für die griechische Tourismusindustrie könnte sich Olympia aber sogar negativ auswirken: "Die überhöhten Preise und das schlechte Image haben dazu geführt, dass auch das normale Feriengeschäft leidet", bedauert Horst Kitzki, Geschäftsführer des Königsteiner Reiseveranstalters Ikarus Tours. Ohnehin bremsen nach den Erfahrungen des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes in Berlin (DRV) sportliche Großereignisse die Reiselust eher: "Die Deutschen verfolgen solche Wettkämpfe lieber im Fernsehen", sagt DRV-Präsident Klaus Laepple.

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